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Im Gespräch: Witali Klitschko : „Das ukrainische Volk hat gewonnen“

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Lustration. Ich werde nicht die Justiz missbrauchen wie Janukowitsch. Ich werde alle rauswerfen, die sich etwas zuschulden haben kommen lassen. Ich habe mit dem georgischen Präsidenten Saakaschwili gesprochen, er hat es geschafft.

Wieso haben Sie die EM nicht für sich politisch genutzt? Sie waren nicht wie Angela Merkel in der Umkleide der Nationalmannschaft?

Meiner Meinung nach ist es nicht fair, den Sport für sein Image auszunutzen. Ich bin Fan der Ukraine und habe auch den Deutschen die Daumen gedrückt. Aber auf deren Kosten möchte ich nicht meine politische Fahne schwenken. Wenn ich das getan hätte, würden mich die Ukrainer nicht ernst nehmen. Es ist zu früh zu sagen, welche Wirkung die EM auf die Ukraine haben wird. Das Land hat sich geändert, ganz sicher, wie stark, werden wir in ein paar Monaten sehen.

Viele Menschen haben Vorbehalte gegen den Politiker Witali Klitschko. Der Vorwurf: Klitschko war im Kiewer Stadtparlament, hat aber nur große Worte geschwungen, keine Taten vollbracht. Was sagen Sie dazu?

Viele erwarten von mir als Politiker schnelle Ergebnisse, so wie als Boxer K.-o.-Siege. Aber auch im Sport kann man nicht von heute auf morgen gute Ergebnisse erzielen. Viele haben vergessen, wie lange ich brauchte, um dort zu stehen, wo ich jetzt bin. Man muss Erfahrung sammeln. Auf eines bin ich nach fünf Jahren stolz: Die Ukrainer glauben, alle Politiker seien Verbrecher und Lügner, aber keiner kann das von Witali Klitschko behaupten. Als ich im Kiewer Stadtparlament war, habe ich nicht einmal gelogen oder irgendwie nur einen krummen Weg beschritten. Ich habe gekämpft, aber gegen ein System zu kämpfen ist schwer. Dazu braucht es eine kritische Masse. Unsere Unterstützung wächst. Ich habe langfristige Pläne. Mein Plan ist es, die Ukraine zu verändern.

Als Präsident?

Nein, Präsident ist nicht unbedingt mein Ziel. Ich will westliche Standards für die Ukraine, über 60 Prozent der Bevölkerung wollen das. Aber die Machthaber wollen ihre Privilegien behalten. Sie profitieren vom System der Korruption. Für sie ist Politik reines Geschäft.

Sie sind unabhängig, aber können Sie für Ihre Parteifunktionäre die Hand ins Feuer legen? Die Gefahr ist doch, dass die Ukrainer von Ihrer Partei UDAR genauso enttäuscht werden wie von der orange Revolution.

Noch sind wir in der Opposition, aber langfristig sehe ich die Gefahr auch. Deshalb legen wir strenge Kriterien beim Erwerb der Mitgliedschaft an. Interessierte werden nur aufgenommen, wenn sie eine persönliche schriftliche Empfehlung von einem eingetragenen Mitglied vorweisen. Zudem müssen sie eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, sich unserem moralischen Kodex zu unterwerfen. Dann müssen sie auch einen beruflichen Hintergrund haben. Wir haben ein Sprichwort. Willst du in die Zukunft schauen, sieh dir die Vergangenheit an. Wir überprüfen jedes Mitglied, welche Vorgeschichte es hat.

Bei diesen Ansprüchen wird Ihre Partei wohl gerade mal drei Mitglieder haben.

Wir haben 12.000. Keine große Quantität, aber eine große Qualität.

Ihr Bruder ist nicht dabei, haben wir gehört.

Doch, er unterstützt mich sehr, aber er ist kein Parteimitglied. Ich möchte kein Familienbusiness machen, das tun so viele andere Politiker. Sie versorgen ihre ganze Familie mit Posten und Honoraren. Sie selbst sagen: Schaut her, ich bin arm wie eine Kirchenmaus, und ihre Familie fährt dicke Autos und lebt in riesigen Villen.

Profiboxen ist auch nicht das sauberste Geschäft. Welche Erfahrungen haben Sie mit Korruption im Profiboxen gemacht?

Wo viel Geld fließt, ist die Versuchung groß. Wir haben das auch gemerkt. Deshalb haben Wladimir und ich unsere eigene Promotionfirma gegründet. Wir kontrollieren alles selbst, wir sind unabhängig von allen Promotern. Keiner kann sagen, die Klitschkos sind im Sport korrupt. Wir geben ein Beispiel, wie es gehen kann.

Ihrem politischen Engagement: Wie lange können Sie noch boxen?

Boxen wird immer in meinem Herzen bleiben, aber ich bin 40, nicht mehr der Jüngste. Der Körper spielt zwar noch mit. Aber ich werde sehr bald aufhören. Wenn es soweit ist, werde ich das auf einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Das Gespräch führte Peter Heß.

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