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Ende als Bundestrainer : Löw erklärt Gründe für seinen Rücktritt

Virtuelle Pressekonferenz in Frankfurt: DFB-Direktor Oliver Bierhoff, DFB-Präsident Fritz Keller und Bundestrainer Joachim Löw (von links). Bild: Picture-Alliance

Zwei Tage nach der überraschenden Ankündigung seines Rücktritts im Sommer erläutert Bundestrainer Löw die Hintergründe der Entscheidung. Bierhoff erklärt, wie er bei der Suche nach dem Nachfolger vorgeht.

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          Mit weißer Maske, grauem Mantel, schwarzem Rollkragenpullover und Arbeitstasche kam Joachim Löw am Donnerstagvormittag in der Zentrale seines Arbeitgebers an. Um Punkt 13.30 Uhr begann die mit Spannung erwartete Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Erstmals erklärte der Bundestrainer nach dem angekündigten Rücktritt im Anschluss an die Fußball-Europameisterschaft im Sommer persönlich die Gründe für seinen zu dem Zeitpunkt überraschenden Schritt. Auf dem Podium saßen auch DFB-Präsident Fritz Keller und DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Die Blicke aber gingen vor allem auf Löw.

          Fußball-EM
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der scheidende Bundestrainer versuchte in seinem Eingangsstatement zu erklären, wie es zu seiner Entscheidung kam: „Im letzten Jahr schon – unabhängig vom Spanien-Spiel – hatte ich mir mal vorgenommen, mir im Februar oder März ganz konkret Gedanken zu machen“, sagte er. „Wo stehen wir? Wo stehe ich? Was möchte ich? Das habe ich gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass nach dieser EM der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um den Stab an einen anderen Trainer weiterzugeben.“

          Löw möchte rechtzeitig den Weg frei machen für einen neuen Coach beim EM-Heimturnier 2024. Das 0:6-Debakel von Sevilla im November sei kein Grund für seine Abschiedsankündigung gewesen. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass „für mich persönlich, jetzt nach dem Sommer und der EM der richtige Zeitpunkt ist“, sagte der 61-Jährige. Löw sagte, die endgültige Entscheidung zum Rücktritt habe er schließlich vor zwei, drei Wochen getroffen. Der erste, dem er seinen Entschluss mitgeteilt habe, sei Bierhoff gewesen.

          Der sagte, ihn habe die Nachricht zwar „nicht wie ein Blitz getroffen“. Die Entscheidung „sitzt aber tief“. Bierhoff: „Ich wäre auch überzeugt davon, dass Löw den Weg gut weitergeführt hätte.“ Er werde die Sondierung gewissenhaft leiten: „Im Hinterkopf hatten wir so einen Fall immer. Jetzt geht es ans Eingemachte. Wir haben absolut keine Zeitnot. Die Entscheidung ist wichtig, aber nicht dringend. Wir haben gute deutsche Trainer hier, im Ausland und im DFB.“ Zu viel zurückblicken auf die Zeit mit Löw oder voraus auf die Trainersuche wolle er aber derzeit gar nicht. „Die EM ist das Allerwichtigste, die wollen wir erfolgreich spielen.“

          Den von ihm eingeleiteten Personalumbruch in der Fußball-Nationalmannschaft verteidigte Löw. „Ich habe immer gesagt, die Mannschaft braucht Zeit und Raum. Das soll nicht daran scheitern, dass der Trainer auf seinem Stuhl klebt“, sagte Löw. Sein Nachfolger müsse ausreichend Zeit haben, die Aufgabe Richtung 2024 anzugehen. „Es ist eine Zeit der Erneuerung und der Veränderung und der Bewegung“, sagte Löw. Ein Heimturnier könne wie bei der WM 2006 im ganzen Land viel „erzeugen und bewegen.“

          Löw will eine Entscheidung über eine mögliche Rückkehr von Thomas Müller und Mats Hummels derweil unverändert im Mai treffen. Berichte über einen angeblich gefällten Beschluss bezüglich der brisanten Personalien wies er zurück. „Ich würde mir wünschen, dass man mir auch zuhört. Ich habe weder die Tür auf- noch zugemacht“, sagte Löw. Weiterhin gelte, dass er es für nicht richtig halte, den von ihm eingeleiteten Neuaufbau abzubrechen. Eine Unterbrechung – und damit eine Rückkehr der früheren Weltmeister – sei aber angesichts der besonderen Situation in der Corona-Pandemie denkbar.

          Erst in zwei Monaten werde er sich vor der Nominierung mit seinem Trainerstab Gedanken über das EM-Personal machen. Müller, Hummels und Jérôme Boateng waren im März 2019 von Löw aussortiert worden. Seither schwelt die Debatte über die mögliche Rückkehr angesichts schlechter Leistungen der jüngeren Spieler. Kopfschütteln verursache die öffentliche Diskussion, wonach er ein „Umfaller“ sei, wenn er die Spieler für die EM zurückhole und „stur“ sei, wenn er das nicht tue. Ein Trainer denke nicht in Kategorien der öffentlichen Wahrnehmung, sondern allein daran, was das Beste für die Mannschaft sei, sagte Löw.

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