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FAZ.NET-Regelecke : Eine Frage der Ehre

Hoffentlich wird er nicht wieder Opfer einer Verschwörung: Gianluigi Buffon Bild: dpa

„Was wäre wenn“ ist ein beliebtes Rechenspiel vor den finalen Partien bei einer Meisterschaft. Die Konstellation vor den Endspielen in der EM-Gruppe C weckt in Italien ungute Erinnerungen.

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          Die Konstellation vor dem letzten Spieltag in Gruppe C weckt in Italien böse Erinnerungen an die Europameisterschaft vor acht Jahren. Damals wie heute begann das italienische Team das Turnier mit zwei Unentschieden (2004 gab es ein 0:0 gegen Dänemark und ein 1:1 gegen Schweden, 2012 jeweils ein 1:1 gegen Spanien und Kroatien) und musste zum Abschluss gegen ein bereits ausgeschiedenes Team gewinnen (damals Bulgarien, heute Irland), während den beiden vor ihnen liegenden Konkurrenten im direkten Vergleich ein bestimmtes Unentschieden zum gemeinsamen Einzug ins Viertelfinale reichte.

          Die Tabelle der Gruppe C vor dem letzten Spieltag:

          1. Spanien 4 Punkte, 5:1 Tore
          2. Kroatien 4 Punkte, 4:2 Tore
          3. Italien 2 Punkte, 2:2 Tore
          4. Irland 0 Punkte, 1:7 Tore


          Die Lage ist klar, wenn Italien gegen Irland gewinnt, und es zwischen Spanien und Kroatien einen Sieger gibt. Dann käme Italien neben dem Gewinner des Komplementärspiels weiter.

          Die Lage ist auch klar, wenn Italien gegen Irland nicht gewinnt: Dann kommen Kroatien und Spanien weiter, egal wie ihr Spiel ausgeht.

          Die Höhe des Unentschiedens entscheidet

          Spannend wird es, wenn Italien gewinnt, und Spanien gegen Kroatien unentschieden spielt. Dann hätten alle drei Mannschaften 5 Punkte, und es käme zum Dreiecksvergleich zwischen den Teams.

          Da bei Europameisterschaften im Fall von Punktgleichheit von zwei oder mehreren Mannschaften zunächst der direkte Vergleich und nicht das Torverhältnis zählt, ist es erst einmal egal, wie hoch Italien an diesem Montag (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) gegen Irland gewinnt. Vielmehr kommt es auf die Höhe des Remis im anderen Spiel an.

          Bei einem 0:0 zwischen Spanien und Kroatien wären die Italiener selbst bei einem mageren 1:0 über die Iren Gruppensieger, da sie 2:2 Tore aus den direkten Vergleichen aufzuweisen haben. Spanien und Kroatien kämen auf je 1:1 Tore. Zwischen diesen beiden Teams müsste dann als nächstes Kriterium das Torverhältnis aus allen Spielen in die Wertung genommen werden: Hier würden die Spanier dank ihres 4:0-Sieges gegen Irland die Kroaten (nur 3:1 gegen Irland) aus der EM drängen.

          Bei einem 1:1 zwischen Spaniern und Kroaten hätten sogar alle drei Teams im Dreiecksvergleich die exakt gleiche Bilanz. Nun läge es an der Höhe des italienischen Siegs gegen Irland, ob sie oder die Kroaten ins Viertelfinale einziehen. Sollte Italien ebenfalls 3:1 gewinnen, müsste im Vergleich mit Kroatien als letztes Kriterium der Uefa-Koeffizient zu Rate gezogen werden: Hier liegt Italien mit 34,357 knapp vor Kroatien (33,003) und käme weiter.

          Bei einem 2:2 zwischen Spanien und Kroatien kämen diese beiden Mannschaften weiter, weil sie dann jeweils 3:3 Tore im Dreiecksvergleich hätten, Italien aber nur 2:2 Tore. Auch ein höheres Unentschieden (3:3, 4:4 etc.) würde Italien rauskicken.

          Buffon witterte einen Weltskandal

          Es wäre der „Worst Case“ für die Azzurri - und die Erinnerungen an 2004 würden sicher hochkochen: Damals reichte ihr knapper 2:1-Erfolg gegen Bulgarien nicht, da sich Dänemark und Schweden tatsächlich wie erwartet 2:2 trennten: Exakt das Resultat, das beiden Teams reichte. Und die Art, wie es zustande kam, sorgte nicht gerade für Beruhigung der Gemüter: Dänemarks Torwart Thomas Sörensen begünstigte an jenem 22. Juni 2004 in der 89. Minute mit einem Patzer den 2:2-Ausgleich der Schweden durch Mattias Jonson, der der skandinavischen Allianz ins Viertelfinale half.

          Morten Olsen: „Natürlich machen wir einen Deal“ Bilderstrecke

          Kein Wunder, dass in den italienischen Medien damals lautstark der Verdacht einer Absprache thematisiert wurde. Auch viele Spieler witterten einen Komplott: „Das ist eine Schande, ein Weltskandal“, wetterte Gianluigi Buffon, der heute immer noch im Tor der Italiener steht, mittlerweile aber moderatere Töne findet: Das Gerede von einer Verschwörung sei nicht als die „billige Ausrede“ von Verlierern.

          „Wir haben auf dem Spielfeld verloren, sie als Menschen“, erklärte Verteidiger Christian Panucci pathetisch in Richtung Schweden und Dänen. Nur einer behielt die Contenance: „Wir scheiden erhobenen Hauptes aus“ sagte der damalige italienische Trainer. Es war Giovanni Trapattoni - der heute bei Irland auf der Bank sitzt.

          „Natürlich machen wir einen Deal“

          Ein ironischer Spruch von Morten Olsen - damals wie heute Trainer der Dänen - hatte auch nicht gerade dafür gesorgt, dass die italienische Presse weniger stark hyperventilierte: „Natürlich machen wir einen Deal.“

          Nun wittern Tifosi und Medien also wieder einen „Biscotto“ (Keks), wie sie derartige Verschwörungen nennen. Die Trainer versuchen diesmal aber, die Gemüter zu beruhigen. Vicente del Bosque sagte: „Spanien kann nur auf Sieg spielen!“ Und Kroatiens Slaven Bilic erklärte zum Komplott-Thema: „Der Teil des Gehirns, der solche Sachen beinhaltet, existiert bei uns nicht.“

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