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Start der EM in Europa : Volksfest oder bizarre Fußball-Reise?

Was kommt da auf uns zu? Die Fußball-EM 2021 startet in Rom. Bild: Reuters

Ein Jahr verspätet beginnt am Freitag die Fußball-EM auf dem gebeutelten Kontinent. Wird es das erste verbindende Fest in Europa in der Pandemie? Die Stimmung in den Spielorten reicht von heiter bis aufgeregt.

  • Aktualisiert am
          6 Min.

          Wird es das erste verbindende Volksfest in der Pandemie oder eine bizarre Fußball-Reise durch einen gebeutelten Kontinent? Die Stimmung an den Spielstätten jenseits von München reicht von heiter bis aufgeregt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schaut in alle EM-Orte.

          Ungarn: Ein volles Haus

          Ungarn ist das einzige Land, in dem die Spiele vor vollem Haus stattfinden dürfen: drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale. Das Stadion in Budapest ist nach dem einstigen Fußball-Heroen Ferenc Puskás (1927–2006) benannt. 2017 errichtet, hat die Arena 67.000 Sitzplätze. Ungarische Fans dürfen nur hinein, wenn sie eine Impfung oder eine Genesung nachweisen können. Die Regierung in Budapest hält dieses Vorgehen wegen des vergleichsweise großen Impffortschritts für verantwortbar und praktikabel.

          Fußball-EM

          Jeder zweite Einwohner hat bereits einen ersten Stich erhalten. Ausländische Besucher erhalten auch dann Zutritt, wenn sie einen PCR-Test in ungarischer oder englischer Sprache vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Zu den Besuchern dürfte auch die politische Elite des Landes zählen, allen voran der fußballbegeisterte Ministerpräsident Viktor Orbán. Zufällig beendet das Parlament dieses Jahr seine Frühjahrssitzung rechtzeitig zu den Gruppenspielen der ungarischen Mannschaft. (löw.)

          Niederlande: „Alles Oranje“

          Pandemie hin, Ärger über Trainer und Spielsystem her, die Niederlande sind im Oranje-Fieber. Nach zwei verpassten Großturnieren kann diese ehrgeizige Fußballnation endlich wieder in ihre Lieblingsfarbe eintauchen. Sogar drei Heimspiele vor 16.000 Zuschauern wird die Elftal in Amsterdam absolvieren, während die Anhänger ohne Tickets ihre Grillbuffets mit orangenen Würstchen und orangenen Salaten ausstaffieren. „Im ganzen Land ist alles Oranje“, sagt der ehemalige Nationalspieler Youri Mulder, von der Fußballdepression anderer Nationen ist hier nichts zu spüren.

          Auf der Titelseite der einzigen Boulevardzeitung des Landes bekunden Fans ihren Glauben an den Titelgewinn, statt Bedenken wegen der Ansteckungsgefahr beim gemeinsamen Fußballschauen zu formulieren; das Land sehnt sich nach einem großen Fußballsommer. „Die Euphorie ist enorm, und der Kommerz macht kräftig mit, weil alle Möbelhäuser und Supermärkte von oben bis unten orange geschmückt sind“, sagt Mulder. (dat.)

          Spanien: „Impfvordrängler“

          In Spanien geht es vor dem EM-Auftakt gegen Schweden am Montag in Sevilla mehr um Covid-19 als um die Aufstellung oder die Spieltaktik. Nachdem Sergio Busquets positiv und Diego Llorente offenbar falsch positiv getestet worden sind, hat das Land tagelang darüber diskutiert, ob das Team nicht doch geimpft werden sollte. Spanien glänzt zwar mit sehr guten Impfquoten in höheren Altersgruppen – 90 Prozent der über 50-Jährigen haben inzwischen wenigstens eine Dosis erhalten. Jüngere kommen aber erst zum Zuge, wenn die älteren Gruppen durch sind.

          Tippspiel zur Fußball-EM
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          Damit werden die Profifußballer in den Augen mancher zu „Impfvordränglern“. Sie repräsentieren das Land, daher werden sie geimpft: So reagierte die Regierung mit einem Machtwort – wenn auch sehr spät. Schließlich ist die Immunität erst eine Woche nach der zweiten Dosis gewährleistet, das wäre zum Halbfinale am 6. Juli. Sollten sich weitere Spieler infizieren, steht eine Art B-Elf mit elf U-21-Spielern in einer separaten Blase bereit, um den EM-Kader aufzustocken. Die ursprünglich als EM-Test vorgesehene Begegnung mit Litauen bestritt bereits die U 21. Sie gewann 4:0. (kell.)

          Italien: Fan-Feste und Public Viewing

          Im Land des viermaligen Weltmeisters ist es eigentlich wie immer vor einem großen Turnier – also fast wie in den Zeiten vor der Pandemie. Es steigt die Fieberkurve der nationalen Erregung. Die Zeitungen vertreiben Sonderbeilagen mit allen erdenklichen Informationen zur Squadra Azzurra. In Tankstellenshops wird die Nationalflagge zum Sonderpreis verkauft. Die Fernsehreporter berichten atemlos aus dem Mannschaftsquartier im Trainingszentrum Coverciano bei Florenz.

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