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Oliver Bierhoff : „Die Uefa ist in Sachen Ukraine zu passiv“

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Oliver Bierhoff: „Ich finde, die Uefa hat in Sachen Ukraine eine sehr passive Rolle gespielt“ Bild: dpa

Die deutschen Fußballspieler sollen Haltung zeigen – müssen aber nicht. Oliver Bierhoff im F.A.Z.-Gespräch über die Nationalmannschaft zwischen Politik, Diplomatie und Stammtisch.

          Die deutschen Fußballspieler sollen Haltung zeigen – müssen aber nicht. Angela Merkels Besuch diente auch dazu, sie über die Position der Bundesregierung im Fall Timoschenko zu informieren. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff im F.A.Z.-Gespräch über die Nationalmannschaft zwischen Politik, Diplomatie und Stammtisch.

          An diesem Mittwoch spielt die Nationalmannschaft in Charkiw, wo Julija Timoschenko im Gefängnis sitzt. Mit welchem Gefühl reisen Sie an diesen Spielort?

          Jetzt, da die Europameisterschaft begonnen hat und der Sport im Vordergrund steht, spürt man schon, dass der Fokus nicht mehr so auf dieses Thema gerichtet ist wie vor der EM, als es uns sehr beschäftigt hat. Wir haben aber auch gemerkt, dass es überschaubarer ist, wenn wir zu einem gesellschaftlichen Thema Stellung beziehen, das nur Deutschland betrifft. Sobald es um Weltpolitik geht, wird die Sache schwieriger, die Themen sind komplexer, und man hat weniger exakte Einblicke. Wir hoffen natürlich, dass durch den Fokus der EM im Fall Timoschenko und generell bei den Menschenrechten in der Ukraine weiter Fortschritte erzielt werden.

          Philipp Lahm hatte Kritik an der ukrainischen Führung geübt, auf die Menschenrechte verwiesen und auch die Uefa für ihr Schweigen in dieser Frage kritisiert. Reicht das jetzt?

          Für uns haben Philipp und Jogi klar Stellung bezogen, außerdem hat unser Präsident Wolfgang Niersbach mehrfach deutliche Worte gefunden. Wir brauchen das nun nicht x-mal zu wiederholen. Es ist nun Sache der Politik, diese Thematik weiterhin zu verfolgen. Die Kanzlerin hat uns bei ihrem EM-Besuch nochmals über die Position der Bundesregierung informiert. In manchen Fällen ist es für uns als Außenstehende schwer zu verstehen, wo die Linie zwischen Gut und Böse verläuft, aber Grundprinzipien sollten wir dennoch ansprechen. Das ist uns wichtig.

          Deutsche Politiker werden nicht in die Ukraine reisen, mit Ausnahme von Bundesinnenminister Friedrich, falls das Team das Finale erreicht. Fühlt sich die Mannschaft in dieser Frage als Spielball?

          Mein Eindruck in diesem konkreten Fall ist, dass das Thema in Deutschland besonders intensiv diskutiert wurde. In anderen Ländern war das nicht so. Man muss sich da auch schon fragen: Wie sehr mischt man sich ein? Ich bekomme ja die besorgten Fragen von manchen Freunden aus anderen Ländern mit: Wie dominant muss Deutschland eigentlich sein? In der Eurofrage heißt es, wir müssten an der Spitze stehen und den Euro retten - aber das täten wir nicht. Und in anderen Bereichen wollten wir auch die Richtung bestimmen. Da müssen wir auch die Außenwirkung beachten und mit Gefühl auftreten. Man muss auch im Sport aufpassen, dass es nicht zu extrem wird. Wir hatten ja Olympia in Peking, wir werden sicher die Eishockey-WM in Weißrussland erleben, und Olympia findet bald in Russland statt.

          Was kann man an politischem Engagement von Nationalspielern erwarten und verlangen?

          Wir haben viele junge Spieler, die sich schon mit vielen Themen außerhalb des Sports befassen. Aber vor allem sind es erst einmal Sportler. Wir regen an, dass sie offen und interessiert durchs Leben gehen, aber wir erheben nicht den Anspruch, dass von 23 Spielern im Kader 23 Spieler sich zu politischen Sachverhalten äußern müssen und auch eine klare Haltung haben. Das ist in der Bevölkerung ja auch nicht so.

          Haben Sie sich auch über Michel Platini geärgert, der Lahm zurechtwies und sagte, Fußballer sollen Fußball spielen und ansonsten die Klappe halten?

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