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Mario Balotelli : Hochtalentiert und unberechenbar

Nationaltrainer setzt notgedrungen auf den unberechenbaren Balotelli
Nationaltrainer setzt notgedrungen auf den unberechenbaren Balotelli : Bild: dpa

Mit fünf Jahren begann Balotelli mit dem Fußball und wurde 2006 beim AC Lumezzane mit 15 Jahren der jüngste Spieler der je in Italien in der drittklassigen Serie C auflief. Beim FC Barcelona absolvierte er ein Probetraining, ein Wechsel kam aber nicht zustande.

Wenig später machte Inter Mailand das Rennen und verpflichtete Balotelli für die U 17. Alsbald wurde Trainer Roberto Mancini auf den großen Stürmer aufmerksam. Ende 2007 debütierte er in der ersten Mannschaft, traf beim Einstand doppelt und wurde italienischer Meister.

Der italienische Fußball macht schwere Zeiten durch, bei der EM will die Squadra Azzurra dennoch glänzen
Der italienische Fußball macht schwere Zeiten durch, bei der EM will die Squadra Azzurra dennoch glänzen : Bild: REUTERS

Mancini musste gehen, José Mourinho übernahm – und für Balotelli begannen die Probleme. Der portugiesische Coach warf seinem überaus talentierten Stürmer vor, im Training nur 25 Prozent seines Könnens zu zeigen und strich ihn aus dem Kader.

Am Ende sollte Mourinho Balotelli als „untrainierbar“ bezeichnen. Viel schlimmer als die temporäre Verbannung waren jedoch die rassistischen Beleidigungen, die sich Balotelli vor allem bei Auswärtsspielen immer wieder anhören musste. Und die Verantwortlichen des Klubs unterstützten ihn kaum im Kampf gegen die Parolen.

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Nachdem er beim Halbfinale in der Champions League gegen Barcelona aufreizend lustlos spielte und später sein Trikot ob seiner späten Einwechslung auf den Boden schleuderte, war das Verhältnis zu Mourinho und Inter Mailand irreparabel beschädigt. Alle Parteien waren froh als Manchester City, wo inzwischen Balotellis einstiger Förderer Mancini Trainer war, ein Angebot über knapp 30 Millionen Euro machte.

In England konnte er, wenn er nicht für die Nationalelf spielte, die Rassismusprobleme hinter sich lassen, das Pendeln zwischen sportlicher Kunst und unglaublichem Benimm blieb aber. Mal trat er brutal in einen Gegenspieler und wurde lange gesperrt, dann spielte er überragend und schoss seine Mannschaft zum Sieg. Vor allem Nervenstärke hat Balotelli. Noch nie verschoss er einen Elfmeter. Er machte sich dabei wohl einfach keine Gedanken – wie so oft.

Wieder Rot: Balotelli benahm sich bei Manchester City nicht nur einmal daneben
Wieder Rot: Balotelli benahm sich bei Manchester City nicht nur einmal daneben : Bild: dapd

Nach einer Suspendierung kehrte Balotelli in der Schlussviertelstunde der vergangenen Saison auf den Rasen zurück und half mit, Manchester City in der Nachspielzeit zum Meister zu machen. Mancini möchte ihn trotz aller Eskapaden behalten.

Das klingt ungewöhnlich, zumal er ihn nach einem Platzverweis einst einen „Idioten“ nannte, manchmal wolle er ihn auch ohrfeigen, aber auch wenn Balotelli verrückt sei, „ich liebe ihn, weil er ein guter Mensch ist“.

Im letzten Spiel trug er aber maßgeblich zur Meisterschaft bei - nachdem Trainer Roberto Mancini (rechts) ihn schon suspendiert hatte
Im letzten Spiel trug er aber maßgeblich zur Meisterschaft bei - nachdem Trainer Roberto Mancini (rechts) ihn schon suspendiert hatte : Bild: dpa

Auch Nationaltrainer Cesare Prandelli, unter dem er im August 2010 für Italien debütierte, setzt auf Balotelli – notgedrungen. In der Qualifikation machte er nur zwei Spiele, nun aber fällt Giuseppe Rossi mit einem Kreuzbandriss aus.

Auch das Leistungsvermögen von Antonio Cassano, der im Winter am Herzen operiert werden musste, ist ungewiss. „Balotelli kann sich keine Fehler mehr erlauben. Aber ich bin mir sicher, dass er auch keine mehr macht“, sagte Prandelli bei der Nominierung hoffnungsvoll.

Die Frisur als Markenzeichen: Mit Überziehleibchen hat der Italiener aber so seine Probleme
Die Frisur als Markenzeichen: Mit Überziehleibchen hat der Italiener aber so seine Probleme : Bild: AFP

Mit den guten Vorsätzen, die sich Balotelli für das Turnier, bei dem Italien auf Spanien, Kroatien und Irland trifft, gemacht hat, könnte es aber schnell vorbei sein. Der Zeitschrift France Football sagte er in dieser Woche, dass er bei einem Fall von Rassismus, den Platz sofort verlassen und nach Hause reisen werde.

„Ich kann es schlicht nicht hinnehmen. Wir leben im Jahr 2012, so etwas darf nicht passieren. Aber wenn du ein starker Spieler bist, suchen sie nun einmal Wege, um dich zu ärgern. Sie denken, dass Provokation der einzige Weg ist, um dich zu verletzen.“

Alle Informationen zu Italien im Überblick

Spielplan bei der EM 2012:

Sonntag, 10. Juni, 18.00 Uhr: Spanien – Italien (in Danzig)
Donnerstag, 14. Juni, 18.00 Uhr: Italien – Kroatien (in Posen)
Montag, 18. Juni, 20.45 Uhr: Italien – Irland (in Posen)

Trainer: Cesare Prandelli

Plazierung in der Weltrangliste: 12.

Größter Erfolg: Weltmeister 1934, 1938, 1982, 2006; Vize-Weltmeister 1970, 1994; Europameister 1968, Vize-Europameister 2000

Bisheriges Abschneiden bei Turnieren:

Weltmeisterschaften:

1934, 1938, 1982, 2006: Weltmeister
1970, 1994: Zweiter
1990: Dritter
1978: Vierter
1998: Viertelfinale
1986, 2002: Achtelfinale
1950, 1954, 1962, 1966, 1974, 2010: Vorrunde

Europameisterschaften:

1968: Europameister
2000: Zweiter
1980: Vierter
1988: Halbfinale
1996, 2008: Viertelfinale
2004: Vorrunde

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