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Schweden geht k.o. : Harter Schlag in der letzten Minute

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Bild: WITTERS

„Mit das Schwierigste, was ich in meiner Karriere durchgemacht habe“: Die Ukraine besiegt Schweden in einem umkämpften EM-Achtelfinale. Der entscheidende Treffer fällt spät – ganz spät.

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          Für das, was spät an diesem Abend passierte, wählte Emil Forsberg drastische Worte. „Dieses Tor in der letzten Minute ist mit das Schwierigste, was ich in meiner Karriere durchgemacht habe“, sagte der schwedische Angreifer. Mit seiner Nationalmannschaft war er im Achtelfinale an der Ukraine gescheitert – durch ein Gegentor in der letzten Minute der Verlängerung. Bitterer geht’s kaum. „Da ist eine unglaubliche Leere. Alle Schweden empfinden es als harten Schlag. Wir hatten so viel Spaß und wollten diese Reise fortsetzen“, sagte Forsberg.

          Fußball-EM

          Immer größer waren in den vergangenen Tagen die zuerst heimlichen Hoffnungen geworden, Schweden könnte mit aufspringen auf den Zug der Außenseiter, von denen einer womöglich bis in Finale fährt. Galt die Ukraine nach allgemeiner Meinung doch als schlagbar. Die Osteuropäer hatten sich erst als letzte Mannschaft für das Achtelfinale qualifiziert – nach nur einem Sieg in der Vorrunde. Der gelang gerade so gegen die abgeschlagene Vertretung Nordmazedoniens.

          Eine Aufführung in zwei Akten

          Aber wie schon an den Vortagen zu beobachten war, entwickelte auch dieses K.-o.-Spiel seine eigene Dramatik. Auf den Rückstand antwortete Schweden, wie es so oft bei dieser EM geantwortet hat: mit einem Tor von Forsberg. Der 29-Jährige traf zum vierten Mal bei diesem Turnier. In der Folgezeit bestätigte er seine überragende Form, nur fehlte ihm das nötige Glück. Zuerst traf er den Pfosten, später mit einem herrlichen Schlenzer die Latte. Sein fünftes Tor wollte nicht fallen. Und wird es auch nicht mehr.

          Schwedens Ausscheiden war eine Aufführung in zwei Akten. In der Verlängerung sah Marcus Danielsson nach einem brutalen Foul die Rote Karte. Die nun in Unterzahl spielenden, zuvor hoch überlegenen Schweden waren stehend k.o., wollten sich ins Elfmeterschießen retten, aber dann rauschte Duvbyk mit dem Kopf in eine Flanke des überragenden Zinchenko, und Schweden war ausgeschieden.

          „Das Ergebnis ist schwer zu akzeptieren“, sagte Schwedens Trainer Janne Andersson. Nach der Weltmeisterschaft vor drei Jahren verpasste es Andersson mit seiner Mannschaft zum zweiten Mal nacheinander, ins Viertelfinale eines großen Turniers vorzudringen. Wie in Russland hätte England in der Runde der letzten acht gewartet. Das Gefühl, eine große Möglichkeit verpasst zu haben, dürfte diese schwedische Generation noch länger begleiten. „So sollte es nicht enden. Der Fußball gibt viel, aber er nimmt noch mehr“, sagte Dejan Kulusevski.

          Kulusevski ist erst 21 Jahre alt, spielt schon bei Juventus Turin und gilt in Schweden als das kommende Gesicht der Nationalmannschaft. Das war viele Jahre lang Zlatan Ibrahimovic. Der verpasste die EM in letzter Minute wegen einer Knieverletzung. Vermisst wurde der 39 Jahre alte Rekordtorschütze seines Landes nicht.

          Was die kommenden Aufgaben angeht, wird Trainer Andersson um einen Neuaufbau nicht herumkommen. Schweden stellte mit einem Durchschnittsalter von 29,2 Jahren neben Belgien den ältesten Kader aller Teilnehmer. Auch wenn die WM in Qatar nur noch anderthalb Jahre entfernt ist, dürften einige gestandene Spieler ihr Engagement in der Nationalmannschaft überdenken. Für Emil Forsberg, Schwedens erfolgreichsten EM-Torschützen, gilt das nicht. Die so abrupt abgebrochene Reise möchte der in Leipzig spielende Stürmer dem Vernehmen nach bei der WM fortsetzen.

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