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England gegen Wales : Bruderduell mit etwas Schärfe

Da sind die Engländer: Gareth Bale will den Nachbarn mit Wales ärgern Bild: AFP

Der Waliser Bale würde niemals für England spielen. Dennoch kostet es Mühe, dem Bruderduell zwischen England und Wales an diesem Donnerstag (15 Uhr) ein bisschen Schärfe zu geben.

          5 Min.

          Der Waliser hat im Fußball derzeit einen besseren Ruf als der Walliser. Während der Schweizer Kantonist mit Doppel-L in Gestalt der Fifa-Präsidenten Sepp Blatter und Gianni Infantino in Verruf gekommen ist, erlebt der britische Stamm mit Solo-L seine beste Zeit seit 58 Jahren. 1958 stellten die Teams aus Wales, England, Nordirland und Schottland ein Viertel der Teilnehmer der Weltmeisterschaft in Schweden, eine Art interne britische Meisterschaft.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Wales erreichte, anders als England und Schottland, das Viertelfinale, hat aber seitdem bei allen 28 Welt- und Europameisterschaften immer zuschauen müssen. Nun endlich ist man zurück, und prompt kommt es diesen Donnerstag (15 Uhr/ live in ZDF und F.A.Z.-Liveticker) in Lens zum großen Duell mit England.

          Dass es Befürchtungen um die Sicherheit in der kleinen nordfranzösischen Stadt gibt, deren Einwohnerzahl von 31.000 weit von der Zahl anreisender britischer Fans übertroffen werden dürfte, hat mehr mit den Krawallen von Marseille und der kurzen Anreise über den Ärmelkanal zu tun als mit der Rivalität zwischen Engländern und Walisern. Es gibt sie nämlich nicht, jedenfalls gemessen an dem uralten, verbissenen Verhältnis zwischen den Engländern und den Schotten, die als Einzige von der Insel die Qualifikation verpassten.

          2008 fand die EM völlig ohne Teams von den Britischen Inseln statt, nun sind es gleich vier, Irland mit eingerechnet. Die EM 2016 zeigt die Rückkehr der Wettkampfstärke der englischen Profiligen, in denen fast alle Spieler dieser Teams ihr Geld verdienen. Aber sie zeigt auch die Wiederkehr des alten, hässlichen Gesichts des englischen Fußballs, des Hooligans.

          „Wenn ihr kein Ticket habt, reist nicht an!“, appellierte Kapitän Wayne Rooney vor dem Spiel in Lens an die Fans. „Und an die Fans mit Karten: Passt auf euch auf, seid vernünftig und setzt eure großartige Unterstützung für die Spieler fort.“ Bei abermaligen Ausschreitungen droht England der Ausschluss aus dem Turnier, weshalb auch Nationaltrainer Roy Hodgson die Anhänger mahnte: „Haltet euch aus Ärger heraus, damit diese Drohungen niemals wahr gemacht werden.“

          Walisische Klubs spielen in England mit

          Das gute Verhältnis der beiden Gegner schürt die Hoffnung, dass es friedlich bleibt. „Kein Engländer hätte ein Problem damit, wenn Wales als Gruppenzweiter die nächste Runde erreicht“, sagte der englische Fan-Sprecher Mark Perryman dem Magazin „11 Freunde“. Bekanntermaßen drückten jahrzehntelang viele Engländer den Walisern die Daumen, es endlich einmal zu einem großen Turnier zu schaffen.

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          Es gibt viele Verbindungen durch gemeinsamen Fußball. So gehört der beste walisische Klub, Swansea City, der englischen Premier League an, der zweitbeste, Cardiff City, der zweiten englischen Liga. Fast alle Waliser spielen in England, und fast alle könnten auch für England spielen. So wie Hal Robson-Kanu, der Siegtorschütze zum 2:1 gegen die Slowakei im ersten Spiel, der in London neben dem königlichen Palast in Kensington als Nachbar von Prinzessin Diana aufwuchs. Auch Gareth Bale, der beste britische Fußballer, hätte für England spielen können. Und damit für ein Team, das mit ihm das Zeug zu einem Titelgewinn hätte.

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