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Österreich bei der EM : Willkommen im Land der Gräben

  • -Aktualisiert am

Weckruf für die Landsleute: Mit Bundesligaspielern wie Alaba (l.) und Harnik (M.) will Österreich bei der EM punkten. Bild: dpa

Auch Österreichs Fußballteam teilt die Nation – nämlich in Optimisten und Pessimisten. Nach zuletzt eher schwachen Vorbereitungsspielen haben die Bäume mit ihrem Wachstum gen Himmel innegehalten.

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          Im Land der hohen Berge sind heuer tiefe Gräben das Thema. Die Stichwahl zum Bundespräsidenten, bei der sich der frühere Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen im Mai um exakt 31 026 Stimmen gegen den rechten Kandidaten Norbert Hofer (FPÖ) durchgesetzt hatte, machte deutlich: Das Land ist geteilt. Van der Bellen hatte vor allem dank Frauen, Städtern und Gebildeten gewonnen. Hofer, dessen Partei das Ergebnis mittlerweile angefochten hat, hatte bei Männern, auf dem Land und in der Arbeiterklasse klar vorn gelegen.

          Immerhin hat das ganze Land eine Zeit lang über Politik geredet, auch der Kanzlerwechsel von Werner Faymann zu Christian Kern (beide SPÖ) trug dazu bei. Eine derart hohe Aufmerksamkeit erzielt ansonsten allein der Fußball - und auch das nur in Ausnahmefällen. Die EM-Endrunde, die für Österreich am Dienstag mit dem Match gegen Ungarn beginnt, ist der Ausnahmefall schlechthin. Erstmals hat sich das Team qualifiziert. 2008 durfte Österreich als Veranstalter mitwirken, man hat sich nicht blamiert, aber auch nicht reüssiert. Nach einem 0:1 gegen Kroatien, einem 1:1 gegen Polen und einem 0:1 gegen Deutschland (Torschütze Ballack) war die Chose auch schon wieder vorbei.

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          Diesmal soll alles anders sein, diesmal ist alles anders. Diesmal hätte Österreich auch die Aufstockung auf 24 Mannschaften nicht benötigt. Die Qualifikation war ein Durchmarsch, einem 1:1 daheim gegen Schweden folgten neun Siege. Und die Gegner waren nicht irgendwer, sondern Russland und Schweden sowie, nun gut, Montenegro, Liechtenstein und Moldau. Manchmal wurde das Glück bemüht, doch speziell bei den Duellen mit Schweden und Russland hat das ÖFB-Team durchaus beeindruckt. Russland wurde daheim wie auswärts mit 1:0 bezwungen, obwohl da wie dort der berühmteste Kicker des Landes, David Alaba, verletzt zum Zusehen verurteilt war.

          Alaba von Bayern München ist nicht der einzige Legionär im österreichischen Team. Der Kader versammelt 15 Spieler, die in Deutschland unter Vertrag stehen, das ist herausragend, da kommt sogar der deutsche EM-Kader (14) nicht mit. Vier österreichische EM-Kicker kommen aus der englischen Premier League, unter ihnen Teamkapitän Christian Fuchs, der mit Leicester City sensationell Meister wurde. Zwei kommen aus der Schweiz, einer kommt aus der Ukraine.



          Die Kehrseite? Nur ein einziger Spieler aus der österreichischen Liga steht im österreichischen EM-Aufgebot, Robert Almer, der frühere Hannover-Schlussmann, der 2015 zur Wiener Austria zurückkehrte. Die österreichische Liga ist insgesamt eher ein Trauerspiel, der Zuschauerschnitt (6271, kein Tippfehler!/die Red.) in der abgelaufenen Saison spricht Bände. Österreichs mit Abstand populärster Verein Rapid Wien, der durchschnittlich immerhin 16.860 Besucher anzog, war in einer Saison, in der sämtliche Spitzenvereine enttäuschten, letztlich wieder einmal gegen die von Red Bull gesponserten Salzburger chancenlos. Salzburg wiederum hatte 2015 das Kunststück geschafft, auch im achten Anlauf an der Qualifikation zur Champions League zu scheitern. Demnächst wird man vielleicht von allen neunen reden.

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