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Portugal : „Wir waren besser als Deutschland“

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Paolo Bento ist trotz der Niederlage zufrieden: „Wir haben einem großen Gegner ein großes Spiel geliefert. Wir sind als Einheit aufgetreten, wie es unser Stil ist“ Bild: dpa

Die portugiesische Nationalelf zeigt sich unbeeindruckt von der Niederlage gegen das deutsche Team. Vor allem Trainer Bento vermittelt den Glauben an das Viertelfinale.

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          Paulo Bento verhielt sich nach dem Abpfiff genauso, wie zuvor seine Mannschaft auf dem Spielfeld reagiert hatte: völlig unbeeindruckt vom Rückschlag. So wie seine Spieler bis zuletzt Kampfgeist zeigten und hartnäckig versuchten, den 0:1-Rückstand gegen Deutschland zu korrigieren, weigerte sich der Trainer der Portugiesen, in der Niederlage, als sie dann feststand, etwas Endgültiges zu sehen. „Wir wollen immer noch ins Viertelfinale“, sagte Bento mit fester Stimme. Und tatsächlich muss das 0:1 gegen Deutschland nicht mehr als ein Zwischenstand auf dem Weg in die K.-o.-Runde der Fußball-Europameisterschaft sein. In den verbleibenden Gruppenspielen gegen Dänemark und die Niederlande können die Portugiesen Versäumtes nachholen.

          Sie dürfen optimistisch sein. Denn wie sagte der Trainer, ohne dass sich Widerspruch regte: „Wir haben alles richtig gemacht, nur nicht das Wichtigste: Wir haben es nicht geschafft, ein Tor zu schießen.“ Dabei gab es reichlich Gelegenheiten dazu. Pepe traf die Unterkante der Latte des deutschen Tores, Nani die Oberkante. Nani war es auch, der in letzter Sekunde mit seinem Schuss an Badstubers Rücken scheiterte, kurz zuvor hatte Silvestre Varela den Ball nicht am herausstürzenden Torwart Neuer vorbeigebracht. Nur um Haaresbreite verpasste Portugal in der Schlussphase den Ausgleichstreffer. Bis auf die Treffsicherheit konnte Bento mit der Vorstellung seiner Mannschaft nur zufrieden sein: „Wir haben einem großen Gegner ein großes Spiel geliefert. Wir sind als Einheit aufgetreten, wie es unser Stil ist.“

          Bentos Stil

          Wie es Bentos Stil ist. Denn die portugiesische Nationalmannschaft spielt erst diese kompakte Art Fußball, bei der jeder für den anderen spielt und jedes Rädchen ineinandergreift, seitdem er im September 2010 die Verantwortung übernommen hat. Damals, als das Spiel auf die Stars Cristiano Ronaldo und Nani zugeschnitten war, war die EM-Qualifikation hochgradig gefährdet. Mit Bento sicherte sich das Team hinter Dänemark noch Platz zwei und zog dann in den Play-offs gegen Bosnien überzeugend in die Endrunde in Polen und der Ukraine ein. In der Spielweise der Nationalmannschaft findet sich Bentos Spielauffassung als Profi wieder. Als defensiver Mittelfeldspieler für Benfica, Oviedo, Sporting Lissabon und die portugiesische Nationalelf war er immer ein Muster an Beständigkeit und Zuverlässigkeit. Einer, der die Arbeit der anderen mitmachte und dem dabei kein Weg zu weit wurde.

          Es ist überraschend, wie sich Cristiano Ronaldo Bentos Philosophie unterwirft. Gegen Deutschland bewegte sich der Star in dem ihm zugewiesenen Raum, bekam von seinen Kollegen den Ball jedoch kaum einmal zugespielt - und fügte sich, ohne zu motzen. Der Pfau unter den großen Fußballspielern versuchte lediglich, seine glanzlose Rolle ein wenig optisch aufzuhübschen. Als einziger Spieler lief der Portugiese mit unterschiedlich langen Hosenbeinen über das Feld. Während das rechte wie bei allen anderen knapp über dem Knie endete, krempelte er das linke immer wieder sorgsam nach oben, sobald es mal zu verrutschen drohte, und entblößte dabei seinen muskulösen Oberschenkel.

          Hoch die Hose: Immer wieder krempelte Ronaldo sein linkes Hosenbein nach oben Bilderstrecke

          „Wir waren besser als Deutschland“, sagte Cristiano Ronaldo nach dem Schlusspfiff trotzig. Zwei Tage zuvor hatte der Stürmer, der für sich das Markenzeichen CR7 entwarf, in einem Interview mit dem Mediendienst des Europäischen Fußball-Verbandes das Hohelied auf seinen Trainer gesungen. „Er hat sehr viel Selbstvertrauen und ist von seinen Spielern überzeugt. Er legt für jeden Spieler seine Hand ins Feuer, und das beruht auf Gegenseitigkeit, wir schenken ihm vollstes Vertrauen. Wenn ein Trainer gut für uns ist, muss man zu ihm auch gut sein.“ Cristiano Ronaldo scheint von der Ausstrahlung seines Trainers beeindruckt zu sein.

          Paulo Bento wirkt mit seinen fast 43 Jahren physisch noch so drahtig wie seine Spieler und mental stärker und gefestigter als sie. Sein Resümee fiel kurz und knapp aus, ohne das Spielpech seiner Mannschaft zu beklagen: „Wir haben ein tolles Spiel gemacht, wir haben es verloren, das ist Fußball. Jetzt müssen wir uns eben auf die nächsten Aufgaben konzentrieren. Wenn wir so weiterspielen, dann werden wir auch Tore schießen.“ Portugal hat sich noch lange nicht aufgegeben.

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