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England gegen Deutschland : „Es wird ein großartiges Fußballfest in Wembley“

„Poppi ist einfach ein Biest da vorne drin“, sagte Lena Oberdorf, die in der Defensive nicht minder von ihrer physischen Stärke lebt, bewundernd. Die Deutschen haben ein Team formiert, das keine Schwäche erkennen lässt. Die vor der EM kritisch beäugte Abwehr um Giulia Gwinn, Kathrin Hendrich, Marina Hegering und Felicitas Rauch beeindruckt wie Oberdorf, Sara Däbritz und Lina Magull davor. Vorne brillieren Popp, Svenja Huth und Klara Bühl oder eben Jule Brand. Ein Verlust an Qualität ist nach Wechseln im Spielverlauf nicht zu erkennen – ganz im Gegenteil. Die frischen Einwechselspielerinnen geben in schwierigen Spielphasen wie gegen Frankreich neue Energie.

Nun wartet mit England allerdings der Goldstandard des Fußballs bei diesem Turnier. 1:0 gegen Österreich, 8:0 gegen Norwegen, 5:0 gegen Nordirland, 2:1 gegen Spanien und 4:0 gegen Schweden im Halbfinale – die Bilanz ist mindestens so beeindruckend wie die deutsche. „Was England hier in diesem Turnier gezeigt hat, ist brutal gut“, sagte die Bundestrainerin. Bange ist ihr vor dem Showdown dennoch nicht. „Aber“, sagte sie mit einem Lächeln, „die ersten 30 Minuten gegen Schweden haben auch gezeigt, dass man ihnen auch wehtun kann. Das wird unser Auftrag sein.“

Voss-Tecklenburg freut sich in der Kathedrale des Fußballs auf „ein großartiges Fußballfest. Es ist ein Klassiker: England, Deutschland“. Sie sei total stolz auf die Leistung ihrer Spielerinnen und freue sich „mega auf dieses Spiel“ am Sonntag. „Wir spielen in Wembley vor 90.000 Menschen – wahrscheinlich sehr, sehr viele, die für England sind, und ein paar wenige, die für uns sind. Aber das nehmen wir komplett an.“ Sie erinnerte an den holprigen Weg Richtung Turnier, das mit einem Finale vor Rekordkulisse seinen Höhepunkt erleben wird. „Es gibt, glaube ich, ein großartiges Endspiel.“

Vor dem Halbfinale hatte sie in der Besprechung ein Video von Jürgen Klopp eingespielt. „Jetzt weiß man, dass ich eine bestimmte Art von Fußball mag“, sagte der Trainer des FC Liverpool. „Und dementsprechend könnt ihr euch vorstellen, dass ich euren Fußball liebe.“ In der Tat erinnert der Auftritt der deutschen Auswahl mit dem unbarmherzigen Pressing an Klopps Idee des Spiels. „Das waren eindrückliche Worte, die uns nochmal geholfen haben, an unsere Stärken zu glauben“, sagte Martina Voss-Tecklenburg, die bei Klopp hospitiert hatte und mit ihm weiter in Kontakt steht.

Begeistert ist auch Oliver Bierhoff. „Wir sind überglücklich, nicht nur wegen der Ergebnisse, sondern wie die Mannschaft die ganzen Wochen hier auftritt, welche Energie sie ausstrahlt, welche Entschlossenheit, welche Willenskraft“, sagte der Direktor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der die Partie wie Präsident Bernd Neuendorf und Innenministerin Nancy Faeser im Stadion verfolgte. Für Sonntag hat sich noch prominenterer Besuch angekündigt. „Ich freue mich darauf, nach London zu fahren und das deutsche Team im Traumfinale gegen die Gastgeberinnen aus England im Wembley-Stadion zu unterstützen“, twitterte Bundeskanzler Olaf Scholz.

Dann soll auch er live sehen, welche Begeisterung sich im DFB-Team in den vergangenen Wochen entwickelt hat. Sie soll zum zehnten EM-Titel führen. „Ich bin schon seit zehn Jahren bei der Frauen-Nationalmannschaft dabei und so einen Teamspirit, so ein Teamgefüge habe ich ganz ehrlich noch nie erlebt“, sagte Popp. „Wir sind so unfassbar glücklich, kein Schwein hat mit uns gerechnet, und wir stehen jetzt im Finale gegen England vor 90.000 – etwas Schöneres gibt es nicht“, sagte sie. Die Mannschaft, „die ist geil“. Mit so „einer Vorfreude, so einem Bock auf ein Finale“. Die Bühne zum ist bereitet. Und die Deutschen wollen die englische Party beenden. Zuzutrauen ist es ihnen allemal.

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