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Polen bei der EM : Lewandowskis Tore sollen Sousas Probleme lösen

  • -Aktualisiert am

Zwei Weltstars, ein Problem: Robert Lewandowski und Paulo Sousa Bild: Reuters

Bei Polen läuft es nicht rund: Stürmer Robert Lewandowski hat noch nicht getroffen, Trainer Paulo Sousa steht in der Kritik. Ein Quacksalber sei er, wahlweise auch ein Scharlatan oder ein Träumer.

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          Gut, dass Paulo Sousa noch nicht des Polnischen mächtig ist, so besteht die kleine Restchance, dass nicht alles, was Kritisches an seiner Person geäußert wird, bis zu ihm durchdringt. Ein Quacksalber sei er, wahlweise auch ein Scharlatan oder ein Träumer. Mit Nettigkeiten dieser Art wurde der Trainer der Nationalmannschaft in den vergangenen Tagen nach der 1:2-Niederlage gegen die Slowakei bedacht. Die Grußbotschaften kamen von ehemaligen Spielern, Trainern oder Funktionären.

          Fußball-EM

          Egal ob Jerzy Dudek, Tomasz Hajto oder Zbigniew Boniek, so ziemlich jeder, der in Polen schon mal das rot-weiße Trikot der Nationalmannschaft übergestreift hat, hat was zu Sousa zu sagen. Und meistens ist das nichts Gutes. Mal hat er nicht genügend Mitglieder in seinem Trainerstab, die sowohl Polnisch als auch Portugiesisch verstehen, dann nominiert er die falschen Leute und stellt sie natürlich auch noch falsch auf. Wer dieser Tage ein beträchtliches Maß an Defätismus im polnischen Fußball auszumachen glaubt, liegt sicher nicht falsch.

          So übertrieben die Kritik im Einzelnen auch erscheinen mag, dass Polen gegen Spanien an diesem Samstag (21.00 Uhr im F.A.Z-Liveticker zur Fußball-EM, in der ARD und bei MagentaTV) schon um den Turnierverbleib spielt, lässt sich kaum leugnen. Die Auftaktniederlage hat den Druck erhöht, auch weil sie gegen „den schwächsten Gegner der Gruppe“ zustande kam, wie Robert Lewandowski hinterher sagte. Das mochte im ersten Moment despektierlich geklungen haben, war aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen angesichts der kommenden Gegner Spanien und Schweden.

          Die Enttäuschung ist begründet, hatten sich die Polen doch einiges ausgerechnet bei dieser Europameisterschaft. Das liegt nicht zuletzt an Lewandowski, dem Weltfußballer. Wer einen Solisten von solchem Rang in den eigenen Reihen hat, glaubt automatisch an seine Chance. Zumal Polen beim letzten Kontinentalwettkampf erst im Elfmeterschießen am späteren Sieger Portugal gescheitert war. Nur, so zuverlässig Lewandowski im Trikot des FC Bayern trifft, so unzufrieden ist er oft, wenn er für die Auswahl seines Heimatlandes aufläuft. Seine Auftritte erinnern an die seines Weltfußballer-Vorgängers Lionel Messi, dem in Argentinien auch die Unterstützung seiner oftmals genialen Klubkollegen fehlt.

          Anders als in München muss Lewandowski für Polen nicht nur Tore schießen, er soll sie im besten Fall auch noch gleich vorbereiten – und wenn es geht, auch noch die des Gegners verhindern. Gegen die Slowaken patzte die Defensive gleich zweimal, und dass Grzegorz Krychowiak Mitte der zweiten Halbzeit nach seiner zweiten Gelben Karte vom Platz flog, half nicht unbedingt, die Leistungsfähigkeit der Mannschaft zu steigern.

          Krychowiak, ein erfahrener Mittelfeldspieler, wird gegen Spanien also fehlen. Gleichwertig ersetzt kann der ehemalige Spieler des FC Sevilla und von Paris Saint-Germain kaum werden. Noch mehr Sorgen für Sousa. Dessen Verpflichtung im Januar ging mit großen Erwartungen einher. Ein ehemaliger Weltstar als Trainer für Polen, das ließ die Nation träumen. Aber der erhoffte Effekt blieb aus, außer gegen Andorra konnte Polen unter seiner Führung noch kein Pflichtspiel gewinnen. Auch Lewandowski konnte daran nichts ändern.

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          An dessen Unzufriedenheit waren in Polen schon Nationaltrainer gescheitert, zuletzt Jerzy Brzeczek, dem ein schlechtes Verhältnis zu seinem berühmtesten Spieler zum Verhängnis wurde. Brzeczek musste gehen, auf Anraten von Lewandowski, wie es heißt.

          Sousa, dem während seiner eigenen aktiven Karriere auch exzentrische Wesenszüge nachgesagt wurden, bemühte sich als erste Amtshandlung gleich um seinen sensiblen Ausnahmekönner. Er fuhr nach München und suchte das Gespräch mit Lewandowski, es war ein gutes, wie zu vernehmen ist. Nur Lewandowski allein reicht nicht, um Sousas Probleme zu lösen. Die Slowaken isolierten den Stürmer mit strikter Manndeckung, Ähnliches ist von den Spaniern nicht zu erwarten, die als Favorit ins Spiel gehen. „Wir werden uns steigern müssen“, sagt Lewandowski. Andernfalls droht Polen das frühe Aus in der Vorrunde.

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