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Giorgos Karagounis : Der Freund des Schiedsrichters

Immer mittendrin: Giorgos Karagounis (links) spricht gerne mit den Schiedsrichtern Bild: picture alliance / dpa

Mit dem Debüt von Otto Rehhagel begann 2001 die Karriere von Giorgos Karagounis. Beim griechischen EM-Titelgewinn wurde er zur tragischen Figur - und vier Jahre später zum besten Nebendarsteller in einem Film. Teil 2 des FAZ.NET-EM-Countdowns.

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          Spielfilme über Fußball sind oft eine Zumutung für Liebhaber des Fußballspiels. Weil alleine die Realität die Faszination abbilden kann. Solche Geschichten, heißt es gerne, schreibe nur der Fußball – und eben nicht der Regisseur. Dokumentarfilme indes bieten Einblicke, denen auch der Stehplatz- und Stammtisch-Fan etwas abgewinnen kann.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Ein besonderes Projekt verfolgten Yves Hinant und Eric Cardot bei der Europameisterschaft 2008. Sie begleiteten die Gruppe der Schiedsrichter während des Turniers in Österreich und in der Schweiz und zeigten in der Dokumentation „Referees at Work“ ungewohnte Bilder aus der sonst so verschlossenen Welt der Unparteiischen.

          Neben Massimo Busacca, Howard Webb, Roberto Rosetti, Manuel Mejuto Gonzales oder Peter Fröjdfeldt wurde ein Spieler zum besten Nebendarsteller. Die Regisseure beobachteten Busacca während der Partie Griechenland gegen Schweden. Sie durften dem sonderbaren Funkverkehr des Schiedsrichterteams lauschen und hörten, wie der vierte Offizielle den Schweizer vor einem heranziehenden Gewitter warnt - erstaunlich, über was während eines EM-Spiels geredet wird.

          Irgendwann verlor Busacca die Nerven: „Halt die Klappe!“ Er hatte andere Probleme. Mit einem kleinen Griechen ging der gar nicht diplomatische Schweizer immer wieder in den verbalen Zweikampf. „Karagounis, Karagounis. Mach keine Zeichen!“ „Sorry.“ „Von wegen ‚Sorry‘. Aufpassen Karagounis. Sonst gibt’s ’ne gelbe Karte. Schluss jetzt.“

          Wer ist dieser Karagounis, Giorgos mit Vornamen, der durch den Lauschangriff und die Auseinandersetzung mit der Autorität an der Pfeife in den Mittelpunkt rückte? Seinen großen Auftritt hatte die Nummer „10“ bereits vier Jahre zuvor, als Otto Rehhagel die griechische Nationalmannschaft bei der EM zum Titel führte.

          Doch auch im Moment des bisher größten Fußballtriumphs seines Landes mutete die persönliche Geschichte Karagounis‘ eher wie eine griechische Tragödie an – in der Schiedsrichter eine Hauptrolle spielten. Ganz so unschuldig, wie die Protagonisten in der Urform diese Athener Schauspiels vor mehr als 2500 Jahren in ihre missliche Lage kamen, war der moderne Volksheld in kurzen Hosen aber nicht.

          Die gelbe Gefahr: Nicht zum ersten Mal sieht Karagounis eine Verwarnungskarte, hier von Pierluigi Collina bei der EM 2004
          Die gelbe Gefahr: Nicht zum ersten Mal sieht Karagounis eine Verwarnungskarte, hier von Pierluigi Collina bei der EM 2004 : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Schon nach sieben Minuten brachte Karagounis die Griechen im Eröffnungsspiel gegen Portugal in Führung, am Ende besiegten sie den Gastgeber überraschend 2:1. Beim folgenden 1:1 gegen Spanien sah der Mittelfeldspieler zum zweiten Mal eine Gelbe Karte und war damit für das abschließende Vorrundenduell mit Russland gesperrt.

          Trotz einer 1:2-Niederlage zog Griechenland ins Viertelfinale ein und schaltete die Franzosen aus, wieder mit Karagounis, wieder mit einer Gelben Karte. Als seine Elf auch das Halbfinale gegen Tschechien gewann, hätte ihr Spielmacher einer der glücklichsten Fußballer der Welt sein können – er war der unglücklichste. In seinem vierten EM-Spiel sah er wieder Gelb – diesmal in der 87. Minute.

          Im EM-Finale 2004 fehlte Karagounis gesperrt - bei der Feier mit der Trophäe lief er vornweg
          Im EM-Finale 2004 fehlte Karagounis gesperrt - bei der Feier mit der Trophäe lief er vornweg : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Das Regelwerk der Europäischen Fußball-Union war damals noch unerbittlich. Jede zweite Verwarnung bedeutete eine Sperre von einem Spiel, und sei es für das Finale. Inzwischen wurde diese Regelung bei WM- und EM-Endrunden geändert; ein Endspiel wie jüngst jeweils drei Spieler von Bayern München und dem FC Chelsea in der Champions League wird wegen einer Gelbsperre keinem Spieler mehr genommen.

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