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England gegen Russland : Warum die Randale nicht im TV gezeigt wurde

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Beim Spiel England gegen Russland kommt es im Stadion zu Ausschreitungen. Der deutsche TV-Zuschauer sieht davon nichts. Es ist nicht das erste Mal, dass die Fernsehbilder bei einer EM für Debatten sorgen.

          Die Bilder von den Ausschreitungen beim EM-Spiel zwischen England und Russland sind von der Europäischen Fußball-Union bewusst nicht im internationalen TV-Bild gezeigt worden. „Wir wollen nicht, dass Szenen von Gewalt im Fernsehen zu sehen sind“, teilte die Uefa am Sonntag mit. Der Dachverband fürchtet einen Nachahmungseffekt. Deshalb werden auch keine Bilder von sogenannten Flitzern, die bei Spielen auf den Platz laufen, im internationalen TV-Signal gezeigt.

          Das ZDF hätte die Ausschreitungen im Stadion von Marseille aber mit eigenen Kameras zeigen dürfen, hieß es. Kommentator Oliver Schmidt aber beschrieb, nachdem es gegen Ende der Partie zu Ausschreitungen auf den Tribünen kam, die Szenen nur mündlich. Abgesehen von gezündeter Pyrotechnik im Hintergrund sah der deutsche TV-Zuschauer bei der Live-Übertragung nichts von den Vorkommnissen.

          Nach dem Spiel gegen England (1:1) am Samstagabend waren russische Zuschauer auf in benachbarten Blöcken sitzende englische Fans losgestürmt und hatten diese attackiert. Einige Anhänger mussten sich wegen der Angriffe sogar im Innenraum des Stadions in Sicherheit bringen. Die Uefa eröffnete wegen der Vorkommnisse ein Verfahren gegen den russischen Verband.



          Bei der EM 2012 gab es bereits Diskussionen um die TV-Bilder, die von der Uefa zur Verfügung gestellt wurden. Im Vorrundenspiel der deutschen Nationalelf war in einer Spielunterbrechung eine Szene mit Bundestrainer Joachim Löw zu sehen, der einem Balljungen im Vorbeigehen den Ball aus den Armen stubste. Später stellte sich heraus, dass die Szene gar nicht live war, sondern schon vor dem Spiel stattfand. Sie wurde als „Slowmotion“, also in der Zeitlupe eingespielt. Die Uefa hatte sie vor der Partie aufgezeichnet.

          Das ZDF, das damals übertrug, wies den Vorwurf der Manipulation zurück. „Der Regisseur des Weltbildes hat die Szene in die Live-Übertragung eingespielt. Die Verantwortung liegt ausschließlich bei ihm„, sagte Sportchef Dieter Gruschwitz. ZDF-Chefredakteur Peter Frey erklärte damals: „Wir haben bei der Uefa moniert, dass tatsächlich der Anschein erweckt wurde, es handele sich um Live-Bilder“. Die Uefa wies die Kritik damals zurück. „Es ist nicht unüblich, dass solche Szenen in die Live-Übertragung eingespielt werden“, erklärte ein Sprecher.


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