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Elfmeter-Drama im EM-Finale : Der englische Patient leidet schwer

Kalvin Phillips (links) und Luke Shaw trösten Bukayo Saka nach dessen Fehlversuch beim Elfmeterschießen. Bild: dpa

Es beginnt mit Lucky Luke und endet doch im Tränenmeer: Die Engländer verzweifeln mal wieder im Elfmeterschießen und verlieren das EM-Finale gegen Italien. Die Auswahl der Schützen wirft Fragen auf.

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          Um 23.15 Uhr Ortszeit in London hatte das für alle Welt sichtbare Leiden ein Ende für die Engländer. Als der Präsident der Europäischen Fußball Union, Aleksander Čeferin, dem italienischen Kapitän Giorgio Chiellini den Coupe Henri-Delaunay überreichte und der den Silberpokal zu seinen Mannschaftskameraden trug, durften die Hausherren den Ort der englischen Trauer endlich verlassen, nachdem sie viele Tränen vergossen und fair gewartet hatten, um dem neuen Europameister Italien zu gratulieren. 55 Jahre nach dem WM-Sieg im alten Londoner Wembley-Stadion wartet England weiter auf einen Titel.

          Fußball-EM
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Und der englische Patient litt am Sonntagabend besonders schwer. Alles war angerichtet für die große Party nach all den Jahren des Schmerzes. Das Finale. In London. In Wembley. Ein Heimspiel. Besser konnte es gar nicht sein. Und besser konnte es kaum losgehen. Luke Shaw war der Glückliche, der fast schneller schoss als sein eigener Schatten, als er schon in der zweiten Minute per Dropkick für die Führung sorgte. England dominierte die erste Hälfte, Italien wurde in der zweiten besser und glich durch Leonardo Bonucci (67. Minute) aus. In der Verlängerung fiel kein weiteres Tor mehr.

          Das Fußball-Regelwerk hat für diesen Fall das Elfmeterschießen als Entscheidungshilfe eingeführt. Und das ist nicht die Disziplin, die die Engländer mögen. Schon 1996 bei der EM, auch in London, auch in Wembley, vermasselte ihnen der finale Shootout die Tour, als Gareth Southgate gegen die deutsche Auswahl im Halbfinale seinen Versuch vergab und England ausschied. Bei großen Turnieren wie einer Welt- oder Europameisterschaft gewannen die Briten von neun Elfmeterschießen nur zwei: 1996 im Viertelfinale gegen Spanien und bei der WM 2018 im Achtelfinale gegen die Kolumbianer.

          Drei eingewechselte Spieler scheitern

          Dass es nun wieder nicht klappte mit seinem Sieg – und damit dem zweiten Titel nach 1966 – lag auch an Southgate. Der ist inzwischen Trainer und hat in den vergangenen fünf Jahren großartige Arbeit geleistet. Doch die alte Krankheit ist nicht ausgeheilt. Es wird noch lange Debatten über die Auswahl der Schützen geben, die Southgate als Verantwortlicher wählte: Kapitän Harry Kane war der erste und traf. Danach folgte Abwehrchef Harry Maguire. Auch er verwandelte sicher. Doch dann schickte Southgate zu den entscheidenden Versuchen drei junge Spieler, die eingewechselt worden waren.

          Marcus Rashford von Manchester United und sein zukünftiger Klubkamerad Jadon Sancho, der von Borussia Dortmund zur nächsten Saison nach England zurückkehrt, waren gar erst in der 120. Minute als vermeintlich sichere und ausgeruhte Schützen aufs Spielfeld gekommen. Zuvor hatten sie im Turnier unter Southgate kaum eine Rolle gespielt. Nun lastete ein immenser Druck auf ihnen. Und als es galt, den fünften Versuch im Tor von Gianluigi Donnarumma unterzubringen, musste der erst 19 Jahre alte Bukayo Saka den langen Weg vom Mittelkreis antreten. Ihm versagten die Nerven, Italien gewann.

          Dabei war auch die Squadra Azzurra nicht fehlerfrei geblieben beim Nervenspiel vom Punkt. Andrea Belotti und Jorginho vergaben, während Domenico Berardi, Bonucci und Federico Bernardeschi ihren Ball im Tor unterbrachten. Das reichte an einem regnerischen Abend in London: Mit 3:2 ging das Elfmeterschießen an die Italiener, die zum zweiten Mal in ihrer Geschichte nach 1968 Europameister sind. 53 Jahre des Wartens sind vorbei, während die Engländer weiterhin leiden und nun einen neuen Anlauf nehmen müssen. Die WM 2022 findet schon in knapp eineinhalb Jahren in Qatar statt.

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