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Deutsches EM-Quartier : Romantik und Geist

Konventionelle Hotelanlage: das EM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Évian-les-Baines Bild: AFP

Der weltmeisterliche Geist von Campo Bahia ist nicht wiederholbar. Für das deutsche Nationalteam war es daher geboten, in Frankreich das Gegenteil zu suchen. Das hat sie in Évian gefunden.

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          Aus Sicht der Projektentwicklung war das Campo Bahia nach allem, was man hört, ein Flop. Wo vor zwei Jahren Joachim Löw und sein Team Ruhe und Kraft für ihre brasilianischen Strapazen fanden, herrscht heute eine eher ungewollte Stille. Die Auslastung, so heißt es, sei bescheiden. Da hilft es offenbar nicht einmal, dass die Pavillonsiedlung am Atlantik für die Entwicklung eines besonderen Geistes weltberühmt geworden ist. Wobei im Nachhinein auch manches ein bisschen anders scheint als in jenen goldenen Tagen, in denen die am Strand spazierenden und mit der Fähre übersetzenden Deutschen als die letzten Romantiker des Fußballs daherkamen. Noch kurz vor der Ankunft, so räumte Teammanager Oliver Bierhoff inzwischen ein, sei nicht absehbar gewesen, ob das Ganze auch wirklich rechtzeitig bezugsfertig würde. Zumindest diese Geschichte, so weiß man heute, hätte also auch ganz anders enden können.

          Etwas Einmaliges aber, das ist das Campo Bahia in jedem Fall gewesen, wie Bierhoff seither stets betont. Weshalb es geradezu geboten war, für die Europameisterschaft in Frankreich nach etwas ganz anderem Ausschau zu halten. Herausgekommen ist ein krasser Gegensatz: Das „Ermitage“ in Évian-les-Bains, wo die Deutschen am Dienstag ihre Zimmer bezogen, kommt als ziemlich konventionelle Hotelanlage in einem etablierten – man könnte auch sagen: saturierten – Urlaubsresort daher. Romantisch, das schon irgendwie auch mit dem famosen Blick auf den Genfer See und die Alpen. Aber ganz anders als jener Hauch von Abenteuer, der sich seinerzeit in Brasilien spüren ließ.

          Die Teams müssen im Land bleiben

          Bierhoff & Co. hatten sich auch in der Umgebung von Paris umgesehen, was sie mit Blick auf das erhoffte Finale am 10. Juli nicht nur für praktisch, sondern auch für ein passendes Zeichen gehalten hätten, sie fanden jedoch nichts Adäquates. In einem alten Schloss zu residieren sahen sie wiederum als keinesfalls erwünschtes Zeichen. Das schöne Südfrankreich fiel aus der Wahl, weil man unter anderem den Herausforderungen des Straßenverkehrs nicht traute. Nun also beschauliche Randlage im gediegenen Évian. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass der ursprünglich ins Blick gefasste Flughafen von Genf aufgrund des Reglements nicht genutzt werden kann: die Teams müssen innerhalb von Frankreichs Grenzen bleiben. Geflogen wird deshalb von Annecy.

          Wichtig war den Deutschen vor allem eines: ein kompakter Ort, der kurze Wege bietet und die Kommunikation fördert. Was, zumindest wenn man sich nicht gerade im 19 Hektar großen Park verläuft, laut Bierhoff so gut gewährleistet ist, dass es nicht einmal der Höchststandard sein musste: das „Ermitage“ ist mit nur vier Sternen dekoriert. Man kann die Sache trotz des dezenten atmosphärischen Anklangs an Brasilien auch so sehen: Der richtige Geist muss doch vor allem von den Spielern selbst kommen.

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