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Schottlands EM-Aus : Nicht noch einmal 23 Jahre warten!

  • -Aktualisiert am

Wie immer: Schottland schafft es nicht in die K.o.-Runde Bild: dpa

Endlich ist Schottland bei einem großen Turnier dabei und scheitert dann doch wieder in der Vorrunde. Doch diesmal gibt es Hoffnung, es könne ein Anfang sein, nicht das Ende.

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          Sie waren so nah dran. Nach ihrem umjubelten Unentschieden gegen England im vorangegangenen Gruppenspiel brauchten die Schotten am Dienstagabend unbedingt einen Sieg über Kroatien, um Fußball-Geschichte zu machen. Zum ersten Mal überhaupt wären sie dann in die K.o.-Runde bei einer Welt- oder Europameisterschaft vorgedrungen – und das bei ihrer ersten Turnierteilnahme nach 23 Jahren, in denen sie zum Zuschauen verdammt gewesen waren. Doch vor den knapp 10.000 Fans im Glasgower Hampden Park kam es anders, als sie es sich erträumt hatten. Kroatien gewann das Spiel am Ende deutlich und steht damit im Achtelfinale der EM, Schottland ist dagegen Letzter in Gruppe D – und scheidet aus.

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          Schon nach 17 Minuten rückte der Traum vom Achtelfinale für die Schotten in weite Ferne, als Nikola Vlasic die Kroaten in Führung schoss. Aber Schottland gab nicht auf und glich kurz vor der Pause aus: Die kroatische Abwehr klärte eine Flanke von Andrew Robertson genau vor die Füße von Callum McGregor, der nahm den Ball an, sah kurz auf und drosch ihn aus 17 Metern Entfernung mit dem rechten Fuß flach links unten ins Tor. Der Jubel war riesig, aber die Begeisterung hielt nicht lange an. Denn nach gut einer Stunde brachte Luka Modric Kroatien mit einem traumhaften Außenrist-Schuss wieder in Führung, Ivan Perisic erhöhte wenig später auf 3:1. Dabei blieb es.

          Im Fernsehinterview Minuten nach dem Schlusspfiff rang Liverpool-Profi Robertson sichtlich mit den Tränen und bemühte sich um eine feste Stimme. „Die Liebe, die wir im ganzen Land erfahren haben, war unglaublich“, sagte er. Leider habe die Mannschaft es nicht geschafft, den Fans zumindest einen Sieg zu schenken. Als Schottland das letzte Mal bei einem Turnier dabei war, bei der WM 1998, war Robertson gerade einmal vier Jahre alt. Aber sie sind zuversichtlich, dass es bis zum nächsten Mal nicht wieder so lange dauert. „Wir müssen das nutzen, um uns anzutreiben, uns für weitere Turniere zu qualifizieren“, sagte John McGinn, der wie viele seiner Mitspieler in der englischen Premier League sein Geld verdient: „Das nächste Ziel ist die Weltmeisterschaft.“ Diese EM werde der Anfang einer erfolgreichen Generation schottischer Fußballer sein, nicht das Ende.

          BBC Scotland schrieb am Tag nach dem Spiel, Robertson und seine Mitspieler hätten sich aus den „Fesseln der Vergangenheit“ befreit. Es gehe jetzt nicht mehr darum, was in diesem Sommer passiere, sondern darum, was als nächstes komme. Denn auch wegen des Trainers, Steve Clarke, glauben die Schotten, dass bessere Zeiten auf sie zukommen. Clarke ist seit Mai 2019 im Amt und gilt als Mann weniger Worte.

          Doch auch er ließ sich nach dem Ausscheiden zu einem emotionalen Versprechen hinreißen. Vielleicht habe sich die Mannschaft im zweiten Gruppenspiel gegen den „Auld Enemy“ England zu sehr aufgerieben, um in Wembley einen Punkt zu erobern, erklärte er die Niederlage gegen Kroatien. Vielleicht sei ihnen deshalb zum Schluss die Kraft ausgegangen. „Das ist etwas, das wir für das nächste Turnier lernen können“, sagte Clarke. „Und ich verspreche euch, dass bis dahin keine 23 Jahre vergehen werden.“

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