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Ronaldo gegen Bale : Rivalen aus dem königlichen Palast

Teil des Teams: Gareth Bale geht voran, aber nicht alleine

Das änderte sich nach Ancelottis Entlassung vor einem Jahr. Rafael Benítez, der Neue, gab Bale mehr Freiraum, in zentraler Rolle mal hinter, mal neben Mittelstürmer Karim Benzema. Die Sache ging vor allem bei der 0:4-Heimniederlage gegen Barcelona schief, Benítez wurde bald entlassen. Unter Zinédine Zidane spielt Bale wieder rechts, Ronaldo wie immer links. Aber der neue Real-Trainer, selber einer der Größten des Fußballs, hatte die nötige Empathie für die Seele der Superstars, um ein Gleichgewicht herzustellen. Eine „Entente Cordiale“ moderner Art nennt es „France Football“. Eine Verbindung, in der das Hirn verlangt, herzlich zu wirken. „Cristiano ist ein phantastischer Spieler“, sagt Bale. „Ich liebe es, neben ihm zu spielen. Wir verstehen uns phantastisch in Madrid.“

Ronaldo ist physisch nicht mehr auf dem Zenit

Ronaldo ist eine Real-Legende, aber mit 31 Jahren physisch nicht mehr auf dem Zenit – Bale dagegen auf dem Weg, eine zu werden, mit 26 vor den besten Jahren stehend. In Madrid ist keiner der beiden stark genug, den anderen entscheidend aus dem Feld zu schlagen. In Lyon kann das an diesem Mittwoch anders sein. In ihren Rollen im Nationalteam kreuzen sich zwei Karrierewege, die im Klubteam noch im Gleichgewicht stehen.

Teamplayer gegen Alleinunterhalter: Bei Real Madrid machen Gareth Bale (links) und Cristiano Ronaldo gemeinsame Sache.

Ihr Verhalten bei der EM spiegelt das. Bale stellt sich in Auftreten und Äußerungen betont als Teamplayer dar („Bei uns gibt es keinen Star, der Star ist das Team“). Ronaldo spielt oft wie jemand, der glaubt, alles allein tun zu müssen. Zu offenkundig ist sein Klagen, wenn er einen Pass nicht erhält, ist seine Gier, den eigenen Torabschluss zu suchen.

36 Mal tat er das bisher in diesem Turnier, der geduldigere, effizientere Bale nur 21 Mal. Nur 25 Prozent von Ronaldos Versuchen kamen aufs Tor, bei Bale waren es 67. Für jedes seiner bisher zwei Tore brauchte Ronaldo im Schnitt 18 Versuche – Bale für seine drei Treffer nur je sieben.

Im Dienst von Team und Nation

Für Bale ist es das erste große Turnier, ein gewaltiges Ereignis für ein kleines Land, und Bale hat das Gespür, es nicht als seine persönliche Bühne zu betrachten, sondern sich in den Dienst von Team und Nation zu stellen. Für Ronaldo ist es die siebte Teilnahme an Welt- oder Europameisterschaften und wohl die letzte mit Titelchance. Er wirkt physisch nicht mehr so stark, so unaufhaltsam wie noch vor ein, zwei Jahren.

Vielleicht deshalb spielt er ungeduldiger, ungehaltener, wie jemand, der seine letzte Chance wittert. „Ich weiß nicht, unter welcher Art von Druck er in Portugal steht“, sagt Bale, der Wales Flügel verleiht, während Ronaldo in Portugal immer gefragt wird, warum er das Nationalteam nie so zum Triumph geführt habe wie Real.

Im direkten Duell hat Bale keine gute Bilanz – alle fünf Spiele gingen verloren, das letzte vor mehr als fünf Jahren, aber da war Bale noch ein Talent und Ronaldo schon ein Weltstar. Und Tottenham, wo Bale groß wurde, hatte ein viel schwächeres Team als Manchester United und Real. Auch jetzt sieht Bales Mannschaft, geschwächt durch die Sperre des überragenden Aaron Ramsey, nominell unterlegen aus. Doch Bale glaubt, bei der EM noch einen anderen Real-Kollegen zu treffen: „Toni Kroos im Endspiel.“

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