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EM-Übersteiger : Die Nationalmannschaft ist ein Party-Crasher

Die Spielverderber: Deutschlands Sieg in Belo Horizonte beendet die brasilianische WM-Party Bild: Reuters

Wehe, wenn es gegen die deutsche Nationalmannschaft geht: Seit 50 Jahren hat kein Turnier-Gastgeber mehr gegen sie gewonnen. Und einmal war Deutschland gar Spielverderber bei der eigenen Party.

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          Bei den bisher von ihnen ausgerichteten Fußball-Turnieren haben die Franzosen alles richtig gemacht – sie sind den Deutschen aus dem Weg gegangen, und konnten auch deshalb zwei Titel gewinnen. Bei der EM 1984 und der WM 1998 zerstörte kein Fußballspiel die deutsch-französische Freundschaft – und vor allem nicht den französische Triumphzug. Doch diesmal müssen sich „Les Bleus“ mit dem größten anzunehmenden Spielverderber auseinander setzen: sie treffen in EM-Halbfinale (Donnerstag, 21 Uhr, ZDF und Liveticker bei FAZ.NET) zu Hause auf Deutschland.

          Denn „die Mannschaft“ begnügt sich nicht damit, dem Ausrichter von großen Turnieren frei nach Rolf Rüssmann den Rasen kaputt zu treten, sie nimmt auch gerne den Sieg mit, schmeißt die Gastgeber aus dem Turnier, beendet somit die Party oder stürzt gar das ganze Land in Trauer.

          Die brasilianische Schmach von Belo Horizonte

          Zuletzt überaus eindrucksvoll geschehen beim 7:1 im WM-Halbfinale 2014 in Belo Horizonte gegen Brasilien – eine Schmach, von der sich die Seleção bis heute nicht erholt hat. Zuvor ebenso nachhaltig beim 6:5 im Elfmeterschießen im EM-Halbfinale 1996 in Wembley gegen England.

          Damit vertiefte sie einerseits das 1990 ebenfalls von einer deutschen Mannschaft begründete englische Trauma im Elfmeterschießen – und nahm zudem erfolgreich Revanche für die 2:4-Niederlage im WM-Finale von 1966. Die Wembley-Tor-Niederlage war die letzte einer deutschen Mannschaft gegen eine Heimmannschaft. Danach folgten in 50 Jahren Turniergeschichte neun Siege – oder auch zehn, je nach Lesart.

          Alles begann in Belgien

          Angefangen hatte die beeindruckende Serie in den beiden EM-Halbfinals 1972 und 1976, als die Finalrunde noch mit gerade mal vier Teams ausgetragen wurde. Beide Male beendete Deutschland frühzeitig den Titeltraum der jeweiligen Gastgeber: erst mit einem 2:1 in Antwerpen gegen Belgien 1972, dann mit einem 4:2 nach Verlängerung in Belgrad gegen Jugoslawien 1976.

          Sieg in Wembley: Deutschland gewinnt das EM-Halbfinale gegen England 1996 im Elfmeterschießen Bilderstrecke
          Hungrige Gäste : Die Nationalmannschaft ist ein Party-Crasher

          Angst vor der Übermacht gegnerischer Fans im Stadion hatten die “Teutonen“ auf alle Fälle nie - egal, zu welcher Spieler-Generation sie gehörten. Auf der deutschen Streichliste folgten in den 80er Jahren zwei WM-Gastgeber: Spanien wurde 1982 mit 2:1 in der Zwischenrunde aller Hoffnungen beraubt, Mexiko 1986 im Viertelfinale per Elfmeterschießen (4:1) aus dem Turnier gekegelt.

          „Wir gegen uns“ in Hamburg

          In die 90er fiel dann die Phase der Revanchesiege. Vor dem erwähntem Erfolg in Wembley 1996 räumte Deutschland schon 1992 Schweden im EM-Halbfinale aus dem Weg (3:2). Damit war nebenbei auch das 1:3 aus dem WM-Halbfinale 1958 ausgeglichen – als das deutsche Weltmeister-Team in Göteborg den Gastgeber passieren lassen musste - und angesichts der „Heja, Heja Sverige“-Rufe zum bislang letzten Mal wegen der Übermacht der Heimfans die Nerven verlor.

          Zwei blanke 1:0-Siege reichten dann in den 2000er Jahren, um den Nimbus zu wahren. Südkorea wurde im WM-Halbfinale 2002 geschlagen, Österreich in der EM-Vorrunde 2008 – beide Tore schoss übrigens Michael Ballack.

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          Und dann gab es ein einziges Mal noch einen deutschen Sieg gegen einen Turnier-Ausrichter, der den Gastgeber nicht aus dem Turnier warf – sondern ihm sogar noch den leichteren Weg auf dem Weg zum Titelgewinn bescherte. Der spätere Weltmeister unterlag zum Abschluss der Vorrunde mit 0:1 - und traf deshalb in der Finalrunde nur auf Schweden, Jugoslawien und Polen – und musste nicht gegen Argentinien, Brasilien und Holland spielen. Es geschah 1974 in Hamburg: ein gewisser Jürgen Sparwasser erzielte das einzige Tor, die damalige DDR gewann 1:0 gegen die Bundesrepublik. Deutschland hatte verloren und doch gewonnen.

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