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Fanarbeiter Goll : „Geplante Randale können wir nicht verhindern“

Volker Goll über Gewalt: „Geplante Randale können wir nicht verhindern“ Bild: dpa

Volker Goll ist Fanarbeiter bei der EM. Vor dem Risikospiel Deutschland gegen Polen spricht er über die deeskalierende Wirkung einer Fanbotschaft und das mulmige Gefühl wegen der Terrorgefahr.

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          Sie sind als Mitarbeiter der Koordinationsstelle von Fanprojekten auch bei der EM als Fanarbeiter vor Ort. Wie ist die Lage in Paris wenige Stunden vor Anpfiff des als Risikospiel eingestuften Duells zwischen Deutschland und Polen?

          Wie jeden Tag ist hier in Paris sehr viel Polizei zu sehen, sehr viele Maschinengewehre. Aber das hat meines Erachtens nichts Konkretes mit dem Spiel zu tun, sondern mehr mit der Terrorgefahr. Wir verfolgen die Szene am Bahnhof, wenn die Fans mit Zügen anreisen und machen uns ein Bild. Man muss allerdings ehrlich sagen, dass es in einer Millionenstadt wie Paris unmöglich ist, einen richtigen Überblick zu bekommen. Hier geht selbst eine Europameisterschaft und ein Spiel mit zwei großen Fangruppen unter.

          Fanarbeiter Volker Goll: „Wir können aber die Gesamtstimmung beeinflussen“

          Ist Paris sogar so groß, dass auch Randale dort untergehen würden?

          Es ist tatsächlich ein Unterschied, ob ein Spiel in Lille oder Paris stattfindet. In Lille gehen alle auf den einzigen großen Platz der Stadt und jeder begegnet sich. In Paris läuft man sich nicht so automatisch über den Weg. Kleinere Scharmützel würden hier deshalb vermutlich eher untergehen und nicht von Kameras eingefangen. Aber fragen Sie mich jetzt bitte nicht, wie viele Hooligans ich schon gesehen habe. Diese Zählerei wirkt mir sehr sensationsgesteuert. Es werden sicher welche vor Ort sein, aber sie haben sich nicht bei uns angemeldet.

          Was tun Sie, um die Atmosphäre positiv zu beeinflussen?

          Wir sind mit einer Fanbotschaft, die wir gemeinsam mit dem DFB betreiben, in den Spielorten, um Fanarbeit zu leisten. Mit diesem Konzept arbeiten wir seit der EM 1996 in England. Wir sind in Fankreisen mittlerweile eine bekannte Anlaufstelle, zu der Fans mit kleinen und großen Problemen, aber auch simplen Fragen kommen können. Bei uns werden die Sorgen der Fans Ernst genommen. Allein das nimmt schon mal viel Aggression aus dem Spiel.

          Sind Sie also guter Dinge, dass es keine größeren Ausschreitungen geben wird?

          Geplante Randale können wir nicht verhindern. Hooligans sind ein Thema für die Polizei. Wir können aber die Gesamtstimmung beeinflussen. Diese Rivalität zwischen Deutschland und Polen wird mir ohnehin zu sehr hochgeschaukelt. Die Realität sieht doch ganz anders aus. Wenn bei uns an der Fanbotschaft gestern oder heute Polen vorbeigekommen sind, haben wir sie auch angesprochen. Das sorgt für Verblüffung und vor allem für Entspannung. Ich würde mir wünschen, dass wir noch viel mehr dazu beitragen könnten, um diese Kultur im Umgang der Fangruppen untereinander zu verbessern. In Lille haben wir beispielsweise mit den Ukrainern zusammen die Fanbotschaft organisiert, das war dann ein Ort der freundschaftlichen Begegnung. Die Polen haben leider dieses Mal kein vergleichbares Fanarbeiterteam dabei, in Paris wäre eine gemeinsame Botschaft aber ohnehin nicht genehmigt worden.

          Wie sehr beeinflusst die Terrorgefahr die Stimmung bei der EM?

          Bei uns in der Fanbotschaft ist die Terrorgefahr erst einmal kein Thema. Die Leute interessiert, mit welcher Metro sie zum Stadion kommen und wo man am besten aussteigt. Die Sicherheitskontrollen sind dann ein Thema, weil die Leute wissen wollen, wie lange man für den Stadionzugang braucht. Erst wenn man etwas länger miteinander redet, kommt bei jedem ein mulmiges Gefühl wegen der Terrorgefahr zum Vorschein. Aber die Grundsatzentscheidung, zur EM zu fahren, hat jeder ja ohnehin schon vorab in Deutschland getroffen.

          Belastet das die Stimmung?

          Ich kann jetzt natürlich nicht ganz Paris beurteilen. Die Stimmung generell ist hier wohl vor allem in der Fanzone zu messen. Und da war es am Mittwochabend beim Spiel der Franzosen gegen Albanien gigantisch. Ich bin persönlich kein so großer Freund dieser Fanzonen. Aber hier in Paris mit Eiffelturm im Hintergrund ist das schon sehr besonders. Die Menschen genießen das und warten nach dem Spiel noch ab, weil jeder die Nationalfarben auf dem Eiffel-Turm sehen will. Das machen die Franzosen sehr gut.

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