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Tschechiens Vladimir Darida : Läuft und läuft und läuft und läuft...

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Den hängt keiner ab: Vladimir Darida. Bild: AFP

Er erbte die Rolle des Spielmachers im Team der Tschechen vom eleganten Rosicky, interpretiert sie aber anders. Dauerläufer Darida ist auch im Zentrum der Offensive mehr Arbeiter als Künstler.

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          Es steht manches auf dem Spiel bei dieser Begegnung mit England (Dienstag, 21 Uhr im F.A.Z-Liveticker zur Fußball-EM), für Tschechien und für Vladimir Darida. Das Achtelfinale ist sicher, vier Punkte haben die Tschechen schon geholt, wer hätte das gedacht? Einen Punkt noch entführen aus London, und der Außenseiter wäre sogar Gruppensieger.

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          Für Darida hätte das alles einen positiven Nebeneffekt. Je länger er mit seinem Team im Turnier bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er der Einsamkeit entflieht, die ihm in jedem Sommer so sicher droht wie das Ansteigen der Temperaturen.

          Ende Juni startet sein Arbeitgeber Hertha BSC in die Vorbereitung, eine schweißtreibende Angelegenheit ist das immer, erst recht, da Pal Dardai jetzt wieder die Geschicke leitet. Dardai, als Spieler nie ein Liebhaber ausufernder Ausdauerläufe, schwört auf Übungen, bei denen er seine Profis nach ihren läuferischen Fähigkeiten einteilt. Die Schnellen laufen mit den Schnellen, die Langsamen mit den Langsamen. Nur Darida, der muss allein laufen. Runde um Runde. Tag um Tag. Für ihn gibt es keine Gruppe. Niemand ist in der Lage, sein Tempo und seine Distanzen mitzuhalten. „Vladi“, sagte Dardai einmal, „der hat nicht mal eine Batterie, glaube ich. Weil eine Batterie irgendwann mal alle ist, aber Vladi ist nie alle. Der läuft immer weiter.“

          Herthas Dauerläufer ist in der Nationalmannschaft nicht nur eine feste Größe, er ist auch ihr Kapitän. Darida spielt im Mittelfeld, meist in einer offensiveren Rolle als im Klub, wo er all die Löcher stopft, die im Laufe eines Spiels entstehen. In der Bundesliga hält Darida den Rekord für die meisten Kilometer in einem Spiel. In der vergangenen Saison lief er gegen Borussia Dortmund 14,65 Kilometer. Und Platz zwei in dieser Statistik wird auch von Darida gehalten, der trotz seiner 30 Jahre fitter ist als jüngere Kollegen. Er gilt als Musterprofi, dessen Leben sich nur um seine Familie und den Sport dreht. Ausschweifungen jeglicher Art sind ihm fremd. Wohl selten zuvor ist die Stadt Berlin mit all ihren Reizen so sehr abgeblitzt bei einem ihrer Bewohner.

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          Anders als im Klub, wo die Konkurrenz im Mittelfeld groß ist, hat Darida in der Nationalmannschaft seinen Platz sicher. Bei der EM vor fünf Jahren stand er ebenfalls im Aufgebot, damals gab der große Tomas Rosicky noch den Spielmacher. Im Laufe der Jahre ist Darida in diese Rolle gerückt. Nur interpretiert er sie anders als der elegante Rosicky, Darida ist auch im Zentrum der Offensive mehr Arbeiter als Künstler. Das war er auch schon in jüngeren Jahren, beim SC Freiburg, als er noch öfter den Abschluss suchte und gern aus der Distanz traf. Die einstige Torgefahr strahlt er in der Nationalmannschaft nicht aus, in 74 Länderspielen traf er nur achtmal. Dafür ist er aber der ideale Verbindungsspieler, einer, wie jeder Trainer ihn sich wünscht. Bei eigenen Angriffen läuft Darida zur Unterstützung mit nach vorne, gewinnt der Gegner den Ball, steht er schon wieder in der eigenen Hälfte.

          Wenn Darida redet, dann ruhig und besonnen, oft leise. Auch jetzt, wo es so gut läuft für die Tschechen, sind ihm keine Worte der Verzückung oder gar große Kampfansagen zu entlocken. Mit dem unermüdlichen Darida und dem torgefährlichen Schick aber könnte sich Tschechien zu einer der Überraschungsmannschaften entwickeln. Und umso später würde Darida zu seinem Klub zurückkehren.

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