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Ausschreitungen bei EM : Frankreichs Polizisten am Limit

Mehrere Hooligans wurden vorläufig festgenommen. Bild: AP

Die Ausschreitungen durch Hooligans in Marseille und Nizza werfen Fragen nach der Sicherheit des Turniers auf. Tatsächlich sind die französischen Ordnungskräfte an der Grenze der Belastbarkeit – oder jenseits davon.

          Die zerbrochenen Flaschen am alten Hafen von Marseille wurden am Sonntagmorgen rasch wieder weggeräumt, sodass die Touristen ungestört flanieren konnten. Doch nach den Ausschreitungen zwischen englischen und russischen Fußballfans sowie der französischen Polizei am Samstagabend im Stadion und in der Innenstadt blieben viele Fragen nach dem Umgang mit Hooligans offen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          35 Personen sind in Marseille verletzt worden, davon vier schwer. Ein 51 Jahre alter Engländer schwebte am Sonntag zunächst in Lebensgefahr, mittlerweile ist sein Zustand aber stabil. Acht Personen verschiedener Nationalitäten wurden verhaftet. In Nizza kam es zudem zu sieben Verletzten, weil nordirische und französische Fans auf einander losgingen.

          Natürlich hatte das Risiko eines Terroranschlags in den vergangenen Wochen die Vorbereitungen der Polizei beherrscht. Doch Ausschreitungen durch Hooligans waren nicht vergessen worden. Aber reichen sie aus?

          Kritik an laschem Vorgehen der Polizei

          Die sozialistische Senatorin Sami Ghali aus Marseille kritisierte die französischen Behörden sowie auch die aus dem Ausland angereisten Sicherheitskräfte für ihr lasches Vorgehen. Die ersten Gewalttätigkeiten hatten in Marseille schon vor drei Tagen begonnen, zuerst zwischen Anhängern von Olympique de Marseille und englischen Fans.

          Von einem Guerilla-ähnlichen Kämpfen war die Rede. Erinnerungen an die Gewaltwelle vom Juni 1998 wurden wach, als England Tunesien bei der Fußball-WM mit 2:0 besiegte und danach die Fans übereinander herfielen.

          Die Stadtverwaltung von Marseille und die Polizei wiesen am Sonntag den Vorwurf zurück, unvorbereitet oder zu nachsichtig gewesen zu sein. Immerhin seien die Gewalttaten auf einem kleinen Raum eingegrenzt worden, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin von Marseille, Caroline Pozmentier.

          Auch im Hafenviertel von Marseille kam es zu Auseinandersetzungen.

          Fünf Spiele gelten als besonders gefährlich

          Sicherheitsexperten haben in den vergangenen Wochen zudem wiederholt darauf hingewiesen, dass die französischen Polizeikräfte wegen der Terrordrohungen und der französischen Streiks mit ihren eigenen Gewalttätigkeiten derzeit an der Belastungsgrenze arbeiten – oder schon jenseits davon.

          Und das wird sich nicht so schnell ändern. In der vier Wochen dauernden Fußball-EM mit ihren 51 Spielen stehen neue Herausforderungen an. Schon am heutigen Nachmittag findet im Pariser Prinzenpark-Stadion eines der fünf Spiele statt, die von der Uefa wegen radikaler Fangruppen als besonders gefährlich angesehen werden: Türkei gegen Kroatien.

          Auch die massive Polizeipräsenz konnte die Gewalt nicht verhindern.

          3000 verdächtigen Fans ist nach französischen Medienangaben die Einreise nach Frankreich verweigert worden, darunter 2000 Engländer. Rund 200 ausländische Polizisten halten sich derzeit in den zehn Austragungsstädten auf, darunter etliche sogenannte „Spotter“, welche die Rädelsführer angeblich kennen und in Begleitung französischer Polizisten von Gewalttaten abhalten sollen. In einem Einsatzzentrum 25 Kilometer östlich von Paris, das der französische Innenminister Bernard Cazeneuve kürzlich einweihte, wird ihre Arbeit koordiniert.

          Als besonders riskant gelten derzeit fünf Spiele: Neben England-Russland am gestrigen Samstag sowie Türkei-Kroatien in Paris am heutigen Sonntag auch Deutschland-Polen im Stade de France von Saint-Denis nahe Paris sowie England-Wales in Lens am 16. Juni. Zudem steht die Begegnung Ukraine-Polen am 21. Juni auf der Gefährdungsliste. Sie findet abermals in Marseille statt. Gut möglich, dass die südfranzösische Hafenstadt so schnell nicht zur Ruhe finden wird.

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