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Luka Modric : Ein Cruyff aus Kroatien

Kaum zu halten: Luka Modric bestimmt das Spiel der Kroaten in der Defensive und in der Offensive Bild: picture alliance / dpa

Luka Modric wuchs in Kriegszeiten auf und überstand den Ausflug in die bosnische Liga. Danach unterschrieb er einen Zehn-Jahres-Vertrag in Kroatien. Längst ist der scheue Modric in London gelandet - und hat schon ein neues Ziel. Teil 11 des FAZ.NET-EM-Countdowns.

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          Gut, dass es viele Millionen Gründe gibt, einen Vertrag schon vor dem fixierten Datum zu beenden. Wäre dem nicht so, würde Luka Modric auch in den nächsten drei Jahren noch für Dinamo Zagreb spielen.

          Tobias Rabe
          (tora.), Sport

          Nachdem der damals 19 Jahre alte Kroate Ende 2004 den Titel des hoffnungsvollsten Jungprofis der Liga erhalten hatte, unterzeichnete er einen neuen Kontrakt. Die Laufzeit bis 2015 bedeutete eine mutige Entscheidung – von beiden Vertragspartnern.

          Aber sie sich ausgezahlt. Zagreb sollte später die größte Ablösesumme einstreichen, die bis heute je für einen kroatischen Fußballspieler gezahlt wurde, Modric erhielt auf Papier die Anerkennung, die er zuvor nie erfahren hatte.

          Schon im Alter von zehn Jahren fiel er beim Probetraining von Hajduk Split durch. Begründung: zu klein, kein Durchsetzungsvermögen, keine Perspektive. Dass er damals schon eine überaus elegante Ballbehandlung hatte, überzeugte den Klub nicht.

          Modric stammt aus der Schule von Dinamo Zagreb - wie Zvonimir Boban, Davor Suker, Dario Simic oder Mark Viduka
          Modric stammt aus der Schule von Dinamo Zagreb - wie Zvonimir Boban, Davor Suker, Dario Simic oder Mark Viduka : Bild: AP

          Fünf Jahre später hatte Modric nicht nur körperlich zugelegt, nun wechselte er von seinem Heimatverein NK Zadar tatsächlich zu einem der großen Klubs des Landes, zu Dinamo Zagreb. Dort lernte er im Ausbildungszentrum, das schon Zvonimir Boban, Davor Suker, Dario Simic oder Mark Viduka hervorbrachte, die erfolgreiche Symbiose aus Defensiv-Arbeit und Offensiv-Kunst. Doch der Weg in die erste Mannschaft blieb ihm zunächst verwehrt.

          Dinamo verlieh sein Talent nach Bosnien an Zrinjski Mostar. Es war ein Geschäft auf Zeit, das sich lohnte. Der Klub stieg nicht ab und legte den Grundstein für die Meisterschaft ein Jahr später.

          Duell der „Zwillinge“: Modric und der Bremer Marko Marin trafen sich einst in der Champions League
          Duell der „Zwillinge“: Modric und der Bremer Marko Marin trafen sich einst in der Champions League : Bild: picture alliance / dpa

          Modric wurde mit 18 zum Spieler des Jahres in der Liga und in Mostar gewählt und sammelte Selbstvertrauen: „Wer in dieser Liga spielen kann, kann überall spielen“, sagte er nach dem Saisonende, das er einigermaßen verletzungsfrei erreicht hatte, obwohl die rauen Abwehrspieler den kleinen Techniker nicht gerade zimperlich zu stoppen versucht hatten.

          Ein fester Platz bei Dinamo rückte nun näher – allerdings nur geographisch. Denn die Kroaten liehen Modric abermals aus, diesmal an Inter Zapresic, einem Vorort von Zagreb. Der Klub wurde auch dank der temporären Hilfe Modrics überraschend Zweiter – die beste Plazierung in der Vereinsgeschichte bis heute. Dieses Bewerbungsschreiben reichte Dinamo, nun statteten sie ihr größtes Talent gleich mit einem Zehn-Jahres-Vertrag aus.

          Modric spricht nur mit den Medien, wenn es unbedingt notwendig ist
          Modric spricht nur mit den Medien, wenn es unbedingt notwendig ist : Bild: picture alliance / dpa

          Die Zusammenarbeit ließ sich gut an, Dinamo wurde mit dem Stammspieler Modric 2006 Meister, 2007 und 2008 holte der Klub sogar das kroatische Double mit dem Ligatitel und dem Pokalsieg.

          Längst waren auch viele europäische Spitzenvereine auf den nur 1,74 Meter großen Spieler aufmerksam geworden, der rein äußerlich dem großen Johan Cruyff ähnelte. Der Abschied aus dem Land, in dem er in schwierigen Zeiten aufwuchs, rückte näher.

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          Während des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien wurde sein Großvater getötet, die Familie zog zurück in ihre Heimatstadt Zadar und kam in einem Hotel auf der Insel Iz, das zum Flüchtlingsheim umfunktioniert worden war, unter.

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