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Exzesse in Marseille : Der Fußball eint die Gewalttäter

  • -Aktualisiert am

Krawall in Marseille: Es ist ein Bild von einer EM mit Gewalt und Schrecken entstanden. Bild: AP

Nach der Randale von Marseille stellt sich die Schuldfrage. Unstrittig ist: Im Stadion hat die Uefa schwere Versäumnisse begangen. Nun ist das Bild von einer EM voller Gewalt und Schrecken entstanden.

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          Die schrecklichen Bilder aus Marseille werfen vor allem eine Frage auf: Hätten die Gewaltausbrüche vermieden werden können? Haben sich die Organisatoren schuldig gemacht? Darauf gibt es kein klares Ja oder Nein. Zunächst: Im Fußball gibt es keine absolute Sicherheit. Immer wieder werden Gewalttäter versuchen, große Spiele als Bühne für ihre Exzesse zu nutzen.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Aber allein schon in der Ausrichtung eines Großereignisses wie einer Europameisterschaft liegt ein Risiko. Wo viele tausend Menschen zum Feiern zusammenkommen, sind auch Missverständnisse, Fehlverhalten und Auseinandersetzungen programmiert. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bilder der ersten beiden Tage in Marseille, von Donnerstag und Freitag, weniger martialisch ausgefallen wären, hätte die französische Polizei ihr Augenmerk stärker auf Deeskalation denn auf Rigorosität gelegt.

          Am Samstag bedurfte es dann der ganzen Staatsmacht, um die Gewaltausbrüche einzudämmen. An diesem Tag spielten die gefürchteten russischen Ultras in Marseille die Hauptrolle, in Nizza die nicht minder gefürchteten polnischen. Hier liegt vielleicht ein Versäumnis. Anders als mit England besteht kaum eine Zusammenarbeit zwischen französischen Sicherheitsbehörden und den russischen beziehungsweise polnischen. So lagen wohl kaum Informationen vor, wie viele und welche Ultras aus dem Osten Europas sich in Richtung Frankreich in Marsch setzten. Wessen Schuld das ist?

          Auch im Hafenviertel von Marseille kam es zu Auseinandersetzungen. Bilderstrecke
          Auch im Hafenviertel von Marseille kam es zu Auseinandersetzungen. :

          Der deutsche Sicherheitsexperte Spahn kritisierte jedenfalls vor dem EM-Start, dass sich Frankreich bei der Erstellung seines Sicherheitskonzeptes nicht mit deutschen Stellen abgesprochen habe, die ja auch eine heikle Klientel betreuen. Ob aber derzeit überhaupt eine Zusammenarbeit mit dem russischen Sport möglich ist? Die Reaktionen aus Moskau auf die Vorkommnisse lassen Zweifel entstehen. Dort wurde sogar der Mut der gewalttätigen Landsleute gelobt, es in Marseille mit einer ausländischen Übermacht aufgenommen zu haben.

          Unstrittig ist, dass die Europäische Fußball-Union (Uefa) als Organisator der Spiele für die Sicherheit im Stadion zu sorgen hat. Da wurden schwere Fehler begangen, ansonsten hätten nicht russische Ultras einen englischen Fanblock stürmen können. Die Uefa räumte dieses Versäumnis inzwischen ein und will ab sofort für eine bessere Trennung der Fans sorgen.



          Aber auch ohne die schlimmen Szenen im Stade Vélodrome wäre das vorläufige Bild von einer EM voller Gewalt und Schrecken entstanden. Die Eindrücke wirken um so stärker, da die Terrorbedrohung durch den IS schon Ängste ausgelöst hat. Im Moment ist der Fußball in Frankreich noch in der Defensive. Das muss nicht so bleiben. Ein paar begeisternde Spiele in den Stadien, ein paar ruhige Tage auf den Straßen und die Stimmung würde sich ins Positive verkehren. Doch um das zu erreichen, muss reichlich Präventivarbeit auf dem Gebiet der Sicherheit geleistet werden. Der Fußball eint nicht nur Unschuldslämmer, sondern auch Gewalttäter.

          Fußball-EM in Frankreich : Das Hooligan-Problem

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