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Prognose für die EM 2016 : Frankreich und Deutschland Kopf an Kopf

Gastgeber Frankreich und Weltmeister Deutschland gehören zu den Favoriten bei der EM 2016. Bild: Picture-Alliance

Holt das DFB-Team nach dem WM- auch den EM-Titel? Das ist nicht unwahrscheinlich. Ein Modell, bei dem das Turnier 100.000 Mal simuliert wird, zeigt aber, dass es einen harten Konkurrenten gibt.

          Der englische Meistertitel für Leicester City vor wenigen Wochen war eine der größten Sensationen in der Fußball-Geschichte. Kaum jemand hatte auf den Klub gesetzt, der in der Vorsaison fast noch abgestiegen wäre. Wenige taten es dennoch – und strichen bei einer Quote von 5000 zu 1 einen satten Gewinn bei den Wettanbietern ein. An diesem Freitag nun beginnt die Fußball-EM. Auch dann wird wieder kräftig auf einzelne Partien und den Europameister getippt. Gibt es auch beim Turnier in Frankreich eine große Überraschung a la Leicester?

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Daniel Memmert, Professor am Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema und hat mit Mathematiker Fabian Wunderlich, der die Website Tipponaldo.de betreibt, ein eigenes Modell entwickelt, das die Wahrscheinlichkeit berechnet, wer ein Spiel und am Ende die EM gewinnt. Bei FAZ.NET werden diese Prognosen vom Eröffnungsspiel Frankreich gegen Rumänien (21.00 Uhr / Live im ZDF und im EM-Ticker bei FAZ.NET) an täglich veröffentlicht – als ideale Vorbereitung auf jedes Tippspiel.

          Und so funktioniert das Modell: Die Weltrangliste des Fußball-Weltverbandes (Fifa) berücksichtigt die vergangenen Leistungen. Dieser Wert fließt zu 20 Prozent ein. Die Quoten der Wettanbieter indes betrachten die Erwartungen an zukünftige Ergebnisse und machen 80 Prozent aus. Der Unterschied ist wichtig und ein Grund dafür, dass beide Bewertungen zu unterschiedlichen Resultaten kommen können. So hat Gastgeber Frankreich etwa derzeit die deutlich beste Wettquote. Das europäische Team mit der besten Plazierung in der aktuellen Weltrangliste aber ist Belgien.



          Um die Gewinn-Wahrscheinlichkeiten aus der Weltrangliste abzuleiten, wurde die EM 100.000 Mal simuliert. Frankreich bekam einen Bonus durch den Heimvorteil. Vier Schritte sind dabei zentral: Erst müssen die Leistungsstärken ermittelt werden. Daraus ergibt sich ein durchschnittliches Ergebnis für jedes Spiel. Dann lässt sich ableiten, welche konkreten Resultate mit welcher Wahrscheinlichkeit auftreten. Bei häufiger Simulation treten sehr wahrscheinliche Spielergebnisse logischerweise auch sehr oft auf. Komplizierter als bei der WM 2014 machte es der neue Modus, der auch Gruppendritte ins Achtelfinale lässt. Die aktualisierten Wettquoten berücksichtigen in den täglichen Prognosen auch Informationen wie Verletzungen oder Sperren. Daher erfahren sie eine höhere Gewichtung.

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          Im Ergebnis von Memmert und Wunderlich liefern sich Frankreich und Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach der ersten Berechnung aufgrund der Weltrangliste vom 5. Mai lag das DFB-Team knapp vorne. Durch die Werte in der jüngsten Tabelle (2. Juni) und den Wettquoten von Betfair aber hat der Gastgeber nun die Nase vorne. Demnach wird Frankreich mit einer Wahrscheinlichkeit von 20,91 Prozent Europameister, Deutschland weist 17,14 Prozent auf – Stand heute. „Persönlich wünsche ich mir natürlich, dass Deutschland den Titel holt, aber der Computer berücksichtigt alle Daten. Bei so kleinen Abständen kann sich das Bild auch schnell wieder ändern“, sagt Memmert.

          Die Sportwissenschaft beschäftigt sich schon lange mit Vorhersagemodellen. Studien zeigen, dass langjährige Fußballerfahrung die Chancen nicht signifikant erhöhen. Doch diese vermeintlichen Experten seien sich viel sicherer in ihrer Einschätzung, sagt Memmert. „Oder anders formuliert: Sie überschätzen sich ständig.“ Daher vertraut der Professor lieber seinem Rechenmodell.

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