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Rechtsextreme Ultras in Lemberg : Rassismus, Judenhass und Gewalt

  • -Aktualisiert am

Protestmarsch gegen ausländische Spieler

Streift man mit dem Lemberger Ultra Andrej durch die pittoreske Altstadt der westukrainischen Kulturmetropole, fallen viele Hakenkreuze auf: am Eingang der Universität, auf Bauzäunen und denkmalgeschützten Häuserwänden, „Kill jews“ steht dort, „Scheiß Jude“ neben einem stilisierten Galgen oder „Jude verrecke“ - auf Deutsch. Und immer wieder Keltenkreuze für die angebliche Überlegenheit der weißen Rasse. Auch das Wappen der SS-Division Galizien taucht häufig im Stadtbild auf. Mit ihm wirbt die Swoboda, die im Rathaus die Mehrheit stellt.

Ihr Fraktionsvorsitzender Ruslan Koschulinski erklärt, warum seine Partei in engem Kontakt mit den Karpaty-Ultras steht: „Das ist unsere Mannschaft, die wir schon immer unterstützt haben. Das hier ist unser Boden, es ist unser Land, für das wir auf ewig einstehen. Wegen dieser Gemeinsamkeiten unterstützen viele Karpaty-Anhänger auch die Swoboda.“ Seine Partei hat auch einen Protestmarsch gegen ausländische Spieler in der heimischen Premier Liga organisiert. Denn Fans wie Andrej stört es, dass dort zeitweilig mehr Brasilianer spielen als etwa in der spanischen Primera División. 5.000 rassistische Fans folgten dem Aufruf der Swoboda.

„Wir sind auf alles vorbereitet“

Zum Jahrestag der Befreiung vom Nazi-Terror im vergangenen Jahr in Lemberg haben sie dann zugeschlagen: Gemeinsam mit Ruslan Koschulinski und der Swoboda protestierten Karpaty-Ultras gegen ein Veteranentreffen. Dabei griffen einige gewalttätige Fußballfans Busse mit den ehemaligen Mitgliedern der Roten Armee an. In einem dieser Busse saß auch der kommunistische Lokalpolitiker Juri Tkaschenko, um die alten Menschen zu begleiten. „Viele von ihnen kamen mit ihren Enkelkindern. Wie alle anderen hatte auch ich Angst um mein Leben.“

Tkaschenko sieht in den Ultras den gewalttätigen Arm der Swoboda. Ob der sich auch beim EM-Spiel der Deutschen zeigen wird? „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagt Andrej, dem es aber wichtig ist zu erwähnen, dass von seinen Ultras keine Provokation ausgehen wird. Seit einem Jahr ist die Kontrolle durch Polizei und Geheimdienst hoch. Schließlich steht auch die Stadt unter Druck von außen. Und noch immer wirkt die letzte Begegnung der „Banderstadt-Ultras“ mit einer größeren ausländischen Fangruppe nach: Im Herbst 2010 spielte Karpaty in der Europa League zu Hause gegen Borussia Dortmund. Thilo Danielsmeyer vom Dortmunder Fanprojekt erinnert sich. „In der Stadt war niemand auf 800 ausländische Fußballfans vorbereitet. Auch die Polizei war überfordert, dort sprach keiner Englisch.“ Schließlich eskalierte die Situation vor der Oper, wo in diesen Tagen das Fanfest organisiert wird. „1000 Ultras rannten auf uns zu und feuerten Pyros auf uns ab. Es war ein gut organisierter bedrohlicher Mob.“ Es habe Verletzte gegeben, sagt er. „Als der Mob dann 50 Meter vor uns auftauchte, fielen Schüsse.“ Die überforderte Polizei hatte scharf in die Luft geschossen. Erst dann war Ruhe.

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