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Fußball-EM : Englische Enttäuschung gegen Schottland

  • -Aktualisiert am

Wieder ohne Wirkung, wieder ausgewechselt: Englands Harry Kane Bild: AP

Früh landet ein Kopfball am Pfosten, ein Schuss rauscht knapp am Tor vorbei. Doch dann gehen England gegen Schottland die Ideen aus. Der Außenseiter erkämpft sich einen enorm wichtigen Punkt.

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          30.000 Schotten verstanden das 115. „Battle of Britain“ als unbedingten Reiseauftrag gen London. Mag sich dort die jüngste Corona-Variante namens Delta auch rasant ausbreiten, erstürmte die massenhaft auftretende „Tartan Army“ beim Besuch des großen Nachbarn zumindest die großen Plätze der Hauptstadt von Großbritannien, wenn schon der Weg nicht ins Wembley-Stadion führen durfte. Dort saßen am Freitagabend nur 22.500 Glückliche, die eines der Tickets für den britischen Fußballklassiker im Rahmen dieser Europameisterschaft erworben hatten. England gegen Schottland, das gab es bei einer EM nur einmal, 1996, als das Turnier in England stattfand und Schottland nicht zuletzt ob einer 0:2-Niederlage gegen England schon nach den Gruppenspielen ausschied.

          Fußball-EM

          Das droht auch diesmal, 25 Jahre später. Trotz des 0:0-Achtungserfolgs in London bleiben die Schotten fürs Erste Letzte der Gruppe D, während die Engländer als momentane Gruppenzweite trotz bisher enttäuschender Auftritte gute Aussichten auf die Achtelfinalteilnahme haben und am Dienstag gegen Tschechien gefordert sind. Gefeiert haben am Freitagabend allein die Schotten ihr mutiges Team, das in seinem letzten Gruppenspiel gegen Kroatien am kommenden Dienstag noch die Runde der letzten 16 erreichen kann

          „Kompliment an Schottland, sie haben sehr gut verteidigt“, sagte Englands Kapitän Kane: „Es geht wohl in Ordnung, es war nicht unsere beste Leistung, wir hatten nicht genug Chancen.“ Schottlands Mittelfeldspieler Gilmour war deutlich zufriedener: „Wir hatten nur einen Wunsch, wir wollten die Engländer abwehren und das überstehen.“

          Schottische Kämpfernaturen

          Die schottischen Kämpfernaturen genossen zunächst einmal den englischen Landregen, der dem schnörkellosen Vertikalfußball der „Bravehearts“, wie die Nationalmannschaft genannt wird, dienlich sein sollte. Die Engländer, zum Auftakt der EM nach einem eher langweiligen Spiel gegen Kroatien 1:0 siegreich, ließen es erst einmal ruhig angehen, während die Schotten seltener mit langen Bällen, dafür häufiger mit sehenswerten Kombinationen in ihrer 3-5-2-Grundordnung die Initiative übernahmen.

          Nach etwas mehr als zehn Minuten setzte die über den Großteil der ersten Hälfte fast schon passive Mannschaft von Trainer Southgate wenigstens ein erstes Zeichen, dass mit ihr dennoch nicht zu spaßen sei. Innenverteidiger Stones wuchtete den Ball nach Mounts Eckstoß mit dem Kopf gegen den Innenpfosten (12.). Zwei Minuten später schob Mount den Ball aus kurzer Distanz am Tor vorbei.

          Ein Alarmsignal, dem danach nichts Bedrohliches mehr folgte. Die im ersten Spiel im heimischen Hampden Park von den Tschechen mit 2:0 besiegten Schotten ließen sich sowieso nicht einschüchtern und wählten im Zweifel weiter die Offensive. Für Atmosphäre sorgten bis zur Pause eher die Fans der „Three Lions“ und der Schotten, die bei O’Donnells Volleyschuss, den Pickford parierte (30.), auch einmal dicht am Torjubel waren. Die Engländer mit ihren international renommierten Stars schlichen unter den Pfiffen ihrer Fans bei Halbzeit frustriert in die Umkleidekabine, während sich ihre schottischen Kollegen in diesem qualitativ ausbaufähigen Duell mit Herz und Verstand als gleichwertige Gegner entpuppt hatten.

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          Nach der Pause zogen die englischen Stars der Spitzenklubs aus Manchester und London, offensichtlich von Southgate zu mehr Action angefeuert, das Tempo zwar etwas an, doch in eine Art Flow kam der Favorit nie in dieser zähen Auseinandersetzung, weil auch die nun eher defensiv geforderten Schotten auf dem Quivive blieben und keinerlei Hemmungen gegenüber dem großen Bruder verspürten. Sie waren sogar nach 62 Minuten dicht vor der Führung, als James kurz vor der Torlinie den Drehschuss von Mittelstürmer Dykes abwehrte.

          Southgate reagierte auf die unsichere Gemengelage und ersetzte den jenseits seiner Möglichkeiten gebliebenen Foden von Manchester City durch den in England geliebten Spielmacher von Aston Villa: Grealish, einen Künstler in den Eins-gegen-Eins-Momenten (63.). Als nächster ging der Kapitän und Gewohnheitsschützenkönig Kane, ineffektiv wie auch beim Auftaktsieg. Ihn ersetzte nach 74 Minuten Rashford, eine Stürmerikone von Manchester United.

          Für die Aufreger sorgten andere. Der Schotte Adams, der aus guter Schussposition das Tor verfehlte (78.) und Schiedsrichter Lahoz, der einen Tritt von Robertson auf den Fuß von Sterling, auch weil der Videoassistent nicht eingriff, nicht mit einem Strafstoß für England sanktionierte (79.). Am Ende verdienten sich die Schotten das 0:0, weil die Engländer von der Angst vor einer Niederlage gegen den kleineren Nachbarn wie gelähmt gewirkt hatten.

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