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3:0 gegen die Türkei : Die neue italienische Lust auf Attacke

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Strahlende Gesichter in Rom: Ciro Immobile (M) und seine Mitspieler feiern einen überlegenen Auftaktsieg Bild: dpa

Im Eröffnungsspiel der Fußball-EM tritt Italien offensiv auf und gewinnt hochverdient 3:0 gegen die Türkei. Trainer Mancini spricht vom Titel als Wiedergeburt für das ganze Land.

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          Noch ehe am Freitagabend die Ouvertüre zum paneuropäischen Fußballfest begann, hatte Roberto Mancini seinen Traum skizziert. „Der Titel“, hob der Trainer der von ihm wiederbelebten Squadra Azzurra hervor, „könnte eine Wiedergeburt für den Fußball und das ganze Land sein.“

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          Große Ziele zu erreichen, sind für den Nachfolger des erstmals in der italienischen Historie schon an der Qualifikation für ein großes Turnier, die Weltmeisterschaft 2018 in Russland, gescheiterten Gian Piero Ventura ein selbstverständlicher Antrieb. Mancini will Italien bei der EM dieses Jahres wieder dahin bringen, wo die Tifosi den viermaligen Weltmeister und Europameister von 1968 längst wieder verorten: nach oben, möglichst auf Platz eins.

          Auf dem von Mancini für möglich gehaltenen Weg sollte im römischen Stadio Olimpico, wo Deutschland 1990 durch Andreas Brehmes Elfmetertor gegen Argentinien Weltmeister geworden war, im Duell mit der Türkei der erste Sieg her. Mancini wollte die Serie von zuletzt 27 Länderspielen ohne Niederlage um ein weiteres freudiges Kapitel verlängern. Was beim ungefährdeten 3:0-Sieg durch ein Eigentor des Türken Demiral (53. Minute), den Treffer des bewährten Torjägers Immobile (66.) und das Tor des Neapolitaners Insigne (79.) nach einer Geduldsprobe in der ersten Hälfte bestens gelang.

          Während Mancini, der frühere Nationalspieler und Stürmerstar von Sampdoria Genua, auf den für italienische Verhältnisse fast schon revolutionären Mut zur Attacke setzte, stand den Italienern ein Widersacher gegenüber, der sich zuletzt anders als in der Vergangenheit durch geballte Abwehrkraft ausgezeichnet hat. Ein Paradigmenwechsel auch in der Türkei, die früher durch bullige Angreifer imponierte, defensiv aber ziemlich verwundbar wirkte. In acht der zehn EM-Qualifikationsbegegnungen für ein Turnier, das wegen der Corona-Epidemie von 2020 auf dieses Jahr verschoben worden ist, blieb die von Senol Günes trainierte Mannschaft gegentorlos.

          Diese wenig attraktive Kunst wollten sie auch in der ersten Halbzeit dieser vergleichsweise temperamentlos anmutenden Europameisterschafts-Ouvertüre nachweisen. Das schafften sie zwar, aber auf einen Torschuss ihrer Mannschaft nach einem der wenigen Konterversuche warteten die temperamentvollen türkischen Fans unter den 16.000 Zuschauern – eine atmosphärische Wohltat nach all den Monaten in menschenleeren Arenen – vor der Pause vergebens.

          Doch auch die Tifosi, bei jeder halbwegs verheißungsvollen Attacke ihrer Mannschaft als lautstarke Unterstützung unüberhörbar, sehnten sich zunächst vergeblich nach dem einen großen Moment. Es war wie so oft bei Eröffnungsspielen: Gereicht wurde zähe Kost. Bis zur Pause mutete bei statistisch erfassten 14 Torschüssen minderer Qualität allein der Kopfball des 36 Jahre alten Kapitäns und Innenverteidigers Chiellini gefährlich an, den Torhüter Cakir über die Latte lenkte (22. Minute).

          Die Türken, auf einen Lucky Punch aus, mussten kurz nach der Pause einen für sie niederschmetternden Moment verarbeiten, was sie nicht mehr schafften. Bei den Italienern, die nun das Tempo anzogen, hatte sich auf der rechten Seite nicht zum ersten Mal der Außenstürmer Domenico Berardi durchgesetzt und scharf vor das Tor geflankt. Dort prallte der Ball dem türkischen Innenverteidiger Demiral, bei Juventus Turin unter Vertrag, gegen den Oberarm und von da ins eigene Tornetz. Damit wuchs die Rasanz und Kombinationslust im italienischen Angriffsspiel, während die zuvor noch abgeklärt bei der Abwehrarbeit wirkenden Türken zunehmend unter Druck und ins Schwimmen gerieten.

          Um aus Rom zumindest einen Punkt für die folgenden Duelle der Gruppe A gegen Wales und die Schweiz mitzunehmen, musste endlich auch ein gescheiter Angriff folgen. Der kam aber nicht. Die Italiener hatte nun Spaß am eigenen Spiel und fanden immer häufiger die Räume, um eine Entscheidung herbeizuführen.

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          Die reifte Mitte der zweiten Hälfte heran, als Cakir einen Schuss des starken Rechtsverteidigers Spinazzola von der AS Rom abgewehrt hatte, gegen den Nachschuss von Ciro Immobile, dem früheren Mittelstürmer von Borussia Dortmund und heute Torschütze vom Dienst bei Lazio Rom, war der türkische Keeper dann machtlos. Das Spiel war entschieden, so dass Insignes Schlenzer zum 3:0 nach Cakirs Fehlpass und Immobiles Zuspiel die Spielfreude der Italiener noch einmal illustrierte.

          Der Rest war nach dem neunten Zu-Null-Sieg der Squadra Azzurra in Serie italienisches Schaulaufen, verbunden mit der an Sicherheit grenzenden Vermutung, dass Italien wieder angekommen sein dürfte im Kreis der großen europäischen Fußballnationen. Gegen die Schweiz am kommenden Mittwoch könnte im Stadio Olimpico die nächste Demonstration der neuen italienischen Lust auf Attacke folgen.

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