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Italiens Fußball-Auftakt : Der Glanz von Rom soll auf diese EM strahlen

Los geht es: In Rom wurde am Freitagabend die Fußball-EM mit einem Jahr Verspätung eröffnet. Bild: AFP

Italien glückt der Start in die EM – mit einer beherzten Squadra und einem Fest der Harmonie. Der Drang zum nationalen Aufbruch ist zu spüren. Auf das Team aber wartet die erste wirkliche Prüfung noch.

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          Schöner geht’s nicht: Mit einem Auftakt nach Maß begann am Freitag in Rom die Endrunde der Fußball-Europameisterschaft. An diesem Samstag wird das transkontinentale Spektakel in Baku, Kopenhagen und Sankt Petersburg fortgesetzt. Und wenn bis zum Finale im Londoner Wembley-Stadion vom 11. Juli auch nur einige Strahlen des Glanzes von Rom übrigbleiben, dann kann aus diesem schon vorab als potentielles Superspreader-Event bekrittelten Turnier in elf Ländern ein veritables Fußballfest werden.

          Fußball-EM
          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wer den Tag der Vorfreude in der Ewigen Stadt erlebt und am Abend das Spiel im Olympiastadion verfolgt hat, muss sich einen solchen Erfolg von Herzen wünschen. Aber gerade in Deutschland scheinen viele nach anderthalb Jahren Pandemie vor lauter belehrendem Warnen das befreiende Wünschen verlernt zu haben. Nicht so in Italien, wo das aus China stammende Virus bekanntlich in Europa zuerst und zunächst auch am schlimmsten gewütet hatte.

          Es begann schon mit dem Wetter. Schönster Sonnenschein, ein wenig schwül gegen Nachmittag, etwas Abkühlung zum Abend hin. Selbst Wettergott Jupiter zeigte sich als Tifoso: Gewitter mit Starkregen tobten am frühen Abend mancherorts in der Hauptstadtregion Latium und in Rom, aber die Gegend um das Stadio Olimpico an der Viale dei Gladiatori blieb verschont.

          Die Italiener sind ohnehin hellwach

          Den ganzen Tag feierten italienische und türkische Fans in ganz Rom gemeinsam, im „Football Village“ an der Piazza del Popolo herrschte Volksfeststimmung. Die Eröffnungsfeier hielt die Balance zwischen frugal und furios. Italiens Nationaltenor Andrea Bocelli sang „Nessun Dorma“ (Keiner schlafe!) aus Puccinis Turandot, doch die Nation war ohnedies hellwach. Weitere Musik, einschließlich des offiziellen EM-Lieds „We Are The People“ (Wir sind das Volk), boten U2-Sänger Bono, Gitarrist The Edge und DJ Martin Garrix.

          Als ersten Akt des unvermeidlichen Schnickschnacks gab es Feuerwerk, verbunden mit erheblicher Emissionsentwicklung im Stadion und in der Umgebung. Dafür verlief der zweite Akt Schnickschnack emissionsfrei: Der Adidas-Spielball wurde kurz vor dem Anpfiff von einem ferngesteuerten, kleinen Modellauto des Turniersponsors Volkswagen zum Mittelkreis gefahren, selbstredend ein Elektrofahrzeug.

          Das offizielle Spielgerät der EM trägt den Namen „Uniforia“. Das Kunstwort, so erfährt man, setzt sich zusammen aus den Begriffen „Unity“ (Einheit) und „Euphoria“ (Begeisterung). So viel Einheitsbegeisterungsfolklore muss offenbar sein in einer vom Virus heimgesuchten Zeit, die unseren Kontinent mit inneren und äußeren Abgrenzungen gezeichnet hat wie seit Menschengedenken nicht mehr.

          Wie es wirklich im (post)pandemischen Europa um der Begeisterung bestellt ist, zeigten beide Mannschaften beim inbrünstigen Absingen ihrer jeweiligen Hymnen: des türkischen „Istiklal Marsi“ (Unabhängigkeitsmarsch) und des italienischen Nationallieds „Fratelli d’Italia“ (Brüder Italiens). Kann man sich vorstellen, dass jemals das Europalied (Freude schöner Götterfunken) von 22 Männern (oder Frauen) auf dem Rasen, von zehntausenden Zuschauern auf den Rängen und womöglich Millionen vor den Bildschirmen so von Herzen herausgebrüllt wird?

          Jedenfalls ist in Italien, gut anderthalb Jahre nach dem Ausbruch der Pandemie in der norditalienischen Region Lombardei, nach drei Infektionswellen und zwei landesweiten Lockdowns, der Drang zum nationalen Aufbruch zu spüren. Von Montag an gilt die Hälfte aller zwanzig Regionen des Landes, wo zwei Drittel der knapp 60 Millionen Einwohner des Landes leben, als „weiße Zone“ mit dem geringsten Ansteckungsrisiko und den wenigsten Einschränkungen.

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