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Fußball-Hymnen : Von trauernden Witwen und marschierenden Soldaten

Zur WM 2006 in Deutschland drängten sich dann gut ein halbes Dutzend Hymnen im Hitparaden-Strafraum: Bob Cinclair animierte mit „Love Generation“ zum Mitpfeifen, die Sportfreunde Stiller mit „'54, '74, '90, 2006“ zum Mitgrölen und Herbert Grönemeyer mit „Zeit, dass sich was dreht“ zum Mitdenken. Alle drei Hits bildeten das Grundrauschen des Sommermärchens. Grönemeyer blickte mit seinem Stück, das Anleihen an afrikanischen Rhythmen aufwies, sogleich auf die WM 2010 voraus, wo dann die Kolumbianerin Shakira mit „Waka Waka“ den größten Hit landete: „This Time for Africa“ lautete der programmatische Untertitel - der sich freilich als Mogelpackung erwies, da weder Shakira Afrikanerin ist noch der afrikanische Kontinent letztlich am meisten von der WM profitierte.

Bei der EM 2016 ist Altmeister Grönemeyer nun wieder am Start - mit seinem Song „Jeder für jeden“, den er gemeinsam mit dem 21-Jährigen Felix Jaehn aufgenommen hat, orientiert er sich inhaltlich an Nelly Furtados „Forca“. Der offizielle EM-Song ist eine internationale Ko-Produktion mit raffiniertem Zusatzeffekt: auch der französische DJ David Guetta mit Sängerin Zara Larsson aus Schweden zielen mit „This One's for you“ auf das Gemeinschaftsgefühl der internationalen Fußball-Gemeinde ab - und der Chor der Millionen Fußball-Fans kann sich per App  dazuschalten und sogar mitsingen.

Wer so alles niemals alleine ging

Doch es gibt auch Hymnen, die nicht kalkuliert aufgenommen wurden, um am großen Fußball-Geschäft mitzuverdienen, sondern die sich aus den Fan-Kurven heraus gebildet haben. Als größter Fußball-Hit aller Zeiten gilt „You'll never walk alone“ - dessen Ursprung als Stadionhymne den Fans in der Anfield Road zugeschrieben wird, wo der FC Liverpool seine Heimspiele austrägt. Mittlerweile wird die Mitfühl-Hymne aber auch vor jeder Partie in Dortmund, Mainz und gefühlt in halb Europa mit empor gereckten Fanschals herzzerreißend geschmettert.

Dabei ist das Musikstück ursprünglich nicht Ouvertüre, sondern Finale - und zwar eines Broadway-Musicals. Der Songtext von Oscar Hammerstein aus dem Musical „Carousel“ handelt von einer schwangeren Frau, die ermutigt wird, über den Tod ihres Mannes hinwegzukommen. Von Fußball kein Wort.

Weltweit berühmt wurde der Song aber tatsächlich durch den Liverpooler Fan-Block „the Kop“. Dort wurde der Hit in der Version von Gerry & the Pacemakers erstmals lautstark angestimmt, als einmal die Musikanlage vor dem Spiel ausfiel, während gerade das Stück lief - und danach immer und immer wieder wiederholt. Die Zeile passt eben auch zu gut zu der Liebe und Leidenschaft, die Fußball-Fans ihren Vereinen widmen - auch über den Tod hinaus.

Die Armee der Fußball-Fans

Wirklich überhaupt nichts mit Fußball zu tun hat das Alternative-Rock-Stück „Seven Nation Army“ von den White Stripes. Doch dank des eingängigen Gitarrenriffs, auf das sich gut mitsingen lässt, hat das Stück mittlerweile in vielen Stadien der Welt Kultcharakter erlangt - als Einlaufhymne, Torhymne oder auch einfach nur so. 

Das Copyright auf den Einzug des Punks in die Stadien wird den italienischen Fußball-Fans zugeschrieben, die den Refrain nach dem WM-Sieg Italiens 2006 immer wieder intonierten. Bei der EM 2008 wurde „Seven Nations Army“ dann zum Auflaufen der Mannschaften unterlegt. Der späte Popularitäts-Schub sorgte dafür, dass die im Mai 2003 veröffentlichte Single erst Anfang Juli 2008 Platz 4 der deutsche Charts erreichte und 2010 schließlich eine Goldene Schallplatte erhielt.

Das Stück gilt als einer der zehn besten Gitarrensongs aller Zeiten. Das kryptische Musikvideo zeigt dazu eine scheinbar endlose Fahrt durch einen Tunnel aus schwarzen, weißen und roten Dreiecken. An den Kanten marschieren bewaffnete menschliche Skelette, die an Soldaten erinnern. Ob das was mit Fußball zu tun hat?

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