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Enttäuschung bei Portugal : „Deutschland hat eine große Mannschaft“

  • -Aktualisiert am

Cristiano Ronaldo traf zwar gegen Deutschland, verlor aber mit Portugal. Bild: AFP

Portugal verlor zuletzt nur eines von 18 Spielen. Das Selbstvertrauen des Europameisters war enorm. Dann kam das 2:4 gegen die DFB-Elf. Die Niederlage setzt den Portugiesen schwer zu.

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          Der Reflex ist oft der gleiche, europaweit, weltweit. Wenn die eigene Mannschaft gegen Deutschland eine Lehrstunde verpasst bekommt, bemühen ausländische Medien gerne die alte Kriegsrhetorik. Portugals Sportzeitung A bola, 1945 gegründet, machte da keine Ausnahme. Nach dem 4:2-Sieg von Deutschland über den Europameister titelte sie auf ihrem Online-Portal: „Deutsche Panzer zerstören wackeligen portugiesischen Defensivblock.“

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          Das mag sich arg martialisch anhören und abgesehen davon, dass von Manuel Neuer bis Jonas Hofmann niemand einen Panzer besitzt, geschweige denn einer ist, traf die Aussage doch einen Kern. Ramponiert wurde Portugals Defensive an diesem Tag in ihren Grundfesten.

          „Ich übernehme die Verantwortung. Ich wollte so spielen“, sagte Portugals Trainer Fernando Santos. Ein Mann, der starken, schweren Worte ist Santos, der gerne grimmig schaut. So grimmig wie an diesem Abend in München aber musste er schon länger nicht mehr dreinblicken. Von den 18 vorangegangenen Spielen hatte Portugal nur eines verloren, die Mannschaft galt als formstark, das Selbstvertrauen war enorm.

          „Das Ergebnis spricht für sich“

          Umso schwerer setzte das Resultat Mannschaft und Trainerteam zu. „Es ist ein Ergebnis, das wir nicht wollten. Manchmal konnten wir uns gegen die Überlegenheit von Deutschland nicht wehren“, sagte Mittelfeldspieler Joao Moutinho, der in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Aber auch er, der so erfahrene Akteur, konnte dem Spiel mit seinen 34 Jahren keine Wendung mehr geben.

          Genauso wenig wie der ehemalige Profi des FC Bayern, Renato Sanches, der gleich nach der Pause kam und in der zweiten Halbzeit mit einem Gewaltschuss den Pfosten traf. Es wäre das 3:4 gewesen, so aber blieb eine mögliche Aufholjagd aus. Sanches versuchte später den verbalen Spagat. Er lobte den Gegner, ohne die eigene Leistung zu klein zu machen. „Es war ein Spiel zwischen zwei großen Mannschaften. Das Ergebnis spricht für sich, aber ich denke, wir hatten Chancen, noch zu verkürzen“, sagte Sanches.

          So ziemlich alles lief gegen Portugal an diesem Tag von München. Dabei hatte es so gut angefangen. Hinein in die deutsche Drangphase traf Cristiano Ronaldo, es war sein dritter Turniertreffer. Aus Sicht von Ronaldo war es ein mehrfach historisches Tor. Zum ersten Mal traf er gegen Deutschland, darüber hinaus war es sein neunzehntes bei einer Welt- oder Europameisterschaft. So viele hat bislang nur Miroslav Klose. Den alleinigen Rekord für Tore bei einer Europameisterschaft hält Ronaldo bereits (12).

          Danach passierte aber ebenfalls Geschichtsträchtiges. Portugal unterliefen in Person von Ruben Dias und Raphael Guerreiro zwei Eigentore, ein Novum beim europäischen Kontinentalwettbewerb. Hatte Portugal zum Auftakt gegen Ungarn noch stabil und gefestigt gewirkt, zeigte sich die Defensive vor allem bei den deutschen Angriffen über Außen arg anfällig. Das Umschalten nach verlorenen Bällen funktionierte nicht.

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          „Wir hatten im Mittelfeld schon eine Überlegenheit, aber die Deutschen haben es geschafft, sich immer wieder aus den schwierigen Situationen zu befreien“, sagte Santos. Mittelfeldspieler Moutinho fand: „Deutschland hat eine große Mannschaft, viele gute Spieler, die zwischen den Linien gespielt haben. Wir konnten uns nicht vom Druck befreien.“

          Nachdem die Deutschen durch Kai Havertz und dem überragenden Robin Gosens noch zwei eigene Treffer beigesteuert hatte, stand es zwischenzeitlich 1:4 aus portugiesischer Sicht. Vor allem die Leichtigkeit, mit der die Deutschen trafen, musste den Portugiesen missfallen. „Zu einfach. Portugal hatte kein Mittel gegen Deutschland, trotz der Führung in der ersten Halbzeit“, schrieb die Zeitung Record.

          Kompliziert könnte die Situation für den Europameister nun im weiteren Turnierverlauf werden. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Weltmeister Frankreich muss mindestens ein Punkt her. Sonst könnte bereits das Aus in der Vorrunde drohen. Auch bei den Franzosen ist die Anspannung nach ihrem unerwarteten Remis gegen Ungarn (1:1) gestiegen. Um ganz sicher das Achtelfinale zu erreichen, sollten auch sie nicht verlieren.

          Vor dem letzten Spieltag ist in dieser ohnehin stärksten Gruppe des Turniers alles offen. Selbst der Letzte Ungarn kann noch aus eigener Kraft weiterkommen. „In dieser Gruppe F wird alles neu gestartet!“, schrieb die französische Zeitung „Le Monde“. Auf einen Neustart hätte Portugal nur zu gern verzichtet. Gleiches lässt sich auch über die Panzer-Rhetorik sagen.

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