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Euro-2016-Kommentar : Die EM der Marke XXL

Ukraine, Polen und Nordirland: Deutschland erwischt eine machbare EM-Gruppe. Bild: AFP

Ein ganzer Monat Fußball, 51 statt bisher 31 Spiele, das sind beinahe die Dimensionen einer WM: die Tour de France als Tour de Force. Hat Fußball-Europa darauf wirklich gewartet?

          Michel Platini wird es nicht so empfunden haben, aber natürlich steckte auch eine ganz hübsche Pointe darin, dass er die Zeremonie im Palais des Congrès allenfalls vor dem Fernseher verfolgen konnte. Schließlich ist es Platinis Werk, dass sich der europäische Fußball auf Nationenebene zu einem Mattscheibendauerprogramm entwickelt, in dem Pausen kaum noch vorgesehen sind (es sei denn natürlich jene, in denen Werbung gesendet werden kann).

          Zum ersten Mal wurde die EM-Qualifikation nach dem Muster der „Week of Football“ abgewickelt: mit Spielen, die über die ganze Woche verstreut waren, statt wie bisher auf bestimmte Tage konzentriert. Von 2018 an gibt es auch noch die „Nations League“, einen sinnlosen Wettbewerb, der versucht, aus aufgemotzten Testspielen (noch mehr) Kapital zu schlagen.

          Und nun, vom 10. Juni nächsten Jahres an, feiert also die XXL-Europameisterschaft mit 24 Mannschaften ihre Premiere. Dass der Ziehungsleiter, Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino, am Samstagabend von einem „historischen Anlass“ sprach, konnte man auch darauf wenden, dass der eigentliche Gastgeber, nämlich Platini, wegen seiner Suspendierung durch die Fifa-Ethikkommission keinen Zutritt hatte: eine beispiellose Blamage.

          Und Platinis Kreation – hat Europa darauf wirklich gewartet? Ein ganzer Monat Fußball, 51 statt bisher 31 Spiele, das sind beinahe die Dimensionen einer WM: die Tour de France als Tour de Force. Mit dem nicht unerheblichen Nachteil allerdings, dass die Vorrunde zu einer ziemlich zähen Angelegenheit zu werden droht. Weil, wenn man es mal umdreht, nur die Gruppenletzten und die beiden schlechtesten Vorletzten der sechs Gruppen auf der Strecke bleiben.

          Natürlich lässt sich darüber reden, ob nicht kleinere Nationen auch die Gelegenheit verdient haben, sich bei so einem Turnier zu zeigen; viele ergriffen ja auch prompt die Chance. In diesem Modus allerdings gerät die Vorrunde zu einem Beschäftigungsprogramm mit eher dezent angedeuteten Wettbewerbselementen.

          Dass Joachim Löw sagte, es sei ihm „völlig egal“, welche drei Gegner seinem Team zugelost würden, sollte auch darüber hinaus ein Zeichen der Stärke sein: Ein Weltmeister fürchtet niemanden. An der Ukraine, Polen und Nordirland wird es kaum scheitern auf dem erhofften Weg zum Finale am 10. Juli in Paris.

          Ob die Deutschen aber tatsächlich in Form für das angestrebte Double sein werden, ist ein anderes Thema. Stand heute führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass Löw mit der Entwicklungsarbeit seit der WM nicht so recht vorangekommen ist. Ob er seinem Team wieder die nötige Schärfe für das Turnier verleihen kann, hängt womöglich sogar weniger von der ewigen Stürmerfrage ab als von der richtigen Antwort in einer echten Herzensangelegenheit: ob nämlich Bastian Schweinsteiger, der Kapitän und Anführer, noch derjenige ist, der das deutsche Spiel pulsieren lassen kann.

          Bundestrainer Joachim Löw (rechts) mit den drei Kollegen aus der Gruppe C.

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