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Kapitän der Niederlande : Darum ist Wijnaldum ein besonderer Anführer

  • -Aktualisiert am

Georginio Wijnaldum geht bei den Niederlanden voran. Bild: EPA

Der Kapitän der Niederlande geht nicht nur auf dem Rasen voran. Georginio Wijnaldum nimmt seine Rolle auch sonst sehr ernst. Vor dem Achtelfinale der EM setzt er die UEFA stark unter Druck.

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          Jürgen Klopp verfällt öfter mal ins Schwärmerische, aber die Worte, die er zum Abschied von Georginio Wijnaldum vom FC Liverpool formulierte, waren selbst für die Verhältnisse des ehemaligen Mainzers außergewöhnlich liebevoll. „Was diese wundervolle, fröhliche, selbstlose Person für unser Team und den Verein getan hat, kann ich nicht in Worte fassen, da mein Englisch dafür zu schlecht ist“, sagt Klopp. „Er ist und bleibt einer der Architekten unseres Erfolgs – für jetzt und immer.“ Mehr Lob geht kaum, und bei der laufenden EM zeigt sich nun, dass der Kapitän des niederländischen Nationalteams nicht nur fröhlich und selbstlos ist, er ist auch ein recht nachdenklicher Mensch.

          Fußball-EM

          2019 hat Wijnaldum einmal gesagt, dass er sofort in die Kabine gehen werde, um auf einen Spielabbruch hinzuwirken, wenn er einmal in einem Stadion rassistisch beleidigt werden würde. Nun spielt Holland am Sonntagabend (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, in der ARD und bei MagentaTV) in Budapest gegen Tschechien, und der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler macht sich große Sorgen nach all den Diskussionen um die Regenbogensymbolik, den ungarischen Staatschef Victor Orbán und Berichten, denen zufolge Kylian Mbappé an diesem Spielort rassistisch beleidigt worden sei.

          „Ich habe ehrlich gesagt viel nachgedacht, und ich habe mir gesagt: Gini, du wirst nächsten Sonntag in Ungarn spielen. Was wirst du tun, wenn es tatsächlich passiert?“, berichtet er. Seine Ankündigung von vor zwei Jahren könne schließlich unerwünschte Reaktionen provozieren.

          „Führende Rolle für die UEFA“

          „Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll“, sagt er „vielleicht denken Anhänger des Gegners: Die Niederlande sind besser. Wenn wir uns jetzt rassistisch äußern, werden sie das Feld verlassen.“ Um nicht in einen persönlichen Konflikt zu geraten, stellt Wijnaldum eine klare Forderung: „Die UEFA muss eine führende Rolle dabei spielen und die Spieler schützen. Sie sollten diejenigen sein, die sagen: ,Wenn so etwas passiert, brechen wir das Spiel ab.‘“

          Das setzt den Verband gehörig unter Druck. Zumal Wijnaldum eine „spezielle OneLove-Kapitänsbinde“ tragen wird, mit der er ein Zeichen „für Zusammenhalt und damit gegen Ausgrenzung und Diskriminierung“ setzen möchte. Der Kapitän der Niederlande, der in einem bunten Viertel mitten in Rotterdam aufgewachsen ist, nimmt seine Rolle als Anführer sehr ernst, neben dem Platz und auf dem Rasen sowieso.

          Bereits zwei Tore sind ihm im Turnierverlauf gelungen, mit mittlerweile 25 Treffern in 78 Länderspielen hat er niederländische Legenden wie Marco van Basten, Dirk Kuijt und Ruud Gullit überflügelt. Ronald Koeman, der den FC Barcelona trainiert, hätte den 30 Jahre alten Mittelfeldspieler gerne in seinem Klub nach Spanien geholt, die Verhandlungen standen schon kurz vor dem Abschluss.

          Doch Wijnaldum unterschrieb einen offenbar deutlich besser dotierten Vertrag bei Paris Saint-Germain und wird künftig dort die Arbeit für die Stars im Sturm erledigen. Der frühere englische Nationalspieler Gary Neville bezeichnet den niederländischen Strategen als „unsung hero“ und sagt: „Man schaut ihm nicht zu und denkt: Der macht alles herausragend gut. Aber er ist ein selbstloser und äußerst wichtiger Spieler, denn er kämpft für seine Kollegen gleich mit.“ Dazu passt: Wijnaldum gilt als Meister des vorletzten Passes vor Toren und vor Torchancen.

          Er hat das Talent, andere glänzen zu lassen, sogar einen, der gar nicht dabei ist. Nicht er sei der wahre Kapitän der Niederländer, sondern Virgil van Dijk, der die EM aufgrund eines noch nicht vollständig auskurierten Kreuzbandrisses verpasst, sagt Wijnaldum. Fast täglich telefonieren die beiden, womöglich haben sie sich auch über den Umgang mit dem Rassismusproblem ausgetauscht, das in Budapest drohen könnte.

          Dabei wollen die Holländer sich von solchen Dingen eigentlich nicht mehr aufhalten lassen, nachdem das Team in der womöglich leichteren Turnierbaumhälfte weiterspielt und Leute wie Wijnaldum, Frenkie de Jong oder Memphis Depay von Spiel zu Spiel besser in Schwung kommen.

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