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Eintracht-Stürmer bei Portugal : André Silva ist der Deutschland-Erklärer

André Silva kennt die deutschen Spieler besser als seine Kollegen aus Portugal. Bild: EPA

In der ersten EM-Partie Portugals spielte André Silva nur kurz. Vor dem Duell mit Deutschland ist er aber sehr gefragt. Der Stürmer von Eintracht Frankfurt warnt seine Landsleute vor der DFB-Elf.

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          Zweimal waren beim EM-Auftaktspiel der Portugiesen die Augen auf André Silva gerichtet. Das erste Mal, als er gegen Ungarn in der 81. Minute eingewechselt wurde. Das zweite Mal, als er drei Minuten später im Sturmzentrum emporhüpfte, um seinem Mannschaftskollegen Raphael Guerreiro beim Torschuss bloß nicht in die Quere zu kommen. Alles richtig gemacht, denn der Führungstreffer des Fußballprofis von Borussia Dortmund erlöste den Titelverteidiger und markierte den Anfang des spät errungenen 3:0-Auftaktsieges.

          Fußball-EM
          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          Damit stand Silvas erster EM-Auftritt sinnbildlich für die Rolle, die der Stürmer von Eintracht Frankfurt in der portugiesischen Nationalmannschaft einnimmt: mittendrin und doch nur dabei. „Wir haben sehr viel Qualität im Kader und sind eine starke Gemeinschaft“, sagte Silva dieser Tage. „Ich weiß aber, dass ich der Mannschaft sehr helfen kann.“

          Wenn ihn Trainer Fernando Santos denn wieder lässt beim zweiten Gruppenspiel an diesem Samstag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, in der ARD und bei MagentaTV) gegen Deutschland. In portugiesischen Kreisen war Andrè Silva in letzter Zeit nicht nur als Angreifer gefragt, sondern auch als Deutschland-Erklärer. Die DFB-Auswahl befinde sich in einem Übergangsstadium, weil Joachim Löw als Bundestrainer aufhöre und eine Reihe neuer Spieler aufliefen, sagte Silva seinen Landsleuten. „Wir müssen sehr aufpassen. Die letzten Spiele des Trainers könnten dem deutschen Team einen Extraschub geben.“

          „Siegermentalität entwickelt“

          Die Portugiesen geben sich selbstbewusst. Der EM-Kader ist gespickt mit lauter gekürten Fußballmeistern aus aller Herren Länder: Spieler von Manchester City, die in der englischen Premier League triumphierten und im Champions-League-Finale standen; Profis von den Titelträgern aus Spanien, Frankreich, Portugal sowie von alten und neuen Teilnehmern an der Königsklasse. „Die Mannschaft hat eine Siegermentalität entwickelt“, sagt Rúben Dias. Der Innenverteidiger von Manchester City ist das beste Beispiel: Er wurde zum besten Spieler der vergangenen Premier-League-Saison gewählt. Für Silva hat es mit der Eintracht „nur“ für die Europa League gereicht.

          Für Rúben Dias schafft die interne Konkurrenz die besten Voraussetzungen dafür, es im Turnier weit zu bringen. Wenn viele gestandene Kräfte um wenige Plätze kämpfen, treibe man sich gegenseitig zu Bestleistungen. So gesehen ist Silva ein idealer Herausforderer für Stammkräfte wie Diogo Jota vom FC Liverpool, für den der Eintracht-Profi sowohl beim letzten Testspiel gegen Israel wie auch im ersten EM-Spiel gegen Ungarn eingewechselt wurde.

          Fußball-EM

          Er sei bei der Eintracht stabiler geworden und verstehe das Beste aus sich herauszuholen, sagte Silva. Dazu beigetragen habe, dass er zum ersten Mal zwei Jahre bei demselben Verein gespielt habe: „Ich habe in meiner Karriere gelernt, dass man die Dinge nicht immer kontrollieren kann.“ Nicht anders ist es im Nationalteam.

          Inmitten einer derart hochdekorierten Truppe ist es nicht leicht, aufzufallen und sich durchzusetzen. Selbst wenn man eine herausragende Saison hinter sich hat wie Silva und zweitbester Bundesliga-Torschütze hinter dem Weltfußballer Robert Lewandowski geworden ist. Vergleicht man Silvas 28 Bundesligatore mit der Ausbeute eigener Kollegen oder den deutschen Spielern, wird seine Abschlussstärke in ihrem ganzen Ausmaß deutlich: Die drei Offensivkräfte des FC Bayern München, die in der Nationalmannschaft aktiv sind, also Thomas Müller, Serge Gnabry und Leroy Sané, sind in der zurückliegenden Spielzeit gemeinsam nur auf 27 Bundesligatreffer gekommen.

          Rein statistisch muss Silva nicht einmal den Vergleich mit Cristiano Ronaldo scheuen. Der Superstar hat in der Serie A 29 Tore für Juventus Turin erzielt. Umgerechnet auf seine Einsatzzeiten, traf Ronaldo im Schnitt alle 97 Minuten. Silva benötigte von einem Eintracht-Treffer zum nächsten 99 Minuten. Zum Vergleich: Gnabry, der Effektivste aus dem DFB-Kader, traf im Bayern-Trikot alle 165 Minuten.

          Für Portugals früheren Stürmerstar Nuno Gomes, mit sechs Treffern unter den besten Torschützen der EM-Geschichte, kam der Durchbruch des Frankfurter Profis etwas überraschend. „Er hat eine fantastische Saison gespielt“, sagte Gomes, nun könne Silva auch in der Selecção zu einer prägenden Figur werden. Das würde Silva an diesem Samstag gerne bestätigen. Die Münchner Arena gehört zu den Bundesligastadien, in denen der Eintracht-Stürmer bisher noch nicht getroffen hat.

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