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F.A.Z.-Interview : „Arjen wird im Zweifel auch bei der EM Elfmeter schießen“

  • Aktualisiert am

Kämpfernatur: Mark van Bommel (im Foto Mitte) geht keinem Zweikampf aus dem Weg Bild: dapd

Mark van Bommel führt die niederländische Nationalmannschaft an diesem Samstag als Kapitän zu deren Auftaktspiel gegen Dänemark (18 Uhr) aufs Feld. Im F.A.Z.-Interview spricht der 35 Jahre alte Mittelfeldspieler über seine Rolle im Team und die Nachwirkungen von Robbens Fehlschüssen.

          Sie sind Spieler in der niederländischen Nationalmannschaft, die Ihr Schwiegervater Bert van Marwijk trainiert. Ist das nicht ein merkwürdiges Gefühl?

          Ich fand das am Anfang vielleicht komischer als alle anderen. Ich habe mir einen besonderen Druck gemacht, weil ich beweisen wollte, dass die Mannschaft mit mir stärker ist. Das ging vielleicht fünf Spiele lang so.

          Wird man von Mitspielern beargwöhnt?

          Die anderen haben das schnell akzeptiert. Ich habe gerade in den ersten Spielen gezeigt, dass ich etwas im Team bewirken will. Ich finde das klasse, wie normal wir das im Team behandeln.

          Sie sind sogar Kapitän der Mannschaft. Und diese Mannschaft besteht aus vielen eigenwilligen Stars wie Arjen Robben, Robin van Persie, Rafael van der Vaart oder Wesley Sneijder. Wie schwer ist die Aufgabe, daraus eine Mannschaft zu formen?

          Ich bin Kapitän einer Mannschaft von 23 starken Spielern in einem sehr guten Kader. Als einzelner Spieler weiß ich, welchen Stellenwert ich habe und was ich ins Team und den Mitspielern mitgeben kann. Das muss jeder einzelne für sich zu nutzen versuchen. Wenn du mit einem Team Erfolg willst, musst du dich immer an den Spielern orientieren, die große Preise gewonnen haben. Sneijder hat beispielsweise die Champions League mit Inter geholt, war im WM-Finale, hat den Weltpokal gewonnen. Daran kann sich jeder hochziehen.

          Individuelle Stärke der Extraklasse: Die Spieler der niederländischen Nationalmannschaft

          Dennoch: Die niederländische Mannschaft hatte oft mit Querelen innerhalb des Teams zu tun, weil es mehrere Fraktionen gab. Besteht die Gefahr auch derzeit, angesichts von so vielen Individualisten?

          Nein. Wir haben 2010 als Mannschaft das Finale erreicht. Da hat jeder sein Ego hintangestellt. Das ist bei uns allen nun auch wieder drin.

          Bert van Marwijk hat sogar geäußert, dass er es gar nicht so schlimm finde, wenn etwas Zwist im Team ist.

          Zwist bedeutet nicht Streit. Es geht darum, dass wir uns alle mit unseren unterschiedlichen Qualitäten und Gedanken einbringen und manchmal auch diskutieren. Aber das Wichtigste ist, dass wir dank der vielen guten Spieler eine sehr gute Truppe haben.

          In der deutschen Mannschaft wird hingegen sehr viel auf Harmonie geachtet. Geht es dort zu friedlich zu für einen Titelgewinn?

          Das muss jede Mannschaft für sich entscheiden, wie sie mit schwierigen Situationen in einem Turnier umgeht. Die Deutschen werden da auch ihre Art haben. Sie haben meines Erachtens auch sehr viele Köpfe im Team, die so etwas regeln können.

          Arjen Robben und Sie kennen sich schon lange. Sie haben zusammen in München gespielt und ihn meist erlebt als denjenigen, der den entscheidenden Ball reingeschossen hat. Wie geht er mit der neuen Situation um, als Schuldiger für die Bayern-Misserfolge zu gelten?

          Wenn er trifft, ist er der Held, wenn nicht, dann kommt gleich Kritik auf. Damit muss er zurechtkommen, aber dennoch muss man Arjen auch in Schutz nehmen. Auch wir als Mannschaft müssen das jetzt tun, so wie in München die Mannschaft helfen musste, als Kritik innerhalb des Klubs geäußert wurde. Man muss zusammen stark sein.

          Ist Robben mental stark genug, um nach den Tiefschlägen mit den verschossenen Elfmetern und den Pfiffen beim Spiel mit der niederländischen Nationalmannschaft in München bei der EM befreit aufzuspielen?

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