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Fußball-EM : Spanische Hasen gegen schwedische Igel

  • -Aktualisiert am

Gewusel auf dem Rasen: Spaniens und Schwedens Spieler im Duell um den Ball. Bild: Imago

Pass auf Pass auf Pass: Der spanische Fußball setzt neue Bestmarken – und doch muss Luis Enriques Team mit einem Punkt gegen Schweden zufrieden sein.

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          Spanisch kann verglichen mit dem Deutschen eine sehr blumige Sprache sein, ausdrucksstark und verspielt wie eine Katze, die ihren Besitzer umschmeichelt. Vor den Begrifflichkeiten des Fußballs macht sie nicht halt. „Cantera“ heißen von Bilbao bis Sevilla, von Madrid bis Barcelona die sportakademischen Fabriken, die hierzulande Nachwuchsleistungszentren getauft wurden, abgekürzt NLZ. „Cantera“ lässt sich mit Steinbruch übersetzen, die Sichtweise auf die dortige Arbeit mit jungen Fußballern wird recht präzise umschrieben. An den Talenten des Landes gilt es sich abzuarbeiten, sie zu finden und herauszulösen aus der groben Masse. Sie müssen geschliffen und ihre Feinheiten in den Vordergrund gestellt werden.

          Fußball-EM

          Gemessen daran stehen Spaniens Nationaltrainer Luis Enrique schweißtreibende Tage bevor, was weniger an der sengenden Hitze im Austragungsort Sevilla liegt als an der Darbietung seiner Mannschaft beim 0:0 gegen Schweden. Die Selección ist Spaniens prominentester Steinbruch. Mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren schickte Enrique die bisher jüngste Startelf aller Teilnehmer an der Europameisterschaft auf den Platz. Acht der elf Stammkräfte gaben ihr Debüt bei einer Endrunde. Die Schweden waren im Schnitt fünf Jahre älter, und wer die 90 Minuten auf ihren Kern heruntergebrochen sehen möchte, der kommt um die Geschichte von „Hase und Igel“ nicht herum.

          Was immer die mitunter naiv anrennenden Spanier auch versuchten, die cleveren Schweden waren längst da. Spanien schoss 17 Mal in Richtung schwedisches Tor, spielte wahnwitzige 917 Pässe und verbuchte zeitweise einen Ballbesitz von 85 Prozent – nie hatte eine Mannschaft einen höheren Wert bei einer Europameisterschaft. Doch ein Tor wollte ihnen trotz großer Möglichkeiten nicht gelingen. Am Ende musste Spanien sogar glücklich sein über den Punkt, weil Schweden bei den wenigen Gegenstößen allerbeste Chancen vergab. Einmal rettete nach einem Versuch von Alexander Isak der Pfosten für das Heim-Team.

          Fußball-EM

          „Spanien bleibt trocken“, titelte Marca, die größte Sportzeitung des Landes, direkt nach dem Schluss auf dem Titel ihrer Onlineausgabe, und auch das war keine Anlehnung an den Zustand des Spielfeldes in Sevilla, welches Enrique später kritisierte. „Der Platz hat uns geschadet“, sagte der Trainer. Geschadet hatten sich die Spieler vor allem dadurch, dass sie während der schwungvollen Anfangsphase nicht in Führung gegangen waren.

          So entspann sich ein Spiel, das wie eine Reise durch die spanische Fußballgeschichte der letzten Dekaden anmutete. Pass folgte auf Pass, manchmal waren es auch Pässchen, so nah standen Absender und Empfänger beieinander. Auch dafür haben die Spanier ein Wort von außerordentlichem Klang. „Toquecito“. Wer es schlecht mit den Fußballspielern meint, der kann „golpecito“ sagen, also Trittchen, so wie die katalanische Politikerin Aina Vidal.

          Luis Enriques Suche nach dem Personal

          Die hatte diese Vokabel gewählt, um die ihrer Meinung nach gravierende Belanglosigkeit der Spieler hervorzuheben, als es darum ging, ob die Nationalmannschaft vor dem Turnier noch geimpft werden sollte. Die Kritik, mit der sich Enriques Auswahl nun auseinandersetzen muss, ist sportlicher Natur. Vor allem in der zweiten Halbzeit erinnerte vieles von dem, was sich in der größten Stadt Andalusiens zutrug, an ein Spiel, das eine Zäsur in der jüngeren Geschichte darstellte.

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