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Fußball-EM : Drachen, keine Fußballwichte

  • -Aktualisiert am

Absolute Bereicherung für die EM: Das Team aus Wales. Bild: AFP

Neue Gesichter, neue Sieger, neue Typen, neue Länder: Den Reiz dieser EM verkörperten Wales und Island ideal. Sie haben Geschichte geschrieben und Geschichten geliefert.

          Die Europameisterschaft steht vor zwei großen Halbfinalspielen. Hoffentlich. Mit dabei ist eine Übergröße, Weltmeister Deutschland, eine etablierte Größe des europäischen Fußballs, Frankreich, eine Größe des gehobenen Mittelstandes, Portugal, und, mit einem Hurra von den Liebhabern der kleinen Größen begrüßt: Wales. Dass sich diese Briten, anders als England, das große Mutterland Großbritanniens und des Fußballs, für die Runde der letzten vier qualifiziert haben, freut alle, die zum Charme dieses Sports auch sein Überraschungspotential hinzurechnen und in ihrer Lust auf Häme wieder einmal von England nicht enttäuscht wurden.

          Dass Wales bei seiner ersten EM-Teilnahme sogleich zum Shootingstar avancierte, ist am Ende dieses Turniers keine Überraschung mehr, nachdem es auch das noch kleinere Island bis ins Viertelfinale schaffte und dort erst von den Franzosen am weiteren Aufstieg ins europäische Establishment gestoppt wurde. Wales wäre, auch wenn sich die Euro nach dem alten Muster mit 16 Mannschaften präsentiert hätte, wie Island qualifiziert gewesen – ein erster deutlicher Hinweis darauf, dass da kein Fußballwicht um Einlass gebeten hat.

          Im Verlaufe des Turniers zeigten die „Drachen“ und ihre nordischen Verbündeten aus der kleinen Welt des großen Fußballs, dass diese Teams mit einer guten Organisation, dem Mut des Außenseiters und der geschickt gewählten Strategie ihrer Trainer weiter kommen konnten als gedacht. Dabei ragten der Sieg der Isländer über England (2:1) und der der Waliser über Belgien (3:1) in den K.-o.-Runden auch deshalb heraus, weil beide Teams nicht nur exzellent verteidigten, die einen mit einer Vierer-, die anderen mit einer Dreierkette, sondern auch ihre Konterattacken mit kühler Brillanz abschlossen. Ein Indiz dafür, dass in ihren Reihen genügend bestens geschulte und in großen Fußballligen gereifte Profis standen, die ihr Knowhow hundertprozentig für ihr Team und ihr Land einsetzten.

          Der Faktor Spannung war garantiert

          Die qualitativen Unterschiede sind bei den Nationalmannschaften angesichts des paneuropäischen Transfers der Spieler kleiner als noch vor ein paar Jahren; der große Unterschied macht sich dagegen in der Millionenklasse Champions League bemerkbar, in der nur noch die reichsten Klubs der Welt eine realistische Chance besitzen, den großen Preis zu gewinnen.

          Auch weil bei diesem langen Turnier mit wenigen kurzweiligen Spielen die Großen kleiner und die Kleinen größer wurden, war zumindest der Faktor Spannung garantiert. Das allein bot allen, die sich für eine EM mit 24 Mannschaften ausgesprochen hatten, eine ideale Argumentationsplattform. Teams wie Island und Wales mitsamt ihrer begeisterten Gefolgschaft erlebt zu haben spricht dafür, dieses EM-Format beizubehalten. Wenn sich immer wieder nur alte Bekannte treffen – siehe Champions League –, kann das auf Dauer langweilig werden. Neue Gesichter, neue Sieger, neue Typen, neue Länder: Den damit verbundenen Reiz beim Zuschauen verkörperten Wales und Island ideal. Sie haben Geschichte geschrieben und Geschichten geliefert. Fast bis zum Ende des Turniers. Ein großer Gewinn für alle.

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