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EM-Regelecke : Ein Modus, bei dem jedes Spiel zählt

Nicht zu fassen: das EM-Reglement ist unfair und unlogisch. Bild: Reuters

Das aktuelle EM-Format ist nicht nur unlogisch, sondern auch ungerecht. Besser wäre ein Modus, bei dem jede Vorrunden-Begegnung für alle Teams Bedeutung hätte. Ein Vorschlag.

          Dass es rechnerisch nicht logisch ist, aus sechs Gruppen mit je vier Mannschaften bei dieser Fußball-Europameisterschaft 16 Achtelfinal-Teilnehmer zu destillieren, ist hinreichend häufig beschrieben worden. Die Quervergleiche der Drittplazierten zur Auffüllung des Achtelfinal-Feldes ist nur bedingt nachvollziehbar, da die betroffenen Teams in der Vorrunde gegen unterschiedliche Mannschaften spielen mussten – und dies auch noch zu unterschiedlichen Zeiten.

          Doch auch die Zusammenstellung der Achtelfinal-Spiele selbst ist von zweifelhafter Ausrichtung: Vier Gruppensieger dürfen gegen vier Gruppendritte spielen, also nominell schwächere Teams, während die anderen beiden Tabellenführer gegen zwei Zweitplazierte antreten müssen. Geht man davon aus, dass die Plazierungen nach der Vorrunde Aussagekraft und sportlichen Wert besitzen, dann lässt sich klar feststellen, dass die Gruppensiege von Italienern (Gruppe E) und Ungarn (F) nicht belohnt wurden. Auch die mit ihnen konfrontierten Spanier (Zweiter Gruppe D) und Belgier (Zweiter Gruppe E) dürfen sich ungerecht behandelt fühlen im Vergleich zu den übrigen Zweiten, die unter ihresgleichen um den Einzug ins Viertelfinale spielen dürfen.

          Ausweg aus der Ungerechtigkeits-Falle

          Das Format mit 24 Mannschaften ist eben nicht turniertauglich – zu dieser Erkenntnis kommt jeder Fachverständige, egal, wie er das Tableau auch dreht. Einen Ausweg aus der Ungerechtigkeits-Falle könnte es allerdings geben. Dazu müsste sich die Uefa aber dazu durchringen, den Turnierbaum in eine andere Form zu bringen: Zur Fortführung der EM müsste man nicht mehr Konstruktionen wie „Erster B gegen Dritter A/C/D“ bemühen, sondern 1. gegen 16., 2. gegen 15., 3. gegen 14. und so weiter.

          Um die Partien nach diesem Format zu ermitteln – das ähnlich wie eine Setzliste bei Tennisturnieren funktionieren würde – müssten die Vorrunden-Leistungen zu einer Gesamttabelle zusammengefügt werden. Dieses Vorgehen hätte zwar auch das Problem eines Vergleichs von Äpfeln und Birnen, doch da es bei der Rangliste der Gruppendritten ebenfalls geschieht, wäre es zumindest konsequent.

          Italien B-Team gegen Irland: Durch das Reglement bestraft und es dann selbst ausgenutzt.

          Auf jeden Fall hätte das „Tennis-Format“ den unschlagbaren Vorteil, dass gute Vorrunden-Ergebnisse mit einem hohen Platz im Ranking belohnt würden. Dann könnte sich keine Mannschaft im dritten Spiel hängen lassen, da es in der Tabelle abrutschen würde - und mit einem härteren Gegner rechnen müsste.

          Im aktuellen Format stand Italien nach zwei Spielen als Gruppensieger schon fest und wusste, dass es trotzdem gegen Titelverteidiger Spanien anzutreten hatte. Wer wollte es dem Team verdenken, dass es seine besten Kräfte gegen Irland schonte - und prompt unterlag? Die Türken waren die leidtragenden, die deshalb aus der EM ausschieden.

          Die Vorrunden-Tabelle der EM 2016:

          1. Frankreich 4:1 Tore, 7 Punkte
          2. Deutschland 3:0 / 7
          3. Kroatien 5:3 / 7
          4. Polen 2:0 / 7
          5. Wales 6:3 / 6
          6. Spanien 5:2 / 6
          7. Belgien 4:2 / 6
          8. Italien 3:1 / 6
          9. Ungarn 6:4 / 5
          10. Island 4:3 / 5
          11. England 3:2 / 5
          12. Schweiz 2:1 / 5
          13. Slowakei 3:3 / 4
          14. Irland 2:4 / 4
          15. Portugal 4:4 / 3
          16. Nordirland 2:2 / 3














          Im Achtelfinale käme es zu folgenden Begegnungen:

          1.-16. Frankreich - Nordirland
          8.-9. Italien - Ungarn

          4.-13. Polen - Slowakei
          5.-12. Wales - Schweiz

          2.-15. Deutschland - Portugal
          7.-10. Belgien - Island

          3.-14. Kroatien - Irland
          6.-11. Spanien - England

          Im Viertelfinale würde dann der Sieger aus der Partie 1. - 16. auf den Gewinner des Spiels 8. - 9. treffen. Der Sieger dieser Partie wiederum würde im Halbfinale gegen den Gewinner aus der Begegnung 4. - 13. sowie 5. - 12. spielen. Analog dazu würde im unteren Bereich des Tableaus weitergespielt.

          Auch nach dem „Tennis-Format“ käme es zwar im Achtelfinale schon zu „Knallerspielen“ von namentlich großen Mannschaften wie Spanien gegen England und eher leichtgewichtig erscheinende Begegnungen wie Wales gegen Schweiz. Aber der Vorteil wäre, dass die Teams sich diese Begegnungen durch Resultate verdient hätten. Die beiden besten Teams der Vorrunde würden erst im Finale aufeinander treffen. Dagegen stehen sich Deutschland und Frankreich nach dem gültigen Reglement schon im Halbfinale gegenüber.

          Ein weiterer Vorteil: die Tableau-Hälften wären ausgeglichener besetzt – vermutlich würden nicht fünf Weltmeister in einem Sektor auflaufen. Zumal man davon ausgehen könnte, dass kein Team im Vorrunden-Finale so blutleer spielen würde wie Italien B gegen Irland, wenn das Ergebnis des Spiels eine Bedeutung für die Gesamt-Plazierung hätte.

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