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Sieglos ins Halbfinale : Portugal ist nicht der erste lachende Dritte

Der lachende Dritte: Portugal erreicht sieglos das Halbfinale Bild: dpa

Ohne einen Sieg nach 90 Minuten ins Halbfinale? Was Portugal gelang, ist gar nicht neu. Und dass ein Vorrundendritter ein Halbfinale erreicht, ist nun fast schon ein Gesetz bei großen Turnieren.

          Die Fußballfans in ganz Europa – mit Ausnahme vermutlich Portugals – sind empört: Fünfmal hat die Mannschaft um Superstar Cristiano Ronaldo bei dieser Europameisterschaft gespielt und noch kein Fußballspiel im Sinne Herbergers gewonnen. Ein Spiel dauert ja nun einmal 90 Minuten. Und nicht 120 oder gar 125 inklusive eines Elfmeterschießens.

          Na gut. Portugal hat immerhin auch noch kein Spiel verloren. Nicht nach 90, nicht nach 120 und auch nicht nach Elfmetern. Den einzigen Aussetzer vom Punkt leistete sich Ronaldo ja passenderweise beim 0:0 im Vorrundenspiel gegen Österreich. Wer sich nicht schlagen lässt auf dem Platz, auf dem die Wahrheit liegt, der hat dann irgendwie doch einen Anspruch auf ein EM-Halbfinale. Ein „lucky loser“ beim Tennis, der nach einer Niederlage in der Qualifikation trotzdem ein Endspiel erreichen kann, darf dies nicht von sich behaupten. Für die Polen mag das besonders schmerzhaft klingen, da sie nun quasi ungeschlagen nach Hause fahren müssen.

          Weltmeister der Unentschieden

          Die Italiener – beim laufenden Turnier astreine Siegertypen, die stets nach 90 Minuten ihre Tagesarbeit mit einem Sieg erledigt hatten, wenn es drauf ankam (im letzten Vorrundenspiel gegen Irland ging es für sie um nichts) – werden als die klassischen Großmeister des Durchmogelns durch ein Turnier sicherlich ein wenig Anerkennung empfinden für die Portugiesen.

          Sie beherrschen die Kunst des MInimalismus zur gegebenen Zeit schließlich traditionell auch gut: 1982 wurden sie schließlich Weltmeister, obwohl sie in der Vorrunde kein einziges Mal gewannen. Gerade einmal ein mehr geschossenes Tor sicherte ihnen damals Rang zwei vor Kamerun, das folglich ausscheiden musste.

          Der weinende Zweite: Jakub Blaszczykowski und die Polen verlssen das Turnier ungeschlagen Bilderstrecke

          Aber auch im so umstrittenen Modus eines Turniers mit 24 Mannschaften, bei dem auch Gruppendritte weiterkommen können, gibt es Vorbilder für die portugiesischen Sieglosgewinner: Bei sämtlichen drei WM-Turnieren, die in diesem Modus ausgetragen wurden, qualifizierte sich jeweils ein Gruppendritter mindestens fürs Halbfinale. 1986 landete Belgien nach missratener Vorrunde und erst im Halbfinale vom späteren Weltmeister Argentinien geschlagen am Ende auf Rang vier.

          1990 schloss Argentinien eine schwache Vorrunde auf Rang drei ab und erreichte das Finale gegen Deutschland, wo der Titelverteidiger dann doch noch entthront wurde. Auf dem Weg durch die K.o.-Phase nutzten die Argentinier um Superstar Maradona dann auch zweimal das Elfmeterschießen zum Weiterkommen.

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          1994 schließlich waren es mal wieder die Italiener, die sich mit minimalem Aufwand beinahe den maximalen Ertrag sicherten: Erst im Elfmeterschießen des Endspiels gegen Brasilien zog die „Squadra Azzurra“ den Kürzeren, nachdem sie in der Vorrunde gerade so als viertbester der sechs Gruppendritten als letztes Team durchs Hintertürchen geschlüpft war - in den K.o.-Spielen zeigte sie dann erst ihr wahres Gesicht.

          Der lachende Dritte bei einem großen Fußballturnier ist also erstaunlicherweise die Regel statt die Ausnahme. Und die Erfolge eines „lucky losers“ könnten schon fast als Turniergesetz durchgehen: Denn auf der anderen Seite sind bei jedem der vier bislang in diesem Modus ausgetragenen Wettbewerbe die drei anderen der vier besten Gruppendritten direkt im Achtelfinale gescheitert.

          In diesem Jahr ereilte Slowaken, Iren und Nordiren die vermeintlich gerechte Strafe für eine eher schwache Vorrunde umgehend im Achtelfinale – während Portugal vom Turniersieg träumen darf. Wenn das Turniergesetz freilich Rechtskraft besitzen sollte, langt es höchstens für Platz zwei.

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