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Frankreich in der Einzelkritik : Griezmann tanzt, Payet fällt einfach um

Ein Mann, zwei Tore: Antoine Griezmann trifft doppelt gegen Deutschland. Bild: AFP

Lloris hält seinen Kasten sauber. Pogba hat seine beste Szene vor dem 2:0. Giroud gewinnt fast jedes Kopfballduell. Und Griezmann überragt ihn trotzdem noch. Die französischen Spieler in der Einzelkritik.

          3 Min.

          Frankreich jubelt nach dem 2:0-Sieg über Deutschland und freut sich auf das EM-Finale gegen Portugal im eigenen Land am Sonntag. Die Spieler der Equipe tricolore in der Einzelkritik:

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Hugo Lloris: Zeigte in der ersten Halbzeit eine starke Parade, als er den Schuss von Emre Can aus dem rechten unteren Eck fischte. Danach war der 29 Jahre alte Torwart der Tottenham Hotspur auch beim Versuch von Bastian Schweinsteiger, den er über das Tor lenkte, auf dem Posten. Hätte keine Chance gehabt beim Schuss von Joshua Kimmich, dessen Versuch kurz nach dem 2:0 an den Außenpfosten krachte. Den Kopfball des deutschen Youngsters kurz vor Ende wehrte er in Weltklasse-Manier ab.

          Patrice Evra: Der 35-Jährige beschränkte sich als linker Außenverteidiger auf die Defensive. Ließ Joshua Kimmich und Mesut Özil einigen Raum. Man merkte, das ihm inzwischen die Schnelligkeit fehlt. Bekam für ein Foul an Bastian Schweinsteiger an der Mittellinie kurz vor der Pause Gelb. Nach seinem Kopfballduell mit dem deutschen Kapitän gab es einen Handelfmeter für Frankreich.

          Samuel Umtiti: Der Youngster, der zur neuen Saison von Olympique Lyon zum FC Barcelona wechselt, durfte nach seinem Länderspiel-Debüt im Viertelfinale gegen Island gleich in der Innenverteidigung bleiben, obwohl Adil Rami seine Gelb-Sperre abgessesen hatte. Zeigte eine gute Partie, klärte in höchster Not vor Thomas Müller im eigenen Fünfmeterraum.

          Laurent Koscielny: Spielte den routinerten Part im Zentrum der französischen Verteidigung. Zeigte sich gewohnt stark im Kopfball, wenn die Deutschen doch mal hohe Bälle in die Spitze spielten. Hielt den Laden zusammen und darf sich nun auf das EM-Finale freuen, wenn Cristiano Ronaldo in seinem Territorium auftauchen dürfte.

          Bacary Sagna: Wie sein Gegenpart Patrice Evra nicht immer ganz sicher auf seiner rechten Außenverteidiger-Position. Hatte vor allem Probleme, wenn die Deutschen lange Bälle auf Draxler und Hector spielten. Man merkt dem 33 Jahre alten Spielers von Manchester City sein Alter an.

          Blaise Matuidi: Hatte alle Hände voll zu tun im Mittelfeld gegen den deutschen Ballbesitzfußball. Der 29-Jährige von Paris St.-Germain versuchte vor der Abwehr die Lücken zu stopfen. Das klappte nicht immer.

          Paul Pogba: Der 23-Jährige sollte der große Star dieser EM werden. Doch auch gegen Deutschland ragte der Antreiber von Juventus Turin nicht heraus. Hatte Glück, dass es keinen Foulelfmeter gab, nachdem er bei einer Rettungstat Kroos in die Quere kam und den Deutschen auf der Strafraumlinie zu Fall brachte. Sein Freistoß auf der anderen Seite brachte Manuel Neuer nicht ins Schwitzen. Hatte seine beste Szene vor dem 2:0, als er Mustafi elegant austanzte und eine Flanke schlug, die Neuer nicht festhalten konnte.

          Dimitri Payet: Die Entdeckung der EM zeigte auch gegen das DFB-Team, warum er so wichtig für die Franzosen sind. Sehr flexibel im linken Mittelfeld. Einen Freistoß aus 30 Metern vom Mann von West Ham United fing Neuer locker ab. Mitte der ersten Halbzeit mit einem wilden Befreiungsschlag zurück in den eigenen Strafraum. Bekam später einen Flugkopfball von Shkodran Mustafi ins Gesicht und fiel einfach um. Nach kurzer Behandlungspause stand er wieder. Wurde später ausgewechselt.

          Moussa Sissoko: Agierte auf der rechten Offensivseite und hatte viele Defensivaufgaben zu erledigen. Der 26 Jahre alte Spieler von Newcastle United offenbarte dabei immer wieder Abstimmungsprobleme mit Sagna hinter ihm. Ansonsten unauffällig. Luchste Draxler den Ball nach der Pause geschickt ab und wurde danach vom Deutschen rüde gefoult, der dafür verwarnt wurde.

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          Antoine Griezmann: Der Gefahrenherd für das deutsche Team. Hatte alle drei französischen Chancen in der ersten Halbzeit. Erst parierte Neuer, dann traf der Stürmer von Atlético Madrid nur das Außennetz, den Handelfmeter kurz vor der Halbzeit verwandelte er eiskalt im Glutofen von Marseille. Holte zudem geschickt die frühe Gelbe Karte für Emre Can heraus durch seinen schnellen Antritt. Sehr flexibel, harmonierte prächtig mit Mittelstürmer Olivier Giroud. Und war dann vor dem 2:0 zur Stelle, als er den Ball ins Tor spitzelte. Führte danach wieder sein kleines Tänzchen auf. Bester Franzose, nicht nur wegen seiner beiden Tore. Kurz vor Schluss mit viel Applaus ausgewechselt.

          Olivier Giroud: Der 29 Jahre alte Stürmer vom FC Arsenal war die wichtigste Anspielstation der Franzosen in der Offensive. Starke körperliche Präsenz, im Kopfballspiel fast nicht zu verteidigen. Hatte kurz vor der Pause schon eine große Chance, als er alleine auf das deutsche Tor zulief – nach eigener Kopfballvorlage im Duell mit Jerome Boateng. War aber zu langsam, seinen Schuss blockte Benedikt Höwedes in höchster Not ab.

          N'Golo Kanté: Der englische Meister von Leicester City, der gegen Island gesperrt fehlte und gegen Deutschland zunächst nur auf der Bank saß, kam in der 71. Minute für Payet, um den Vorsprung über die Zeit zu retten. Führte sich ein, indem er Julian Draxler rüde stoppte und die Gelbe Karte sah.

          Andre-Pierre Gignac: Der wuchtige Stürmer löste sein Ebenbild Giroud nach 78 Minuten ab, beschäftigte die deutsche Abwehr noch ein bisschen und durfte am Ende mitfeiern.

          Yohan Cabaye: Durfte wie die Fans in Marseille Griezmann bei dessen Auswechslung in der Nachspielzeit applaudieren und bekam drei Minuten Spielzeit vor der französischen Party.

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