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Größeres EM-Teilnehmerfeld : Problematische Erweiterung

Bild: dapd

Bei der nächsten Europameisterschaft nehmen 24 statt 16 Länder teil. Die EM wird somit verwässert. Auch im Fußball muss diesen Sommer vielleicht Abschied genommen werden, von dem Europa, das man bisher kannte.

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          Zwischen Brüssel und Athen geht es in diesem Sommer darum, ob man vielleicht Abschied nehmen muss - von dem Europa, das man bisher kannte. Zwischen Warschau und Kiew hat man es am Sonntag schon getan - Abschied genommen von dem Fußball-Europa, das man kannte. Es endete die fünfte und letzte Europameisterschaft mit der für diesen Kontinent idealen Größe von 16 Teilnehmern. Bei der nächsten, 2016 in Frankreich, wird das Feld auf 24 Länder erweitert. Die Ausweitung wird die EM verwässern.

          Für Michel Platini fehlten bei der EM mit Norwegen, Litauen und der Schweiz „einige große Mannschaften“

          Das geht schon in der Qualifikation los, in der fast die Hälfte der 52 teilnehmenden Länder einen EM-Platz bekommen wird. Weil von Andorra bis Kasachstan mehr als ein Dutzend chancenloser europäischer Kleinstaaten und postsowjetischer Restrepubliken teilnehmen, ist es für größere Nationen mit halbwegs professionellen Strukturen künftig fast unmöglich, die Endrunde zu verpassen.

          So wird dem Publikum eine Qualifikation ohne Spannung zugemutet. Das Turnier selbst wird seine größte Qualität verlieren: dass die Vorrunde einer EM schwerer zu überstehen ist als die einer WM. Bisher wurde von Beginn an auf höchstem Niveau gespielt. Ein Beleg dafür ist, dass bei drei der fünf EM-Endrunden mit 16 Teams am Ende zwei Mannschaften im Finale standen, die sich schon in der Vorrunde begegnet waren: 1996 Deutschland und Tschechien, 2004 Portugal und Griechenland, 2012 Spanien und Italien. Bei einer WM geschah das nur ein einziges Mal: 1954 mit Deutschland und Ungarn.

          EM-Erweiterung als Osterweiterung

          Die Erstklassigkeit der Vorrunde wird leiden, weil zweitklassige Mannschaften die Ränge auffüllen. Und weil auch noch vier der sechs Gruppendritten weiterkommen werden - ein unbefriedigender Modus, der Resultate gegen unterschiedliche Gegner vergleicht. Erst nach 36 Gruppenspielen und fast zwei Wochen wird die EM quantitativ und qualitativ dort stehen, wo sie 2012 schon am ersten Tag war: bei den 16 besten Teams. Und warum das alles? Turnierdirektor Martin Kallen musste vor einer Woche seine Phantasie sehr bemühen, um seinem Chef Michel Platini sportliche Scheinargumente zu liefern: Er fand, in einem 16er-Feld fehlten „einige große Mannschaften“. Als Beispiele nannte er allen Ernstes Länder wie Norwegen, die Schweiz oder gar Litauen - das in der Qualifikation für die EM 2012 in zwei Spielen gegen Liechtenstein einen Punkt gewonnen hatte.

          Tatsächlich ist die EM-Erweiterung eine Osterweiterung - ganz der Richtung Platinis entsprechend, der entscheidende Stimmen für seine Wahl als Uefa-Präsident im Osten holte. Nicht nur die Chancen der Osteuropäer, bei der EM demnächst vertreten zu sein, werden wachsen, auch die Summen, die die Uefa an ihre Nationalverbände verteilen kann. Der Anstieg von 31 auf 51 Spiele (plus 65 Prozent) wird die TV- und Marketing-Einnahmen erhöhen. Die Kehrseite ist, dass das Turnier künftig nur noch von den drei oder vier größten Volkswirtschaften Europas gestemmt werden kann - wovon Platini am Samstag mit dem Gedankenspiel abzulenken versuchte, eine Austragung der EM 2020 sei auch „in zwölf oder dreizehn Städten in ganz Europa“ denkbar. Dabei bringt der Uefa-Präsident Fußball-Europa genau auf den Weg, der für das politische Europa zur Sackgasse geworden ist: immer mehr verteilen, bis die gemeinsame Währung verwässert ist. Im Fußball heißt diese Währung Spannung und Konkurrenzfähigkeit.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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