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1:0 gegen Slowakei : Bei den alten Schweden steht die null

  • Aktualisiert am

Emil Forsberg: „Ich musste ihn nur noch reinmachen.“ Bild: AP

Zwei Spiele, ein Tor, vier Punkte: die alten Schweden erweisen sich als Meister des Minimalismus. Der einzige Treffer zum Sieg gegen die Slowakei resultiert aus einem Strafstoß, der Forsberg verwandelt.

          2 Min.

          Als Matchwinner Emil Forsberg im lila Leibchen den Applaus der schwedischen Fans genoss, waren seine Mitspieler schon auf dem Rückweg in die Kabine. Ein langes Interview hatte der Leipziger nach seinem Tor zum 1:0 (0:0)-Sieg gegen die Slowakei gegeben, nun musste er eben alleine in die Kurve stapfen. Doch das war dem strahlenden Forsberg herzlich egal.

          Fußball-EM

          „Es war sehr schön zu gewinnen. Das war unser Ziel“, sagte der Matchwinner, der in der 77. Minute per Foulelfmeter erfolgreich war: „In der ersten Halbzeit standen wir zu tief, da war der Druck auf uns zu groß. Danach haben wir besser gespielt. Es war eine großartige Aktion von Robin Quaison, den Elfmeter so herauszuholen. Ich musste ihn nur noch reinmachen.“

          Mit seinem ersten Sieg bei der Fußball-EM haben die im Schnitt 30,2 Jahre alten  und minimalistischen auftretenden Schweden somit Kurs auf das Achtelfinale genommen. Den Skandinaviern reicht im letzten Spiel gegen Polen ein Unentschieden. Der von einem Corona-Fall geschwächte Außenseiter Slowakei hat trotz der Niederlage mit weiterhin drei Punkten ebenfalls noch Chancen aufs Weiterkommen.

          Beide Teams starteten unspektakulär in die Partie. Der Kopfball des slowakischen Sechsers Juraj Kucka nach einer Ecke, der deutlich über das Tor ging, war noch eine der besseren Chancen der Anfangsphase (5.). Die Slowaken zogen sich zunächst – wohl auch wegen des Auftaktsieges gegen Polen an gleicher Stelle – etwas weiter zurück. Schweden war gezwungen, das Spiel zu gestalten, was ihnen eine Halbzeit lang nicht gelang.

          Der Leipziger Starspieler Forsberg setzte sich in der 22. Minute gekonnt durch, sein Zuspiel in die Spitze, die wieder von Marcus Berg und Alexander Isak besetzt wurde, landete aber beim Gegner. Beim sehr respektablen 0:0 gegen Spanien zum Auftakt waren die Skandinavier fast ausschließlich in der Defensive gefordert, was die Auswahl von Nationaltrainer Janne Andersson stark gelöst hatte.

          „Wir haben einen etwas anderen taktischen Ansatz als gegen Spanien“, hatte der 58-Jährige für die Partie gegen die Slowakei angekündigt. Der 21 Jahre junge Dejan Kulusevski, dessen Corona-Infektion in der unmittelbaren EM-Vorbereitung für Aufregung im schwedischen Lager gesorgt hatte, saß in St. Petersburg wieder gesund auf der Bank. Bei den Slowaken war erst kurz vor der Partie Denis Vavro wegen Corona ausgefallen – Einfluss auf den Anpfiff des Spiels hatte das nicht.

          In der riesigen Arena saßen am Nachmittag nur wenige Zuschauer. Die schwedischen Fangesänge waren deutlich lauter zu hören. Die Skandinavier hatten letztmals 2004 die Vorrunde einer Europameisterschaft überstanden. Entsprechend groß ist die Sehnsucht, auch ohne den verletzt ausgefallenen Superstar Zlatan Ibrahimovic endlich mal wieder weiter zu kommen.

          Dafür muss die Andersson-Auswahl freilich konstanter auch offensiv glänzen – so wie zumindest annäherungsweise in der letzten halben Stunde am Freitag. Die Partie wurde mit zunehmender Spielzeit offener. Isak verpasste das etwas zu steile Anspiel von Forsberg, als sich eine der wenigen Lücken in der slowakischen Abwehr auftat (53.). Auf der anderen Seite scheiterte Kucka per Kopf am stark reagierenden Schweden-Torwart Robin Olsen (58.). Im slowakischen Tor parierte Martin Dubravka ebenso gut gegen Ludwig Augustinsson (59.).

          Fußball-EM

          Andersson trieb seine Mannschaft nach vorne, insbesondere Isak wurde stärker. Der Kopfball des früheren BVB-Stürmers ging nur knapp über das Tor (67.), einen weiteren Schuss hielt Dubravka (71.), dem dann das folgenschwere Foul am eingewechselten Mainzer Robin Quaison unterlief. Der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) entschied sofort auf Elfmeter, den Forsberg verwandelte.

          Isak, der zuvor den entscheidenden Pass gespielt hatte, wurde sogar zum besten Mann des Spiels gewählt. „Wir haben in der zweiten Halbzeit mit viel mehr Energie gespielt“, sagte der 21-Jährige und fügte an: „Mir hat heute nur ein Tor gefehlt“. Aber dafür war dann ja Emil Forsberg da.

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