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Nachfolger-Suche für Löw : Klopp will im Sommer nicht Bundestrainer werden

„Nein, ich werde im oder nach diesem Sommer nicht als möglicher Bundestrainer zur Verfügung stehen. Ich habe ja einen Job“: Jürgen Klopp Bild: AP

Nach 15 Jahren als Bundestrainer der Fußball-Nationalelf wird Joachim Löw seinen Posten abgeben. Er bat um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrags nach der EM. Jürgen Klopp wird vorerst nicht sein Nachfolger.

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          Jürgen Klopp wird im kommenden Sommer nicht Nachfolger des scheidenden Bundestrainers Joachim Löw. Dies teilte der Teammanager des FC Liverpool auf der Pressekonferenz vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen RB Leipzig am Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) mit. „Nein, ich werde im oder nach diesem Sommer nicht als möglicher Bundestrainer zur Verfügung stehen. Ich habe ja einen Job“, sagte Klopp am Dienstag.

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          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Klopp galt als einer der Favoriten auf den Bundestrainer-Posten, besitzt in Liverpool jedoch einen Vertrag bis Mitte 2024. „Man unterschreibt Verträge und versucht im Allgemeinen, sich daran zu halten“, sagte Klopp. „Das ist eine einfache Situation. Im Leben geht es immer um Timing. Wenn es nicht passt, muss man sich nicht aufregen, sondern muss mit den Dingen umgehen.“

          Der 53-Jährige hatte die „Reds“ 2015 übernommen und vier Jahre später die Champions League sowie 2020 erstmals seit 30 Jahren die englische Meisterschaft gewonnen. Aktuell steckt Liverpool in der Krise und liegt als Tabellenachter der Premier League sieben Punkte hinter den Champions-League-Rängen. Klopp gilt als einer der Topkandidaten für den Trainerposten der DFB-Auswahl.

          Vor gut einer Woche hatte sich Löw kämpferisch gegeben. In Interviews hatte der Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft auf die Kritik an ihm und am Zustand der ersten Fußball-Auswahl des Landes reagiert. Löw, so der Eindruck, wolle es noch einmal wissen und bei der wegen der Corona-Pandemie verschobenen Europameisterschaft in diesem Sommer erfolgreich sein. Da dürfte er schon gewusst haben, dass das Turnier sein letztes als Bundestrainer sein wird.

          „Voller Stolz und mit riesiger Dankbarkeit“

          Am Dienstagmorgen gab sein Arbeitgeber, der Deutsche Fußball-Bund (DFB), bekannt, dass Löw nach der EM aufhören will. Der Verband habe dem Wunsch entsprochen. Der 61 Jahre alte Löw werde seinen ursprünglich bis einschließlich der WM 2022 laufenden Vertrag unmittelbar mit Abschluss des Turniers auf eigenen Wunsch beenden.

          „Ich gehe diesen Schritt ganz bewusst, voller Stolz und mit riesiger Dankbarkeit, gleichzeitig aber weiterhin mit einer ungebrochen großen Motivation, was das bevorstehende EM-Turnier angeht“, wurde Löw in der Mitteilung zitiert. „Stolz, weil es für mich etwas ganz Besonderes und eine Ehre ist, mich für mein Land zu engagieren. Und weil ich insgesamt fast 17 Jahre mit den besten Fußballern des Landes arbeiten und sie in ihrer Entwicklung begleiten durfte.“

          Mit ihnen verbänden ihn „große Triumphe und schmerzliche Niederlagen, vor allem aber viele wunderbare und magische Momente – nicht nur der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Dankbar bin und bleibe ich gegenüber dem DFB, der mir und der Mannschaft immer ein optimales Arbeitsumfeld bereitet hat.” Löw hatte das Amt nach der Weltmeisterschaft 2006 übernommen. Zuvor war er zwei Jahre lang Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann gewesen.

          „Das ist hoch anständig“

          „Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Joachim Löw. Der DFB weiß, was er an Jogi hat, er ist einer der größten Trainer im Weltfußball“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Löw habe den deutschen Fußball über Jahre hinweg wie kaum ein anderer geprägt. „Dass er uns frühzeitig über seine Entscheidung informiert hat, ist hoch anständig. Er lässt uns als DFB somit die nötige Zeit, mit Ruhe und Augenmaß seinen Nachfolger zu benennen“, sagte Keller.

          Der Höhepunkt einer großen Ära als Bundestrainer: Joachim Löw mit dem WM-Pokal 2014 in Rio de Janeiro Bilderstrecke
          Der Bundestrainer tritt ab : Die Ära des Joachim Löw in Bildern

          Seit dem Debakel bei der WM 2018 in Russland, als die DFB-Auswahl als Titelverteidiger bereits in der Vorrunde scheiterte, stand Löw in der Kritik. Zuletzt wurde nach dem 0:6 in Spanien im Herbst des Vorjahres abermals heftig über eine vorzeitige Ablösung des Bundestrainers debattiert. Erst nach klärenden Gesprächen mit der DFB-Spitze durfte Löw weitermachen.

          Für die EM verspüre er „weiterhin den unbedingten Willen sowie große Energie und Ehrgeiz“. Bei dem um ein Jahr verschobenen Turnier trifft die Nationalmannschaft in der Gruppenphase im Juni in München zunächst auf Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal und Außenseiter Ungarn.

          „Joachim Löw und ich haben fast 17 Jahre lang eng zusammengearbeitet. Wir durften gemeinsam so viel erleben und auch zusammen durchstehen“, sagte DFB-Direktor Bierhoff. Unter Löw „stand die Nationalmannschaft wieder für Spielfreude und attraktiven Offensivfußball, diese Mannschaft und ihre Spieler haben sich unglaublich mit ihm entwickelt“. Der frühere Nationalspieler, der zunächst als Manager des DFB-Teams fungiert hatte, bedauerte Löws Entscheidung. „Persönlich werden wir verbunden bleiben“, sagte Bierhoff. Für den EM-Sommer verbinde beide „weiterhin ein großes gemeinsames Ziel“.

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