https://www.faz.net/-gtl-actt3

Paneuropäischer Fußball : Der Sound des EM-Sommers

  • Aktualisiert am

Stehen hinter der Mannschaft: 59.000 Zuschauer in Budapest mit hoffentlich negativem Corona-Test Bild: dpa

Zwischen Fußball-Fieber und steigenden Infektionszahlen: Wo entsteht ein Sommermärchen, wo läuft der Kick als Hintergrundgeräusch? Unsere Korrespondenten haben auf fünf Hotspots geschaut.

          6 Min.

          Ungarn: Vereint hinter der Mannschaft

          Die größte Sorge Viktor Orbáns vor dem ersten Spiel in der Ferenc-Puskás-Arena, die als einziges der EM-Stadien gänzlich gefüllt werden durfte (und es mit 59.000 Zuschauern beinahe auch war), galt nicht etwa einem möglichen Corona-Cluster. Da vertraute der ungarische Ministerpräsident auf die sehr hohe Quote an bereits immunisierten Ungarn, und nur solche durften ins Stadion. Nein, der Regierungschef sorgte sich darum, wie man seinem wöchentlichen Gefälligkeitsinterview im Staatsradio entnehmen konnte, dass sich die Spieler als Mahnzeichen gegen Rassismus niederknien könnten. Das „Herumgekniee“ entspringe einem „ideologischen Wirrwarr“; er erwarte von den Spielern im Nationaldress, dass sie kämpfen, wenn möglich siegen und, wenn nicht möglich, „stehend sterben“.

          Fußball-EM

          Wenn man Orbáns martialischen Schwurbelton in sportliche Begriffe übersetzt, ist das ungarische Team nicht nur gestanden, sondern hat gegrätscht und ist gerannt bis zum Umfallen, allen voran ein gewisser Kaiserslauterer Bub namens Willi Orban. Das hat die Anhänger mit der Niederlage gegen Portugal versöhnt. Nachdem die Enttäuschung kurz verarbeitet worden war, haben Mannschaft und Fankurve gemeinsam ein patriotisches Liedchen geschmettert. Auch die Fußballfreunde in den Kneipen und heimischen Wohnzimmern sind, wie aus Budapest zu hören ist, wirklich stolz auf ihr Team. Auch wer politisch nicht zu Orbán neigt, und das ist ungefähr die andere Hälfte des Landes, und wer seine Stadionbauten eher mit Korruption in Verbindung bringt, kann sich hinter dieser Mannschaft versammeln. Und es entspinnen sich Gedankenspiele über ein mögliches Weiterkommen mit dem Ticket der besten Dritten. Über Frankreich macht man sich wenig Illusionen. Aber die Deutschen, wirkten die nicht schlagbar? Ein Sieg müsste aber schon recht hoch ausfallen. Gekniet wurde übrigens nicht. (löw.)

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Fahrbericht Genesis G 80 : Welch eine Schöpfung

          Hyundai schickt Genesis als eigene Marke ins Rennen um den Kunden. Die Fünf-Meter-Limousine G80 macht den Anfang, weitere Modelle folgen, auch ein rein elektrisches.
          Der Impfschutz kann nach einigen Monaten nachlassen.

          Auffrischungsimpfungen : So wollen die Länder den Corona-Booster zünden

          Weil unklar ist, wie lange sich Geimpfte vor Corona in Sicherheit wiegen können, gibt es bald die dritte Spritze. Impfteams schwärmen wieder aus, die Arztpraxen übernehmen den Rest – doch wie genau soll die dritte Impf-Welle anrollen?