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Die Uefa und die Fußball-EM : Erschreckend egoistisch

  • -Aktualisiert am

Uefa-Chef Alexander Ceferin: Interessen der EURO 2020 über den Interessen Europas. Bild: AFP

Die Uefa beansprucht, ein verantwortungsvolles Mitglied des um Gemeinschaft ringenden Europas zu sein, taktiert bei der Durchsetzung ihrer Fußball-Interessen aber ausgesprochen rücksichtslos.

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          Was denkt sich Alexander Ceferin? Dass rund 2500 in seinen Augen sehr wichtige Personen unter Umgehung aller vernünftigen Vorgaben zum Fußball nach England reisen müssen. Der Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) fordert Ausnahmen für seine VIP wenigstens für die letzte Woche der EM mit den Halbfinalspielen und dem Finale im Wembley-Stadion. Das schreibt die für gewöhnlich gut unterrichtete London Times.

          Fußball-EM

          Man muss kein Verschwörungsexperte sein, um ein Muster erkennen zu können. Ist nicht unter anderem auch München unter Druck gesetzt worden von der UEFA, unbedingt Zuschauer für die vier Partien in der Allianz Arena zuzulassen? Ein rhetorische Frage. Im Hintergrund schwang immer der Liebesentzug der UEFA mit. Dann gehen wir eben woandershin.

          Den gleichen Druck scheint Ceferin nun im Mutterland des Fußballs aufzubauen. Als könne es freies Geleit für die Ehrentribünen-Gäste geben in einem Land, das laut Auswärtigem Amt vom 20. Juni ein „besonders hohes Infektionsrisiko“ birgt. In England grassiert die hoch ansteckende Delta-Variante des Coronavirus.

          Im Zweifel ist es ihr egal, wie wichtig ein Fußballgönner von der UEFA eingeschätzt wird. Selbst das beste Blasen-Konzept bietet keine Garantie. Dennoch soll den VIP erlaubt werden, was etwa dem gemeinen deutschen Fußballfreund bei der Einreise aus der Heimat verboten sein wird: selbst bei einem negativen PCR-Rest die Umgehung einer fünftägigen Quarantäne.

          Fürsorgepflicht der UEFA

          Ein Durchmarsch für UEFA-Potentaten ist zwar vorerst nicht zu befürchten. England hält an seinen Regeln fest und wird Ceferin hoffentlich die Stirn bieten. Damit der Slowene endlich versteht, dass es in seinem Spiel nicht nur um Forderungen gehen kann, sondern um Einsichten gehen muss. Denn es steht mehr auf dem Spiel als die Annehmlichkeit für 2500 vermeintliche Honoratioren. Vor allem wieder die Glaubwürdigkeit der UEFA.

          Sie beansprucht, ein verantwortungsvolles Mitglied einer um Gemeinschaft ringenden europäischen Gesellschaft zu sein, taktiert aber rücksichtslos egoistisch. England sollte, bei allem Respekt, in diesen Wochen kein Platz für Großereignisse sein. Das gilt nicht nur für die EM, auch für Wimbledon und die Formel 1 Mitte Juli.

          Dafür tragen auch die Veranstalter eine Verantwortung. Fans können im Zweifel zu Hause bleiben, aber die Profis, die Teams, die sich für das Halbfinale qualifizieren, werden das Risiko eingehen. Jeder halbwegs Interessierte weiß, was Sportler in Kauf nehmen, wenn ihr Traumziel zum Greifen nah scheint.

          Die UEFA müsste ihrer Fürsorgepflicht gerecht werden, statt ihren Potentaten den roten Teppich auslegen zu wollen. An dieser Aufgabe scheitert sie, siehe Ausdehnung der Spielpläne in den europäischen Wettbewerben, regelmäßig. Es ist auch nicht überraschend, dass der Verband quasi sehenden Auges seinen Sittenverfall ins Bodenlose treibt, indem er ein verheerendes Signal setzt mit dem Machtspiel um London als Austragungsort.

          Budapest, heißt es, wäre sofort bereit, die Finalrunde zu übernehmen. Fast 60.000 Zuschauer im Ferenc-Puskas-Stadion taten auch am Samstag so, als sei die Welt wie früher, feierten ohne Masken, Leib an Leib gedrängt. Wer das zulässt oder gar erzwingen will, Verzeihung, kann nicht ganz dicht sein.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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