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Robin van Persie : Künstlerisch besonders wertvoll

Bevor Papa zur Europameisterschaft fährt, darf Tochter Dina im Trainingslager mitspielen Bild: AFP

Der Niederländer Robin van Persie galt nicht unbedingt als Musterprofi. Inzwischen ist er Arsenal-Kapitän und kann sich fast jeden Topklub als Arbeitgeber aussuchen. Den Ausschlag geben womöglich zwei Frauen - und der Platzwart. Teil 6 des FAZ.NET-EM-Countdowns.

          Dass es den Nationalspieler Robin van Persie unter dem Bondscoach Bert van Marwijk geben würde, war vor zehn Jahren eigentlich undenkbar. Der Trainer hatte den Stürmer in der Jugend von Feyenoord Rotterdam zwar als besonderes Talent ausgemacht und ihn schließlich in die erste Mannschaft be- und dort gefördert. Zusammen gewannen sie im Mai 2002 sogar den Uefa-Pokal nach einem 3:2-Sieg im eigenen Stadion über Borussia Dortmund.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Dann aber suspendierte van Marwijk seinen verhaltensauffälligen Angreifer, der schon in der Schule oft wegen Störung des Unterrichts des Klassenzimmers verwiesen worden war, gleich doppelt. Nach Disziplinlosigkeiten schickte der Fußballlehrer den Problemschüler zum Nachdenken über angemessenes Verhalten eines Profis in die Reservemannschaft. Nach der Rückkehr indes wärmte er sich beim Spiel gegen Real Madrid derart lustlos auf, dass van Marwijk ihn gleich zurück ins zweite Team schickte – Lektion nicht gelernt.

          Auch wenn der Kopf noch nicht mitspielte, mit seinem linken Fuß stach van Persie in Rotterdam hervor. 2004 wechselte er für eine Ablösesumme von drei Millionen Euro nach England zum FC Arsenal. Doch die sportliche Integration des charakterlich schwierigen Jungstürmers in London verlief überaus schleppend.

          Zu allem Überfluss handelte sich der Neuzugang gegen Southampton einen unnötigen Platzverweis wegen einer Tätlichkeit ein. Die Worte von Arsene Wenger an der Seitenlinie sollen nicht jugendfrei gewesen sein, die öffentliche Rüge anschließend über die Medien – ganz gegen die Gewohnheit des Trainers – war auch deutlich genug. Van Persie sollte sich seine Unbeherrschtheit tunlichst abgewöhnen, um den Erfolg des Teams nicht zu gefährden.

          Beobachter auf der Tribüne: Ehefrau Bouchra und Sohn Shaqueel

          Doch der Niederländer geriet nochmal ins Zwielicht, diesmal abseits des Rasens – allerdings unverschuldet. Nach dem Debüt gegen Rumänien und dem ersten Tor für die Nationalelf in Finnland landete er im Juni 2005 nicht nur auf dem Flughafen seiner Geburtsstadt Rotterdam, sondern auch in einer Zelle bei der Polizei. Der schwerwiegende Vorwurf: Vergewaltigung einer Schönheitskönigin.

          Vierzehn Tage saß van Persie in Untersuchungshaft, dann entschied ein Gericht, dass der sexuelle Kontakt ohne Zwang erfolgte. Der Nationalspieler wurde im Februar 2006 endgültig freigesprochen und bezeichnete die Haft als „die schlimmste Zeit meines Lebens“. Es sei so heiß in seiner Zelle gewesen, dass er kurz davor gewesen sei, durchzudrehen. „Ich bin froh, dass meine Frau zu mir gehalten hat.“

          In Rotterdam verstanden sich Bert van Marwijk und Robin van Persie gar nicht, nun setzt der Coach auf den Stürmer

          Der nächste Rückschlag erfolgte wieder auf dem Fußballplatz. Das Finale der Champions League 2006 verlor Arsenal nach Jens Lehmanns Platzverweis und Sol Campbells Führung gegen Barcelona noch. Bedingt durch eine Verletzung von Thierry Henry erhöhte sich damals aber immerhin die Einsatzzeit und Wertigkeit van Persies – bis er sich beim Jubel über sein Tor gegen Manchester United Anfang 2007 den Mittelfuß brach.

          Henry verließ den Klub, van Persies Krankenakte füllte sich: Mal spielte ein Knie nicht mit, mal ein Muskel, mal ein Knöchel. Erst nach der Weltmeisterschaft 2010, während der er bei den Niederländern, die das Finale gegen Spanien 0:1 verloren, erste Wahl war, endete das Verletzungspech. Durch den Abgang von Cesc Fabregas stieg van Persie in London endgültig zum Anführer auf: Trainer Wenger machte ihn zum Kapitän – ein Job, auf dessen Stellenbeschreibung der Niederländer einige Jahre zuvor kaum gepasst hätte.

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