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Mats Hummels im Gespräch : „Angefeindet wurde ich nur im Stadion und im Internet“

Mats Hummels plagt derzeit ein Muskelfaserriss in der Wade. Bild: dpa

Für Mats Hummels endete die Zeit beim BVB mit Enttäuschungen und einer Verletzung. Im Interview spricht der Nationalspieler über seine lädierte Wade, die deutsche Abwehr bei der EM – und ein Telefonat mit Carlo Ancelotti.

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          Was macht die Wade?

          Sie heilt, aber es wird schon noch eine Zeit dauern. Man wird mich hier in Ascona wohl nicht mehr im Mannschaftstraining sehen. Ich fange vielleicht nächste Woche wieder mit dem Lauftraining an. In Frankreich werde ich frühestens wieder voll eingreifen, vorher kann ich mir nicht vorstellen.

          Frühestens? Es könnte also auch knapp werden mit dem Start in Frankreich?

          Könnte sein. Es ist ein Muskelfaserriss, das ist ein ernstes Thema. Ich will ihn komplett verheilen lassen. Das Turnier ist lang, wir wollen fünf Wochen in Frankreich sein. Wenn ich spiele, will ich topfit sein.

          Konkret klingt das eher nach dem zweiten Spiel als nach dem ersten.

          Das kommt darauf an, wie ich mich fühle, wie der Trainer mich sieht, wenn ich trainiere. Am besten wäre natürlich das erste Spiel. Aber ich habe für mich persönlich auch kein Problem, wenn es das zweite oder dritte wird - Hauptsache, bei hundert Prozent, anders kann ich der Mannschaft auch nicht helfen.

          Gibt es ein Risiko, dass es nichts wird mit der EM?

          Man kann natürlich nie genau vorhersehen, was passiert. Aber wenn alles nach Plan läuft, wird es funktionieren.

          Hatte es in gewisser Weise auch etwas Gutes, dass Sie es jetzt schwarz auf weiß haben, dass mit Ihrem Muskel etwas war? Es gab ja viel Gerede um Ihre Wadenkrämpfe und die Auswechslung im Pokalfinale gegen Ihren künftigen Klub.

          Unabhängig davon, was es für Folgen hatte, fand ich diese Debatte schwer enttäuschend. Dass die Leute nach achteinhalb Jahren bei Borussia Dortmund überhaupt auf den Gedanken kamen, ich würde mich auswechseln lassen, wenn ich nicht müsste. Was soll meine Motivation dafür gewesen sein? Wenn jemand so etwas gedacht hat, ist es mir auch wurscht, ob er jetzt seine Meinung revidiert.

          Meinen Sie damit auch den Trainer? Thomas Tuchel schien nach dem Spiel anzudeuten, dass Sie vielleicht auch hätten weitermachen können.

          Ich meine alle, die sich dazu so geäußert haben, nicht explizit jemanden. Eine Zeitung hat von der „Annäherung eines Krampfes“ geschrieben und dass ich mich deshalb hätte auswechseln lassen. Als ich das gelesen habe, habe ich gedacht: So einen Schund muss man erst einmal von sich geben.

          Alles in allem war das nicht der Abschied, den man sich gewünscht hätte nach so langer und erfolgreicher Zeit bei einem Verein . . .

          Nein, ich wollte unbedingt nochmal was gewinnen. Dass das andere dann so hoch gehängt wurde, habe ich nicht verstanden. Ich habe in meinem Leben nie gesagt: Ich werde niemals dies oder das machen oder für immer hier bleiben. Solche Sätze habe ich bewusst vermieden, weil ich weiß, wie sie auf einen zurückfallen. Deswegen war es schon schade, dass die ganze Geschichte teilweise so schlecht gemacht wurde von außen, nachdem ich sechs, sieben Jahre jedes Angebot abgelehnt habe, um weiter in Dortmund zu spielen. Man lernt menschlich etwas daraus.

          Haben Sie die Ablehnung im Alltag zu spüren bekommen?

          Im Alltag gab es eigentlich keinen, der es nicht verstanden hat. Schade, aber nachvollziehbar - das war der allgemeine Tenor. Auch im Verein haben ganz viele ihr Verständnis geäußert, Mitarbeiter, Mitspieler, auch als wir nach dem letzten Bundesligaspiel mit den 66er-Legenden im Borusseum zusammenstanden. Die einzigen beiden Orte, an denen es Anfeindungen gab, waren das Stadion und das Internet. Trotz dieser enttäuschenden Vorfälle wird mir meine ganze Zeit bei Borussia Dortmund einfach nur positiv in Erinnerung bleiben.

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