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Belgien im Achtelfinale : Spiritus Rector De Bruyne bringt die Wende

  • -Aktualisiert am

„Natürlich bin ich glücklich, aber ich war auch auf dem Teil des Rasens unterwegs, auf dem Christian am Samstag kollabiert ist.“: Kevin De Bruyne Bild: EPA

EM-Mitfavorit Belgien dreht das emotionale Duell mit Dänemark. Das liegt auch an Kevin De Bruyne, der nach seiner Einwechslung glänzt. Dabei zollt er dem kollabierten Christian Eriksen seinen Respekt.

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          Eine Halbzeit lang litten sie unter der Besonderheit dieser außergewöhnlichen Begegnung, die auch zum Fest für Christian Eriksen werden sollte. Den dänischen Spielmacher, der zum Auftakt der dänischen Auftritte bei dieser Fußball-Europameisterschaft im nordischen Duell mit Finnland zusammengebrochen war und reanimiert werden musste.

          Fußball-EM

          Die Belgier, am Donnerstag voller Mitgefühl für einen hochgeschätzten Freund und Kollegen nach Kopenhagen gekommen und somit auch Teil einer Gesamtchoreographie der Liebesgrüße an Eriksen aus dem Parken-Stadion, fanden in den ersten 45 Minuten nicht zu ihrem Spiel. Der Weltranglistenerste litt an sich selbst.

          Das änderte sich nach dem frühen 0:1-Rückstand durch den Treffer des Leipziger Profis Yussuf Poulsen (2. Minute) erst nach der Pause, als Kevin De Bruyne, der Spiritus Rector aus der Leitzentrale des belgischen Spiels, knapp drei Wochen nach seinem Augenhöhlenbruch aus dem Champions-League-Finale auf den Rasen zurückgekehrt war. Der Mittelfeldstar von Manchester City, in seiner Spielweise als unermüdlicher Antreiber, unfehlbarer Passlieferant und unbeirrter Vollstrecker ein Unikat des Weltfußballs, wendete alles in einem Duell, in dem die Belgier sich lange wie in Unterzahl gefühlt hatten.

          „Das Spiel hat sich verändert“

          „In der ersten Halbzeit haben wir uns selbst nicht wiedererkannt“, beschrieb Innenverteidiger Jan Vertonghen die labile Gefühlslage innerhalb der Roten Teufel, „wir waren immer einen Schritt zu spät dran. Als Kevin und später auch noch Axel Witsel und Eden Hazard kamen, hat sich das Spiel verändert. Sie brachten ihre Extraqualität mit.“

          Aus einem 0:1-Rückstand, der zur Pause auch deutlicher hätte sein können, wurde ein 2:1-Sieg. Eingeleitet von De Bruyne, der dem Dortmunder Angreifer Thorgan Hazard den Ball zum 1:1 perfekt in den Lauf gespielt hatte (55.) und vollendet durch De Bruyne (70.), der den Siegtreffer flach und mit klinischer Präzision schoss, als er den Ball aus dreizehn Metern ins linke Toreck steuerte. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch für Playstation-Junkies. Und damit auch typisch De Bruyne, dem Meister der fließenden Bewegung und allgegenwärtigen Alleskönner aus der Offensivabteilung.

          Trainer Roberto Martinez, froh darüber, das Hirn der belgischen Torschussabteilung wieder dabei zu haben, pries seinen universell denkenden und handelnden Spiellenker und Raumvermesser: „Kevin ist ein wunderbarer Spieler. Es ist nicht nur sein Talent, das ihn auszeichnet. Es ist auch die Art und Weise, wie er arbeitet und wie er seinen Fähigkeiten vertraut.“

          Mit der Rückkehr des Navigationskünstlers blühten seine zuvor verkrampften Mitstreiter inklusive des oft bahnbrechenden Mittelstürmers Romelu Lukaku auf. Die Belgier, einer der Titelfavoriten dieser EM, mit ihrer über die Jahre gereiften Topmannschaft bewiesen nun die ihnen nachgesagte erlesene Klasse und qualifizierten sich nach zwei Gruppensiegen für das Achtelfinale.

          De Bruyne selbst, einst ein Bundesligaspieler der Extraklasse bei Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg, blieb, wie er ist: persönlich zurückhaltend und damit dem Fest für Eriksen seinen Respekt zollend. „Natürlich bin ich glücklich“, beschrieb er seine Gefühlslage, „aber ich war auch auf dem Teil des Rasens unterwegs, auf dem Christian am Samstag kollabiert ist. Deshalb bin ich heute ganz ruhig gewesen.“

          Fußball-EM

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