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Nicklas Bendtner : Weltfußballer in spe

Gegen Brasilien traf Nicklas Bendtner im Testspiel, bei der EM ist er der dänische Hoffnungsträger Bild: dpa

Zuletzt spielte Nicklas Bendtner in Sunderland, bei Arsenal hat er wohl keine Zukunft. Doch an Selbstvertrauen mangelt es dem Dänen nicht - das hat er sogar schriftlich. Vor der EM verstimmt ihn ein Verbot des eigenen Verbandes. Teil 5 des FAZ.NET-EM-Countdowns.

          3 Min.

          An Selbstvertrauen mangelt es Nicklas Bendtner nicht. Das hat der Däne sogar schriftlich. Regelmäßig reist Jacques Crevoisier aus Frankreich nach London, um die mentale Form der Spieler seines Freundes Arsène Wenger zu untersuchen. Bei der Auswertung der Ergebnisse im Januar 2011 staunte der Sportpsychologe nicht schlecht.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          „Eine der Kategorien heißt: ‚Selbstwahrnehmung‘, also zum Beispiel die Frage, wie gut sich der Spieler selbst einschätzt“, erzählte er dem schwedischen Fußballmagazin Offside. „Auf einer Skala bis neun bekam Bendtner eine zehn. Das habe ich noch nie gesehen.“ Crevoisier war damals 63 Jahre alt und gilt als Kapazität seines Fachgebiets.

          Arsenals Assistenztrainer Patrick Rice, der den Test beobachtete, lachte so sehr, dass er sich kaum auf dem Stuhl halten konnte, als Crevoisier ihm ungläubig das Ergebnis vorlegte. Rice kennt Bendtner seit 2005. Damals verpflichtete der englische Klub den Stürmer und zahlte an den FC Kopenhagen 250.000 Euro.

          Ein Schnäppchen? Es war eher die hoffnungsvolle Wette auf eine torreiche Zukunft, denn Bendtner war gerade 17 Jahre alt. Zwar traf er in Arsenals Jugendteam häufiger als alle anderen, Cheftrainer Wenger fädelte aber zunächst ein Leihgeschäft mit Zweitligaklub Birmingham City ein, um dem großgewachsenen Bendtner die englische Spielweise näherzubringen.

          Ein Brasilianer im Anflug: Die Dänen verloren das Duell, in der EM-Vorrunde trifft Bendtner auf die deutschen Abwehrspieler
          Ein Brasilianer im Anflug: Die Dänen verloren das Duell, in der EM-Vorrunde trifft Bendtner auf die deutschen Abwehrspieler : Bild: dpa

          Der Plan ging auf – auch weil der Däne keiner ist, der gerne länger wartet als notwendig. Bei seinem Debüt erzielte er Minuten nach seiner Einwechslung das Siegtor. Die Kurzgeschichte sollte sich nach der Rückkehr zum FC Arsenal wiederholen. Beim Duell mit Tottenham, dem großen Rivalen in Nordlondon, wartete Bendtner ungeduldig an der Seitenlinie auf seinen Einsatz.

          „Ich treffe sofort bei der Ecke“, rief er nach eigener Aussage Zeugwart Vic Akers noch zu. Ein Sprint, ein Kopfball – und Tor. 1,8 Sekunden nachdem die Partie wieder freigegeben worden war, stand es 2:1 für Arsenal. Dass Bendtner danach den Spitznamen „Quick Nick“ bekam, war keine Frage der Zeit mehr.

          Das sieht doch ganz gut aus - zu einem Weltfußballer fehlt aber noch einiges
          Das sieht doch ganz gut aus - zu einem Weltfußballer fehlt aber noch einiges : Bild: AP

          Für die Dänen war der erfolgreiche Kaltstart keine Überraschung. Ihr großes Sturmtalent hatte schon bei seinem Debüt in der U 21 und in der Nationalmannschaft getroffen. Die Karriere in London wollte dennoch nicht richtig Fahrt aufnehmen. Zwar tauchte Bendtners Name immer unter den Torschützen auf, auf dem Blatt mit der Startaufstellung des FC Arsenal stand er aber selten, weil Wenger Robin van Persie und Emmanuel Adebayor vorzog.

          Hinzu kam ein erster Fehltritt abseits des Rasens. Nach dem Champions-League-Aus 2009 wurde er mit heruntergelassener Hose vor einem Lokal fotografiert. Wenger war „not amused“, Bendtner bereute den „großen Fehler“.

          Mittendrin, aber nicht immer dabei: Beim FC Arsenal ist Bendtner kein Stammspieler
          Mittendrin, aber nicht immer dabei: Beim FC Arsenal ist Bendtner kein Stammspieler : Bild: picture alliance / dpa

          Er verhielt sich dennoch weiter nach dem Motto „Gute Seiten, schlechte Seiten“. Kurz vor Saisonbeginn entschied sich Arsenals „26“ zur Verdoppelung seiner Trikotnummer. Alle, die ein Shirt gekauft hatten, durften es gegen eines mit der „52“ eintauschen – auf Bendtners Kosten. Dann aber zerlegte er auf dem Weg zum Training sein 150.000-Euro-Gefährt. Bendtner gründete eine Stiftung für kranke Kinder. Dann aber fuhr er vier Wochen Taxi, weil er seinen Führerschein verloren hatte.

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