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Powerwissen fürs Elfmeterschießen : Bloß nicht der Beste zum Schluss!

Duelle Mann gegen Mann: Elfmeterschießen. Bild: dapd

Mit der K.-o.-Runde schlägt wieder die Stunde der Helden – im Elfmeterschießen. Die Geschichte dieses Nervenspiels hat einige Mythen hervorgebracht. Wir klären auf, ob sie stimmen.

          Mit Beginn des Achtelfinales wird es endgültig ernst bei der EM. Ein schwacher Tag kann nicht mehr ausgeglichen werden, und manchmal genügt auch ein schwacher Moment. Denn von nun an wird in den K.-o.-Runden bis zum bitteren Ende gespielt, zur Not entscheidet das Elfmeterschießen. Helden werden geboren, die ihr Team, ihre Fans und ihre Nation glücklich machen - und beim Verlierer bleiben Sündenböcke übrig. In der EM-Geschichte gab es bislang 15 Auflagen dieser ultimativen Duelle. Zum ersten Mal beim Finale 1976 mit dem legendären Schuss von Uli Hoeneß in den Nachthimmel von Belgrad und dem genauso legendären Lupfer von Antonin Panenka. Bei Weltmeisterschaften wurden 26 Sieger im Elfmeterschießen ermittelt, 1994 und 2006 auch im Finale. Die Geschichte dieses besonderen Nervenspiels hat einige Mythen hervorgebracht.

          Wer beginnt, hat bessere Chancen?

          In insgesamt 41 EM- oder WM-Spielen wurde das Elfmeterschießen zum Ermitteln des Siegers benötigt. Nach Auswertung der Daten lässt sich kein Vorteil des ersten Schusses ermitteln: 20 Mal haben die späteren Sieger begonnen, 21 Mal die späteren Verlierer. Es macht also keinen Unterschied, wer beginnt.

          Die Belastung ist für den Ersten am Größten?

          In der Geschichte des Elfmeterschießens wurden bislang 397 Elfmeter geschossen, davon 296 verwandelt (75 Prozent), 101 gingen nicht rein (25 Prozent). Alle Siegermannschaften zusammen verwandelten 179 von 202 Elfmetern (88 Prozent), die Verlierer nur 117 ihrer 195 Versuche (60 Prozent). Es scheint aber keine besondere Belastung zu sein, als Erster anzutreten: 32 „Beginner“ haben getroffen, nur neun scheiterten (21 Prozent). Die Bilanz unterscheidet sich kaum von der nachfolgender Schützen: Die zweiten vergaben ebenfalls neun Schüsse, die dritten zehn, die vierten neun. Erst zum Ende wird es offenbar schwieriger: Schütze sieben scheiterte zwölfmal, der achte sogar in 17 von nur noch 38 Fällen (44 Prozent). Dreimal war das Stechen schon nach sieben Schützen entschieden.

          Der sicherste Schütze sollte zum Schluss schießen?

          Wer den besten Schützen als letzten Mann nominiert, verschenkt eine große Chance. Zwar haben tatsächlich nur drei von 18 (16 Prozent) verschossen. Doch in 23 von 41 Fällen mussten sie gar nicht mehr  antreten, weil das Stechen schon vorher entschieden war. Am häufigsten (14 Mal) fiel die Entscheidung nach dem neunten Schützen (34 Prozent), drei Mal (sieben Prozent) sogar schon nach dem siebten Schuss. Aber nur elf Mal (26 Prozent) war der zehnte der Letzte.

          Wer zuerst verschießt, verliert?

          13 der 41 Elfmeterschießen hatten einen klar definierten „Versager“: es hatte jeweils nur einer verschossen (siehe Hoeneß). Besser für den Teamgeist der Verlierer ist es sicher, wenn zwei (20 Mal) oder gar drei (8 Mal) Mann vergeben. Gar nicht selten produzieren beide Teams Fehlschüsse (20 Mal). Die Rekordzahl von fünf „Fahrkarten“ bei neun Schützen stellten Engländer und Portugiesen gemeinsam bei der WM 2006 auf. England verlor natürlich (1:3). In all den Duellen kam es aber nur 5 Mal (12 Prozent) vor, dass eine Mannschaft noch gewann, die den ersten Fehlschuss verzeichnete. Wen wundert es: England vergab zwei dieser Vorlagen ihrer Gegner: bei der WM 1998 gegen Argentinien (3:4) und bei der EM 2012 gegen Italien (2:4).

          Die Mutter aller Fehlschüsse: Hoeneß, EM-Finale 1976 gegen die CSSR. Bilderstrecke

          Der Torwart ist der Held?

          Jedes Elfmeterschießen endet mit Jubel und Trauer. Bitter für den letzten Schützen, der noch am Punkt im Boden versinken will, wenn er soeben verschossen hat. Toll für den Torwart, auf den sich dann alle Jubler stürzen. Allerdings endeten nur 8 von 41 Stechen mit einem gehaltenen Ball (19,5 Prozent), weitere fünf mit einem Fehlschuss am Tor vorbei (12 Prozent). Deutlich häufiger, 28 Mal (68 Prozent), saß der letzte Schuss – und der Mann, der getroffen hatte, stand im Mittelpunkt - so wie Möller mit seiner Siegerpose 1996 in England. Dabei war er gar nicht als Schütze vorgesehen, doch nach zehn Elfmetern hatte es noch Unentschieden gestanden. Möller war einer von bislang sechs zwölften Männern, die den Sieg sicherten.

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